Dann lass doch mal die 13 Erfolgsjahre von Gladbach hier revue passieren - da bin ich mal gespannt.
Mit "Momentaufnahme" meine ich den aktuellen Erfolg der Mannschaft im Vergleich zu langer, langer Tristesse.
Es geht nicht um Gladbach, sondern es geht darum was Favre geändert hat. (...) Favre hat aus schlechten Spielern, die nicht Wunschspieler von ihm waren, im Kollektiv bessere gemacht.
So wie ihm das bei Hertha auch so dermaßen eindrucksvoll gelungen ist, dass er am Ende regelrecht verhöhnt wurde (und der Verein abstieg).
Nicht, dass ich Favre jetzt für einen schlechten Trainer halte. Aber dass z.B. er (oder Slomka, Dutt, Tuchel etc., die alle hier schon mal als Nachfolger von TS gehandelt wurden) beim SV Werder den ganz großen Erfolg klar machte - mit demselben Personal - ist für mich mehr als fraglich.
Bei Slomka z.B. sieht man derzeit doch schon ganz gut, wohin die Reise nach dem aus dem Nichts geborenen Zufalls-Erfolg der vergangenen Saison wieder geht. Ein schönes Jahr - und das war's dann.
...damit redest Du allerdings am Zitat vorbei, welches Du beantwortest. Das war nicht die Kernaussage.
Solche Vergleiche sind aus mehrfacher Hinsicht unsinnig, wenn diese auf der Basis der 12,5 Jahre Schaaf geführt werden, weil Bremen in der Hinsicht eben mit keinem anderen Verein vergleichbar ist.
Im Frühjahr 1999 stand Werder vor einem Scherbenhaufen, was in erster Linie an den Spätfolgen von 95 lag, da der gesamte Verein den Rehhagel-Abgang und damit den Abgang sportlicher Kompetenz völlig unterschätzt hatte (übrigens war das der perfekte Coup vom Wurst-Uli, dem es genau darum ging). Bei allen nachfolgenden Trainern stellte sich die Frage, aus welchen Beweggründen heraus die verpflichtet wurden und deren folgende Karrieren, ausgenommen Magath, zeigen eben auch, wie falsch Werder lag. Dörner ein Riesenfußballer, aber kein BL-Trainer, Sidka als Spielertrainer schon in Oldenburg gescheitert, de Mos Zeit längst vorbei. Es war aber nicht nur die Trainerfrage, es waren viele Belange auf allen sportlichen Ebenen. Daraus lernte der Verein erst mit dem Fastabstieg und installierte das Duo Born/ Allofs, die den mit Abstand grössten Anteil an den letzten 12 Erfolgs-Jahren haben. Das erste, was Born noch vor direktem Amtsantritt in Abstimmung mit Magath (bereits FM hatte erkannt, wie sehr ein solcher Spieler fehlte) gelang, war den Baumann-Transfer perfekt zu machen und gleich danach mittels seiner Kontakte der Coup, Pizarro in Südamerika zu entdecken. Fabian Ernst galt schon in der B-Jugend als Riesentalent ("neuer Beckenbauer"), kam aber im ersten Jahr in Hamburg nicht zurecht. Den im richtigen Moment zu holen, war von Allofs ein ähnlich cleverer Schachzug wie 8 Jahre später mit ähnlicher Vorgeschichte Özil zu verpflichten. Im gleichen Jahr kam Krstajic. Dann der Transfer von Lisztes 2001 als in Stuttgart teilweise gescheitertes Talent, als der VFB als Fastabsteiger sparen musste. Allofs Frankreich-Kontakte mit Micoud und Ismael. Born` s Idee, Cesar zur Ailton-Unterstützung zu reaktivieren. Usw., usf.
