Werders Spiel im Mittelfeld wirkt deswegen teilweise konzeptlos, weil fast ausschließlich Hunt und Fritz für den Spielaufbau sorgen...und wenn man bedenkt dass Fritz eigentlich Verteidiger (oder früher mal Stürmer...) ist, dann bleibt Hunt als Lenker und Denker über....nur ist Hunt ein LM und kein ZM...Das Personal wäre aber eigentlich vorhanden, persönlich würde ich gerne mal Trinks von Beginn an sehen, auf ihre Art und Weise können sowohl Marin als auch Wesley diese Position spielen und Ekici sowieso.
Ist das so? Leise Zweifel bleiben.
Was Schaaf sehen will, das lässt sich doch aus all den Jahren herleiten, ist ein flüssiges, schnelles Spiel durch die Mitte mit konsequentem Abschluss der Aktion.
Deshalb lässt Schaaf Raute spielen, weil er a) ganz offensichtlich glaubt, seine Spielidee nur so verwirklichen zu können (was sicherlich nicht falsch ist) und b) das eben schon mal irgendwann zu seiner Zufriedenheit nahe am Optimum funktioniert hat.
Über den Zehner ist viel gesagt worden, was alles irgendwo stimmt,
ich bin dennoch nahe bei Maddin, dass unser derzeitiges Defizit mehr auf der Sechs zu suchen ist. Aber schauen wir uns die Spieler hinter der Zehn an.
Soll dieses System zentrumsorientiert, also wie gewollt umgesetzt werden, erfordert das Halbfeld in Schaaf`s Raute zwei Dinge speziell:
1.) effizientes und möglichst hohes Pressing, damit der Raum zwischen AV`s und den Stürmern, wo wir in der Regel gegen die Systeme der Gegner nominell unterlegen sind, einerseits nicht zu groß wird und andererseits die Kompaktheit schon in Gegners Hälfte erreicht wird. Denn es ist dann ganz wichtig, den Ball weit vorn zu erobern bzw. die Spieleröffnung zu verhindern, weil die Lücke zwischen HP` s und Sechser sonst zu gefährlichen Unterzahlsituationen führt
2.) ein gesundes Maß an Spielübersicht(-verständnis) und Passsicherheit, da diese Halbposition nun mal das entscheidende Bindeglied zwischen Sturm und Abwehr ist.
Hunt gibt sich große Mühe, beides umzusetzen, kann aber 1.) einfach nicht in Gänze schaffen, weil er oft nach innen zieht, die Seiten wechselt, um sich besser in die Spielgestaltung einbringen zu können. Das ist auch zwingend erforderlich wegen des lähmenden Kreativdefizites im Zentrum und weil generell die Mitspieler fehlen, die auf seine Ideen schon aus der Halbposition heraus eingehen könnten. So fehlt er dann zur Unterstützung gegen den Ball und Du siehst oft, wie die Gegner genau in diese Lücke stoßen.
Fritz wiederrum erfüllt 1.) sehr gut, kann aber 2.) kaum leisten, da ihm dafür grundsätzliche Fähigkeiten fehlen, er agiert ohne Strategie und ist im Aufbau deutlich überfordert, versucht dies jedoch mit hohem Laufaufwand und Zweikampfstärke zu kaschieren. Im Ergebnis eine weitere Position, die Hunt kreativ ausgleichen muss.
Ähnlich Bargfrede als Sechser, der alles in die Waagschale wirft, was er hat, wie Fritz extreme Laufstärke und energisches Spiel gegen den Ball. Doch auch er ist im Aufbau total überfordert, es fehlt komplett das Gefühl, wann er ein Spiel wie eröffnen muss, im Sinne des Raum- und Zeitgewinns, auch unter Druck einzuschätzen, was um einen herum passiert, um dann die richtige Lösung zu finden. Also ein Spiel lesen können, schon zu wissen, welche Pass-Optionen es gibt, bevor er den Ball hat, wie man ein Spiel verlagert. Dazu ist Bargfrede außerstande. Dummerweise sind das genau die Dinge, auf die es auf dieser Position entscheidend ankommt. Ein Aufbau auf dieser Position alleine könnte die Hunt` schen und Fritz` schen Defizite im Teamverbund deutlich mindern.
Ergebnis: Einerseits sehen wir geschlossene Mannschaftsleistungen (nicht Glück), Spieler die eine hervorragende Einstellung offerieren und da hat Schaaf verdammt gute Arbeit geleistet. Andererseits wie z. Bsp. oben beschrieben Spieler, die trotz vorbildlichem Engagement zu einem Gutteil an den eigenen Fähigkeiten scheitern und deswegen die ihnen übertragenen Aufgaben nicht in Gänze erfüllen können. Weil der Trainer den Kardinalfehler, das falsche System für die Akteure mit obendrein unangemessener Spielausrichtung nicht ändern wird.
Quintessenz: Enorm hoher Aufwand bei vergleichsweise wenig Ertrag. So verbrennst Du eben teilweise die Spieler ohne grosse Hoffnung auf Weiterentwicklung und es erschwert die Integration von Neuzugängen. Das reicht oftmals immer noch, nicht zuletzt wegen der Qualität und der guten Einstellung, bspw. um Rückstände aufzuholen, führt aber zu erwartbaren Rückschlägen, die dann eben z.T. heftig kommen. Muss das sein?
Denn wir haben gesehen, was möglich ist – in Augsburg ab ca. der 60. Minute, gegen Köln ab der 37. Minute. Ich war im Stadion. Bei einer Systemumstellung auf 4-3-3 kam unsere Mannschaft extrem gut ins Spiel. Ja, sowas geht zu Lasten der Flexibilität, erleichtert aber zumindest unseren Spielern einiges, die mit einem klareren Aufgabenfeld deutlich besser zu recht kommen. Dass wir dann in Gladbach wieder mit einer Raute aufliefen, bei gleichen Spielern mit systemimmanenten Schwächen, mit gleichbleibender Ausrichtung, hab nicht nur ich nicht verstanden.