Trainerwechsel sind teuer und riskant, das macht man nicht "mal eben so" und guckt dann, ob das vielleicht eine gute Idee war. Schaaf ist geflogen, weil Eichin überzeugt war, dass er jemand besseren für die Position kriegen kann - nicht, weil er sich mit der Mannschaft überworfen hätte oder weil eine fruchtbare Zusammenarbeit im Verein aus persönlichen Gründen nicht mehr möglich gewesen ist.
Die Alternative keinen Trainerwechsel zu vollziehen bestand offensichtlich, Schaaf hatte seine grundsätzlich vorhandene Kompetenz schon lange nachgewiesen und war sowohl im Verein als auch in der Mannschaft und im Umfeld voll akzeptiert - die Ergebnisse waren zuletzt schlecht, der Trainerwechsel aber keine "muss" sondern eine reine "kann" Situation. Eichin hat sich dafür entschieden und wenn er wirklich überzeugt war, dass mit neuem Trainer mehr drin ist (egal ob das nun einfach durch "frischen Wind" oder durch höhere Fachkompetenz passiert), war das auch seine Pflicht als Geschäftsführer. Gerade weil es eine reine "kann"-Situation war sehe ich Eichins Schicksal aber eng mit Dutts Erfolg verknöpft - wer als neuer Mitarbeiter in die Firma kommt und nahtlos die Arbeit des Vorgängers fortsetzt, darf damit zufrieden sein, wenn die Dinge ähnlich weiter verlaufen, wer aber die Axt kreisen lässt und kontroverse Entscheidungen trifft muss auch zeitnah Erfolgsmeldungen vorweisen können, das ist doch völlig normal.
Selbstverständlich, so lange Dinge nicht völlig katastrophal laufen, sollte man den beiden zumindest bis zur Winterpause eine Schonfrist gewähren. Über Nacht geht nichts, aber jetzt über mehrere Saisons auf Besserung warten wäre auch albern. Gerade wenn man an die couragierten Auftritte zu Saisonende zurückdenkt sollte man doch sehen, dass die Mannschaft auch kein kompletter Trümmerhaufen ist.
Die letzte Saison war so katastrophal wie sie schlimmer nicht hätte sein können, aber jetzt vom neuen Trainer mehr zu erwarten ist falsch weil der Verein keine Mittel und nicht das Personal für mehr hat?
Da stimmt doch was nicht. Ich denke, eine deutliche Steigerung im Vergleich zur vergangenen Katastrophensaison hätte man auch in der alten Besetzung erwarten können, da darf sich die neue für viel Geld rundumerneuerte sportliche Leitung nicht noch kleinere Vorgaben setzen, denn dann wird's lächerlich - und ich denke auch, dass Eichin und Dutt das ähnlich sehen und von sich selbst wesentlich mehr erwarten.
Das Ziel muss sein, sich sportlich kurz- und langfristig zu verbessern. Wenn das mit dem Fußball passiert, der dir vorschwebt, ist das wunderbar, wenn anders dann aber auch. Und wenn sich die Verbesserung gar nicht einstellt ist die fußballerische Philosophie ohnehin wumpe. Wegen meiner kann man auch eine Mannschaft aufbauen, die in erster Linie zwei oder drei Schlüsselspielern zuarbeitet. Unterm Strich muss es aber zeitnah erkennbare Verbesserungen geben, sowohl von der Spielweise als auch von den Ergebnissen.
Ich rede ja auch nicht davon, gleich CL-Teilnahmen in Serie zu erwarten sondern vielmehr davon, nicht so tief zu stapeln, dass man sagt "is schon okay wenn nicht mehr als Abstiegskampf bei rum kommt, hoffentlich wird's in ein paar Jahren besser". Bei so einer Erwartungshaltung hätte man sich den ganzen Tamtam vom Trainerwechsel nämlich wirklich besser schenken können, der Neuanfang ist ja kein Selbstzweck.