mal davon abgesehen, dass eine Fußball-Mannschaft kein Hühnerstall ist: ich glaube, die Zeiten von "alles hört auf mein Kommando" sind auf dem Fußballplatz vorbei. Das Spiel wird nicht mehr dirigiert durch einen zentralen "Spielmacher", dem der Wasserträger den Ball zuträgt und der dann aus dem Fußgelenk den tödlichen Zauberpass auf den Mittelstürmer schüttelt. Stattdessen geht es um Ballstafetten mit möglichst wenig Berührungen durch einen Spieler und jeder bis hin zum IV muss technisch dazu in der Lage sein.Es leigt mit Sicherheit nicht nur an den fehlenden Leadequalitäten, dies ist nur ein Teil von einigen des ganzen Puzzles einer nicht funktionierenden Mannschaft.
Dennoch: eine Mannschaft bracht stets eine Hackordnung mit Spielern, die auf dem Platz zeigen, wo es lang geht. Die Genialität eines Johan Micoud kombiniert mit der Torgefährlichkeit eine Ailton sowie einer von Ismael geführten Abwehr waren zwar das Grundgerüst für das Doublejahr 2004. Aber das alles hätte nicht gereicht, wenn wir in dieser Mannschaft keine Spieler gehabt hätten, die die Truppe moralisch in Takt gehalten haben, seien es Baumann, Ismael, Ernst, Micoud oder Davala gewesen.
Und diese Führunsgqualitäten sind bei einer so jungen Mannschaft wie Werder 2011/12 um so mehr gefragt. Denn die jungen Spieler können sich, sofern sie nicht mit überdurchschnittlichem Talent gesegnet sind, nur zu guten Spielern entwicklen, wenn sie Kollegen an der Seite haben, die sie motivieren, vllt. auch mal verbal in A... treten, von deren Erfahrung sie lernen und profitieren etc. Aber wie soll das funktioniern, wenn selbst der Mannschaftskapitän die Gabe nicht hat und sportliche selbst neben der Spur steht? Wenn ein Baby laufern lernen soll, dann braucht es Menschen, die es ihm auch ziegen können...
Es mag je nach System Positionen geben, in dem die Fähigkeit zum Ballverteilen besonders wichtig ist, aber dies heute mehr im Sinne des Initiierens von Ballstafetten in dafür geeigneten Räumen und nicht im Sinne von Zuständigkeit für den letzten Pass. Auch das vielzitierte "Spiel ordnen" ist zunehmend etwas geworden, was mehr eine Frage der Konstellation aller Spieler zueinander, zum Ball und zum Gegner ist, also eine Gemeinschaftsaufgabe und weniger die Aufgabe der herrisch gestikulierenden Effenbergs vergangener Tage.
Das wir in der 2004er Mannschaft eine funktionierende Hackordnung gehabt hätten, weil einige die "Truppe moralisch in Takt" gehalten hätten, ist eine schwer zu überprüfende Behauptung. Sicher hatten wir in der Mannschaft einige erfahrene Typen mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und Wettkampf-Mentalität und schaden werden solche Typen nie. Aber solche Typen hatten die Bayern etwa letztes Jahr auch und waren dennoch chancenlos gegen Dortmund, deren Spieler ich von ihrer Mentalität für durchaus vergleichbar halte mit den unseren.
Ich glaube insgesamt, diese Häuptling und Indianer- Denke ist ein Anachronismus, der aus einer Zeit stammt, in der man sich Ordnung nicht ohne Hierarchie denken konnte und wird besonders in Fußball-Deutschland gerne überschätzt. Es ist halt auch zu verlockend, fehlende Ordnung auf dem Platz dadurch zu erklären, dass der Ordner fehlt.
in der Hose" was zu unternehmen. Und wenn Hpjä( wird der so geschrieben), das Ruder rumreißen sollte, was ich übrigens stark bezweifle, hätten die Fans zum Wohle ihres Vereins alles richtig gemacht