Für Schaaf wurden großartige Voraussetzungen geschaffen, seine Vorgänger hingegen haben Dieter Frey, Dirk Weetendorf, Jens Todt, Heiko Scholz, Dirk Flock, Heimo Pfeifenberger, Adrian Kunz oder Pavel Wojtala bekommen. Stichwort sportliche Kompetenz auf der Führungsebene. Trotzdem hat TS im selben Zeitraum wie seine schlechten Vorgänger, mit oben genannten Spielern unwesentlich mehr gerissen. De Mos, Dörner und Sidka wurden 9. (44 Punkte), 8. (48 Punkte), 7. (50 Punkte), Schaaf 9. (47 Pkt.), 7. (53 Pkt.) und 6. (56 Pkt.). Doch während erstere neben eigenen Unzulänglichkeiten eben auch am vorhandenen Personal und nachweislich an den spielerischen Mitteln scheiterten, haben wir seinerzeit unter Schaaf bessere Platzierungen verspielt, nicht nur weil die (gut besetzte) Truppe auch statistisch viele Chancen erspielte, sondern vor allem weil viele optisch überlegen geführte Partien auf hanebüchene Weise vergeigt wurden.
Nun stünde ja noch die "Selbstbeteiligung" Schaaf`s an all diesen Transfers zu recht im Raum. Aber wenn ich sehe, wie wir kein sinniges taktisches Konzept auf dem Platz hinbekommen, Spieler, die die Laufwege des anderen nicht kennen, wie wir seit gefühlten Ewigkeiten ein unsauberes Passspiel und eine schlechte Ordnung auf dem Rasen haben, wie wir immer wieder das selbe System, welches zuletzt mit Micoud wirklich umsetzbar war und allerspätestens seit dem Baumann-Abgang nicht mehr funktioniert, und Leute auf falschen Positionen spielen, wie die Mannschaft seit zig Jahren gute Ergebnisse viel mehr aus individuellen Einzelkönnern und Einzelaktionen bezieht als aus System und konzeptionellem Spiel. Oder wie das ganze Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammenfällt, sobald es Allofs nicht wenigstens annähernd gelingt, Spieler für die Raute zu holen. Dann komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass das "kreative Querdenkertum" hauptsächlich in den Köpfen von Born/ Allofs begründet lag und liegt.
Ich hoffe immer noch, dass es anders ist.
Aber Schaaf hatte und hat hier Vorrausetzungen, die nirgendwo anders ein Trainer bekommt. Erstens ist er ein Eigengewächs, zudem mit Trainervorgeschichte (A-Jugend und Amateure), zweitens sehnte sich der Verein 99 nach der Kontinuität wie bei Rehhagel und stand am Abgrund, drittens die relativ ruhige Medienlandschaft. Viertens glaube ich, dass bspw. die Ergebnisse der Saisons 2002/2003, 2006/ 2007 und 2008/ 2009, die gemessen am herausragenden Spielermaterial indiskutabel waren (auch wenn es 08/09 schöne Momente gab), für fast jeden Trainer in anderen Vereinen das Aus bedeutet hätten.
Deshalb sind solche Vergleiche, wenn sie derart geführt werden, von vornherein unsinnig. Die Kernaussage von johnni war aber die, wie, wo und auf welche Weise was verändert wurde. Und das taugt dann zum Vergleich.
Und - mich haben die ach so vielen Gegentore in den super-erfolgreichen Werder-Jahren der jüngeren Vergangenheit nie wirklich gestört. …..
Mir ist ein 5:4 gegen Hoffenheim 10 mal lieber. Aber das ist sicher Geschmackssache.
Für den Fan sind solche haarsträubenden Spiele wie das gegen Hoffenheim vielleicht Geschmackssache. Es wird wohl auch kaum Fussballfans geben, die nicht schöne Spiele und Tore sehen wollen.
Nur bringen solche Spiele keine Mannschaft weiter, weil diese ihre Sicherheit nicht über viele Gegentore bezieht, sondern über Kompaktheit, Automatismen und Eingespieltheit. Diese Erfahrung habe ich oft genug im Verein gemacht. Werder`s Ergebnisse nach diesem ominösen Hoffenheim-Spiel: 1:4 in Stuttgart, 3:3 gegen Dortmund, 1:1 in Hannover, 0:2 gegen Leverkusen, 2:2 in Athen und 0:3 gegen Athen. Zufall?