Bei deiner Kritik an den unreflektierten Reaktionen auf sportliche Krisen kann ich dir nur aus vollstem Herzen zustimmen. :tnx: Sie sind es u.a. die mir den Umgang mit diesem Forum in letzter Zeit schwer machen (auch wenn ich sagen muss, dass das halt auch die Funktion eines Forums ist).
Was die Zukunftsperspektive betrifft, kann ich zur Zeit nur sagen: Dein Wort bzw. die von Allofs und Schaaf in Gottes Ohr.
Aber allzuviele Anzeichen dafür, dass bei Werder wirklich ein Umbruch stattfinden wird, sehe ich nicht. Zumindest wenn mit Umbruch gemeint ist, dass nicht nur das Personal mehr oder weniger erzwungenermaßen ausgetauscht wird.
Sondern dass man sich grundsätzliche Gedanken macht: über die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, über die Spielweise, über die nach wie vor vorhandenen spielstrategischen Mängel und die Mängel im Defensivverhalten, und warum sie sich immer stärker auswirken. Gedanken darüber, ob sich der Fußball verändert hat, welche Mannschaften Erfolg haben und welche nicht. Vielleicht auch Gedanken, ob man weiterhin bei neuen Spielern überwiegend auf spielerisches Potential, Perspektive und Wiederverkaufswert achtet, möglicherweise auch über die wirtschaftliche Entwicklung eines Vereins wie Werder Bremen.
Ich war und bin überzeugt von dem grundsätzlichen Konzept bei Werder Bremen und halte viel von der Kritik daran für wenig durchdacht und vor allem wenig realistisch.
Aber was ich von Werder in der letzten Zeit sehe, ist eine fast absurd anmutende und grotesk scheinternde Selbstsicherheit, dass nicht falsch sein kann, was jahrelang gut war
Eine sehr mutige und meiner Meinung nach auch sehr fahrlässige, durch die vielen Erfolge gewachsene Selbstsicheheit, dass man auf dem richtigen Weg ist und schon alles gut gehen wird, wenn man diesen Weg einfach nur weitergeht.
Was ish sehe ist nicht viel mehr als ein stures "Weiter so, wir müssen da durch und gucken nicht rechts und links", was ich von Werder sehe ist, dass Ruhe, Besonnenheit und Geduld durch Ratlosigkeit und Apathie ersetzt worden sind, auf denen nur noch das Etikett "Ruhe und Besonnenheit" klebt.
Ähnlich wie auf dem Platz nur noch die grünen Trikots an bessere Zeiten erinnern, das was dann aber auf dem Platz zu sehen ist, nur noch die mittelmäßige Zirkusversion früherer Zeiten ist.
MFG dkbs
:tnx: für diesen äußerst reflektierten Beitrag.
Es doch gar keine Frage, dass etwas verändert werden muss. Nach dieser Saison kann es kein stures "weiter so" geben. Und auch KATS müssen sich kritisch hinterfragen, denn sie sind nicht nur für die guten, sondern auch für die nun schlechten Zeiten verantwortlich. Es wurden eindeutig falsche Personalentscheidungen getroffen - daher auch mein Verweis im Allofs-Faden, dass eine Umstrukturierung der Lastenverteilung im geschäftsführenden Bereich notwendig wird. KA muss sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, muss Kompetenzen und Verantwortungen abgeben. Auch und gerade hier wird fachliche Kompetenz, frisches Blut notwendig werden. Die derzeit vorhandene Selbstverliebtheit im eigenen Tun, der wenig kritischen Beleuchtung der Strukturen, drückt sich auch in einer leblosen Vorstellung der Mannschaft aus. Nach meinem Dafürhalten, ist dort ein wenig zu viel Einigkeit und familiäres Flair vorhanden - dort fehlen möglicherweise auch die Reibungspunkte. Man erhält als Betrachter auch und gerade in diesem Bereich das Gefühl "wir sind eine Familie und da kommt so schnell keiner rein, der uns nicht passt, der zu unbequem ist".
Es ist wohl schwer, diesen Sack Flöhe von innen zu öffnen, Kompetenzen abzugeben. Aber es muss unterm Strich auch dort ein Umdenken stattfinden. Grundsätzlich aber stimme ich mit Dir darüber überein, als dass ich auch an ein vorhandenes Konzept glaube. Nur in der Umsetzung wurden ganz offenbar schwerwiegende Fehler gemacht. Fehleinschätzungen in der Spielerbewertung und deren Gewicht in der Mannschaft. Bei einigen Verkäufen spricht man von wirtschaftlichen Zwängen und gibt sie ab (Almeida, Özil, Klose, Diego...), bei anderen Spielern spricht man davon, dass Verträge einzuhalten sind und karrt z.T. lustlose Spieler, die gedanklich schon woanders zu sein scheinen, durch die ganze Saison und wartet teils vergeblich darauf, dass sie zu ihrer Form finden. Das ist auch für den Trainer eine Sisyphos-Aufgabe. Eine Aufgabe, die er sich dennoch letztlich selber eingebrockt hat, wo er sich was die charakterliche Bildung angeht, auch selbst überschätzt hat. Vielleicht dachte man bei dem einen oder anderen "Problemprofi", dass das familiäre Klima in diesem Verein von ganz alleine die richtige Charakterschule ist.
Neben den ganzen spielerischen Mängeln, halte ích die Persönlichkeitsstruktur in der Mannschaft, vermengt mit der Selbstzufriedenheit der verantwortlichen Leitung, für ein großes Problem in diesem Verein. Und dort sollte der Hebel u.a. auch angesetzt werden. Mittlerweile tanzt man Allofs bereits auf der Nase herum, was auch die Position des Trainers nicht einfacher macht.
Wir können, trotz der blutleeren Auftritte, nur hoffen, dass das Schlimmste vermieden werden kann und die Anderen, die unten mit drinstehen, einfach noch schlechter sind, als wir und es so am Ende möglicherweise noch reicht. Aber so kann es dann in der neuen Saison selbstredend nicht weitergehen.