Nein, natürlich nicht.
Was aber eben im Endeffekt für Werder ein Glücksfall war. Gerade Rehhagel stand nicht mehr für den modernen Fußball und hinterließ eine überaltete Mannschaft mit seinen Getreuen. Sein Vorteil in der Rückschau liegt darin, dass er rechtzeitig und im Erfolg gegangen ist.
Das ist jetzt etwas durcheinander, der Ablauf war ein anderer:
Nach Rehhagels Abgang wurde Lemke aus den wichtigeren Entscheidungen wie der Trainerfindung relativ herausgehalten, von Fischer und Böhmert, die ja alte Freunde waren, wogegen Lemke erst später dazugekommen war. Nachdem Böhmert und Fischer dort etliche Male daneben gegriffen hatten, beschloss das ganze Präsidium die Verpflichtung von Felix Magath und knüpfte das Schicksal an diesen Trainer. Das Ergebnis ist bekannt: Magath ging und der Vorstand trat geschlossen zurück, um den Weg für neue Strukturen zu öffnen. Fischer ging in die Vereinsarbeit, Böhmert als Vorsitzender und Lemke als sein Stellvertreter gingen in den Aufsichtsrat und zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Dafür wurde, wie damals üblich, ein Sportdirektor namens Allofs installiert.
Nach Böhmerts Tod, das müsste 2004 gewesen sein, wurde Lemke Aufsichtsratsvorsitzender und wirkte dort in dessen Sinne weiter. Der Streit mit born und die Born-Affäre werden dagegen bis heute ebenso überschätzt wie dessen Rolle. Born war intern fürs Geld zuständig und wäre ein halbes Jahr später aus Altersgründen eh ausgeschieden. Seine Möglichkeiten, am finanziellen Niedergang etwas zu ändern, waren begrenzt, zumal Born auch in einigen Belangen ein etwas zweifelhafter Typ ist.
In jedem Fall übernahm Allofs von Born lediglich den Vorsitz, der Geschäftsbereich von Born ging größtenteils auf Filbry über.
Das ist mir, ehrlich gesagt, viel zu pauschal. Ich würde eher sagen, dass der Aufsichtsrat, als KATS auf dem Höhepunkt des Erfolgs waren und anfingen das Geld zu verbrennen, viel zu schwach war. Er hatte nicht die Möglichkeit, Allofs in seinem Ausgabenwahn in den Arm zu fallen, weil KATS hier die Götter von der Weser waren und jeder einwand gegen teure Verträge mit verdienten Altstars wie Frings hätte den AR weggeblasen. Mehr als darauf zu achten, dass wir noch in einem Budget liegen, konnte der AR in diesen "fetten" Jahren nicht tun und deswegen trägt er auch eine Mitschuld am Niedergang. Allerdings nicht so, wie hier in Bremen gemeint wird, dass da um Lemke die Bremser sitzen, sondern eher in dem Sinne, dass man zu schwach war und gegen KATS nicht auf einer dem Verein passenden Politik bestehen konnte, nicht gegen Transfers wie Alberto interveniert hat.
Hätten wir jetzt noch mehr Geld übrig aus den fetten Jahren und weniger Verträge wie den von Fritz sinnlos verlängert, wären wir im Sommer handlungsfähiger gewesen und eichin hätte einen besseren Trainer als Dutt herauskaufen und locken können, dazu noch bessere Spieler holen können. Klar, das Sparen ist kein Selbstzweck, sondern dafür da, dass man im sportlichen Notfall oder bei günstigen Gelegenheiten zuschlagen kann.
Das werden wir nie erfahren, aber ich finde, dass der von mir präferierte Weg der kleineren Schritte keineswegs im Widerspruch zu Investoren oder anderen Geldbeschaffungswegen gestanden hätte. Nur muss man solche Investoren erstmal finden, das Problem haben die allermeisten Vereine. Außer Bayern hängen die am Tropf privater Geldgeber. Im übrigen sehe ich diese entwicklungen im Fußball völlig emotionslos.
Ich glaube, dass Profifußballer bereits jetzt genug Stress, Druck und sogar Anfeindungen ertragen müssen. Wenn man auf lahme Gäule nur immer weiter einprügelt, werden sie keine Rennpferde. Diesen Druck kannst Du vielleicht bei Bayern machen, wo die besten Spieler des Landes rumlaufen, weil die bereits wissen, dass sie super sind. Aber so einen Durchschnittskicker bei Werder, den verunsicherst du nur, wenn Du von ihm Dinge verlangst, die er gar nicht kann. Dem muss man helfen, Dinge mitgeben, die Orientierung bieten.