[...]
Hatte überlegt dir ebenfalls eine ausführliche Antwort auf deinen Beitrag zu geben, aber bei dem was da nur noch zurück kommt, kann man sich das getrost sparen. Das ist kein Austausch von Argumenten und du bringst gerade die gleiche sarkastische Stichelei wie diejenigen, die du dafür kritisierst.
Nö, ich bedanke mich hier auch ausdrücklich bei @Berder Wremen, auch wenn es ihm/ihr aller Voraussicht nach, egal ist. Er/sie vertritt eine andere Meinung als meine, hat aber dennoch darauf verzichtet, mir oder anderen mit ähnlicher Meinung Verblendung etc. pp. vorzuhalten.
[...]
Zu ersterem (weil das gegen S04 schon erwähnt wurde): 1.) Wir stehen vom Anstoß weg zu weit voneinander entfernt, obwohl bekannt ist, dass Mainz hoch und früh im Spiel draufgeht. 2.) besonders Bargfrede denkt/ macht nicht mit, kann deshalb nicht ins Passpiel einbezogen werden, obwohl er als halbrechter Defensiver bei Trybull, Theo und am Ende Lukimya DER Anspielpunkt sein muss.
So gerät Werder schon nach wenigen Sekunden in die Pressingfalle. Es konnten gleich drei Mainzer das linke hintere Spielfeldviertel problemlos zulaufen und zustellen, Luki blieben zwei Möglichkeiten, beide allerdings auch nicht mehr wirklich einfach – a) er kann rückpassen auf IV oder Keeper, aber dazu muss er sich drehen und nochmal anders zum Ball stellen, was zunächst Zeit kostet und im Effekt die Nebenleute weiter hinten unter Druck setzt, b) den hohen Ball. Am Ende ein Mittelding aus b) und ich spiel ihn irgendwie weg. Dumm gelaufen. Er kann das nicht, hat weder Technik, Wendig- und Spritzigkeit von Sokratis oder Naldo, noch Ruhe und Stellungssicherheit von Merte.
Lukimya ist trotzdem kein schlechter BL-IV. Und Prödl keine excellente Lösung.
[...]
Und hier ist eben ein Unterschied in der Bewertung dieser Mainz/Lukimya-Situation festzustellen. Denn
erstens finde ich es komisch, dass Du selber schreibst, dass Bargfrede nicht mitdenkt/mitmacht. Da bleibt aber eben nur die Feststellung: Bargfrede ist Bargfrede und eben nicht Schweinsteiger, Khedira, etc. Wir wissen alle und sind uns, so glaube ich, doch darüber einig, dass Bargfrede nicht der beste 6er ist, sondern, was seine
Spielintelligenz betrifft, eher biederer Durchschnitt ist. Zudem weise ich noch mal daraufhin, dass er diese Saison immer wieder verletzt war: ihm fehlt also vermutlich ein Stück weit Fitness (in der diskutierten Situation allerdings egal) und vor allem Eingespieltheit/Rhythmus. Er ist aber nun mal da, und Alternativen haben wir eben eher nicht. Aber auch hier muss ich ganz klar sagen, dass dadurch das Tor nicht gefallen ist, denn:
Zweitens beschreibst Du sehr schön die Möglichkeiten Lukis, das ist mMn auch absolut korrekt. Und das, wie Du es ebenfalls schreibst, er gewisse Defizite hat, iV zu Naldo/Merte/Sokratis. Was allerdings an dieser ganzen Sache jetzt systemisch iSv "Schaaf hat falsch eingestellt/aufgestellt" ist, erschließt sich mir nicht (denn darum dreht sich doch die Diskussion): Offenbar hat ja Lukimya in dem gespielten System mit der gespielten Aufstellung immerhin zwei Möglichkeiten gehabt, Du nennst sie a) und b). Davon eine ganz sichere (b) und eine riskantere (a): er macht aber weder a, noch vollständig b, sondern eben etwas ganz anderes/halbgares. Also kann eigentlich nur festgestellt werden, dass dieses Tor keine logische und vorhersagbare bzw. unabdingbare Folge der taktischen Ausrichtung durch TS war, sondern, eben gegenteilig, das taktische System dem Spieler sogar Möglichkeiten gegeben hat*, diese Situation erfolgreich aufzulösen, es hätte eben "nur" getan werden müssen. Und dies sogar ohne die
Spielintelligenz eines Bargfredes in diese Situation einbringen zu müssen. Aufgrund der Tatsache, dass Luki nach diesem Lapsus ein ansprechendes Spiel gemacht hat, schließe ich ebenfalls, dass er "es grundsätzlich und meistens" kann. Somit war diese Situation weder der Aufstellung, noch der Einstellung, noch der taktischen Vorgabe, noch der grundsätzlichen Qualität des Spielers geschuldet, sondern einfach nur ein grober individueller Schnitzer.
Wir wollen ja auch einiges nicht vergessen:
1. auf dem Platz stehen Menschen, keine Marionetten, ergo: autonome Personen treffen eigene Entscheidungen, die können richtig, aber auch ungünstig sein. Sie können sogar richtig sein, aber schlecht ausgeführt, siehe Luki/Mainz.
2. es steht ein Gegner auf dem Platz, der eigene Ziele verfolgt und ebenfalls Fußballspielen kann. D.h. es wird im Laufe eines Spieles idR zu Situationen kommen, wo Entscheidungen getroffen werden müssen: a oder b. Weiterhin wird es idR auch zu Situationen kommen, in denen der Gegner bessere Entscheidungen trifft und diese auch besser ausführt. Also Gegentore und offenen Raum als dauerhafte taktische Fehleinschätzung und -einstellung des Trainers zu verkaufen, ist Unfug. Dazu ist das System Fußball zu dynamisch und zu menschlich geprägt, gottseidank! Darum liebe ich das Spiel.
3. Perfektion ist ein Mythos.
Dann habe ich mir die Freiheit genommen,
Spielintelligenz hervorzuheben. Welche Möglichkeiten hat ein Trainer einem Spieler Spielintelligenz zu vermitteln? Im Grunde bleibt am Ende nur Praxis, Erfahren, Erleben und, ganz wichtig, die eigene Erkenntnis des Spielers, etwas lernen zu müssen, also die intrinsische Motivation dazu. Denn das oft verlangte "dann muss der Trainer eben ganz klar sagen, was der Spieler zu tun hat und wie er zu laufen hat", also das extrinsische, zeigt sich doch in seiner Beständigkeit mMn ganz deutlich an einigen Spielern diese Saison: Es gibt auf den Sack in einem Spiel, der Trainer und das Team arbeiten individuell und kollektiv akribisch und konzentriert, danach gab es öfters ein gutes Spiel, (fast) alle freuen sich. Und dann der Rückfall. Die Wirkung ist verpufft. Und daher eben meine Einschätzung und meine Kritik an Schaaf: auf die falschen Merkmale geschaut und deshalb keine gute Transferpolitik in den letzten Jahren. Meine Lösung: im Sommer besser machen.
Edit: :eek: So viel geschrieben
Edit2: *Gleiches findet sich ja in jeder Entscheidungssituation wieder: Es sind mindestens zwei Optionen verfügbar, manchmal sogar mehr. Und oft ist es doch auch so, dass eine Option günstiger ist als die andere(n).