Es kommt vielleicht etwas spät, aber ich hatte erst heute die Gelegenheit mir das Spiel genau und bis ins kleinste Detail nochmal angucken zu können.
Meiner Meinung nach war schon sehr gut zu erkennen, dass Dutt taktisch auf bestimmte Details setzt und deswegen alles wesentlich organisierter wirkt. Bisher war ja vor allem die Defensivarbeit im Fokus, aber auch im Angriffsspiel machten sich Veränderungen bemerkbar.
Die Neuerungen im Aufbauspiel waren hierbei die auffälligsten, zumal Werder aufgrund der passiven Verteidigungsweise der Löwen zu strukturiertem aufbauen gezwungen war. Dabei bot sich meistens Ekici als abkippender Sechser den IVs an und nutzte dabei den Freiraum, den die Gegnerische 4-4-2 Pressingformation ließ. Makiadi und Hunt boten sich kurz an, wobei ersterer als sechser eher absichernd agierte. Zusammen bildeten die drei ein bewegliches Kurzpass-Dreieck. Durch diese Neuerung lief die Spieleröffnung sicherer und souveräner, aber auch kreativer als unter Schaaf, wo der Ball meistens bei isolierten AVs hängen blieb.
Elia und Arnautovic waren beide nicht mehr mit Pattex an die Linie geklebt und konnten so interessante Rollen spielen. Elia, der vom gegnerischen RV manngedeckt wurde, ließ sich oft fallen um sich Caldirola anzubieten. Von hier legte er ins Mittelfeld ab, welche sich oft bemühten, den Ball in die entstandene Lücke linksaußen zu bringen, in die bereits Hartherz oder Petersen gestoßen waren. Arnautovic seinerseits wurde nicht in Manndeckung genommen, nutzte aber aus, dass sich die Außenspieler der TSV trotzdem leicht an ihm orientierten. So kam Fritz zu einigen Vorstößen auf der freien rechten Bahn.
Im Angriffsspiel fielen außer den erwähnten Positionierung auch Aktionen am Ball auf. So zeigte Caldirola ein ausgesprochen gutes Auge für Lücken in der gegnerischen Formation und leitet die Angriffe absolut vorzüglich ein. Makiadi war sehr Ballsicher und hatte ein Gefühl für das richtige Spieltempo. Ekici hingegen bekam am häufigsten den Ball, zeigt aber wieder seine alte Schwäche: Er will immer gleich den geilsten Pass spielen (2-3 mal hätte das fast sogar geklappt), aber wenn der sich nicht ergibt braucht er zu lange für eine Lösung und vertendelt mitunter sehr unnötig den Ball. Am besten gefiel mit Hunt, der oft sinnvolle Seitenverlagerungen spielte und dem Spiel so Struktur verlieh. Allgemein wurde dieses Stilmittel oft benutzt, auch von anderen Spielern.
Elia zeigte immer dann, wenn er Zeit hatte, die gleiche Schwäche wie Ekici: Er will zu viel, es muss die beste Aktion sein, damit alle sehen können, dass er es doch drauf hat. Nur übernimmt er sich dabei dann wieder völlig und alles was er versucht geht schief. Das ist besonders Schade, weil dadurch untergeht, wie sehr er durch die bereits beschriebenen Bewegungsabläufe und seinem Einsatz im Gegenpressing der Mannschaft zugearbeitet hat. Auf der anderen Seite Arnautovic, der mit seinen geradlinigen, aber sehr effektiven Aktionen regelmäßig für den Durchbruch in Richtung Tor sorgte (Flankenlauf, Steilpass auf Petersen, täuschende Bewegung bei einem Steilpass auf Hunt). Petersen zeigte sich beweglich, besetzte Lücken und half in einigen Kombinationen gut aus.
Defensiv zeigte sich sehr das Team durchaus auch stark. Im Gegenpressing arbeiteten ausnahmslos alle gut mit und der Ball konnte so einige Male schnell zurückerobert werden. Im Pressing gegen den geordneten Spielaufbau der Gegner ging man gerade im Mittelfeld zwar auch einige Risiken ein, konnte den Gegner aber meistens zu wirkungslosen langen Bällen zwingen. Defensiv auffällig gut waren Caldirola mit einem ausgezeichneten Stellungsspiel, Makiadi und Petersen (gemessen an ihrer Position) aber eigentlich agierten alle überwiegend intelligent. Chancen entstanden hauptsächlich durch gravierende Fehler bei eigenem Ballbesitz (Stichwort: Riskante Pässe von Prödl; Ballverluste Elia) mangelnde Spritzigkeit oder kleine Unkonzentriertheiten.
In der zweiten Halbzeit war dann alles etwas weniger geordnet, je mehr Wechsel kamen. Die taktische Marschroute blieb, aber verschiedene neue Spieler interpretierten ihre Rollen anders. Mit der Hereinnahme von Lukimya verlor man natürlich Caldirolas Kreativität im Spielaufbau. Trybull bot sich den IV ebenso gut an wie vorher Ekici, war aber in der Lage, oft auch mit Doppelpässen, das Spiel zu beschleunigen und öffnende Pässe zu spielen. Junuzovic besetzte im Zentrum viele Räume durch seine Laufarbeit und konnte auch mit seiner Technik auf engem Raum mit One-Touch Pässen Schwung in die Kombinationen bringen. Aycicek und Füllkrug konnten sich nicht so dominant ins Spiel einbringen wie ihre Vorgänger. Aycicek deutete allerdings mit zunehmender Dauer mehr seines Potenzials an und Füllkrug zeigte in Ansätzen, dass er Beweglicher und spielstärker ist als Petersen.
Auch wenn noch einiges an Arbeit auf das Trainerteam wartet, denke ich dass die Grundlagen bereits sehr vielversprechend sind. Als nächstes arbeitet mal ja wohl an der offensive, was angesichts der mäßigen Durchschlagskraft auch nötig ist. Wenn man weiter einen auf Kurzpass-Kombinationen ausgerichteten Stil spielen möchte, sollte man allerdings für einen der Flügelstürmer (aufgrund des Leistungsstands jetzt ja wohl Elia) für einen Kreativeren wie Junuzovic opfern und dabei gegenüber Ekici auch eher Trybull auf der 6 vorziehen.