@fvw1899 Ich habe geahnt, dass ich das ungeschickt formuliert habe.
Um das nochmal zu verdeutlichen, differenziere ich zwischen hymmnenartigen, stadiontauglichen Dauergesängen mit einfachen Klatschrhythmen, bei denen viele mitmachen können (und wenn es nur Mitklatschen ist) und nervtötenden mehrstrophigen Dauergesängen/Liedkompositionen unterlegt mit Sambagetrommel, die ich weitehin kritisiere.
@forza bremen@studio bremen1@dertobibo@watthai
und wenn ich eh gerad hier bin, nochmal ein paar Anmerkungen
nun ja..
die Art und Weise der Formulierung ist unter Umständen nicht günstig gewählt - inhaltlich zeigt es aber das Dilemma ganz gut auf.
Ich denke auch nicht, dass es darum geht, dass WIR Andere die Stimmung hinbekommen müssen.
Es ist immer so gewesen, dass gewisse Fan-Gruppierungen existieren, die die Stimmung vorgeben bzw. als Stimmungsinitiatoren fungieren.
Das aktuelle Problem ist, dass in Bremen eine Fan-Generation nachgewachsen ist, deren Sichtweise von Stimmung in vielen Dingen absolut gegensätzlich zu den Erfahrungen der älteren Fans und dem Rest des Stadions steht.
Ohne jetzt die gesellschaftspolitische und sozialpsychologische Schublade aufmachen zu wollen, muss dennoch gesagt werden, dass es über den reinen Stimmungsgedanken hinaus eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Nebenkriegsschauplätzen gibt ( Verhältnis zwischen Ultras und Verein, Choreo-Problematik, Verhalten gegenüber Ordnungspersonal/Polizei, Pyro-Verbot, Fahnen-Diskussion, etc.)
Ich kann nur gebetsmühlenartig wiederholen, was in diversen Threads immer wieder erwähnt wurde:
Ein - in meinen Augen - richtiger Weg zu besserer Stimmung kann nur über eine Auseinandersetzung mit folgender Frage führen:
Welche Art von Stimmung/Unterstützung ist gut für das gesamte (!) Stadion, die Mannschaft und alle (!) Fans?
Und ist mir die Forderung von Ultra-Seite (bzw. deren Unterstützern) einfach zu kurz gedacht und zu eigenbezogen formuliert - erklärt sich aber natürlich auch aus dem Versuch der vermeintlichen Individualisierung und Abgrenzung vom Normalo-Fan oder gar Event-Besucher.
"Nicht Meckern - sondern Singen"
"Ohne uns wäre garnichts mehr los"
"Wer nicht singen will oder keine Fahnen mag, soll nicht in die Ostkurve gehen"
"Gegen den modernen Fussball"
"Dann macht es doch besser"
Nein, Nein und nochmal Nein:
Wenn den führenden Fan-Gruppierungen etwas an der Stimmung im Weserstadion liegen würde, dann...
...solltet IHR es besser machen!
Und es ist
nicht besser,
schwachsinnige Gesänge spielsituationsunbezogen durchzuziehen.
Es ist
nicht besser,
andere Versuche, die Stimmung zu verbessern, zu boykottieren.
Es ist
nicht besser,
auf der einen Seite, sich über Fan-Repressalien zu jammern aber andererseits keine Gelegenheit auszulassen, auf sämtliche Regeln und Vereinbarungen zu pfeifen, die nunmal bestehen.
Es ist
nicht besser,
sich immer neue, vermeinlich kreative Singsangdudellieder mit unterirdischen Texten auszudenken, um vermeintliche Individualität zu zeigen.
Es verlangt niemand, dass jetzt wieder "Werder vor - noch ein Tor" gesungen wird und es geht mir persönlich auch nicht darum, Neuerungen generell abzulehnen.
Aber - und das ist für mich der entscheidende Punkt:
Beibehaltung und Verstärkung von dem, was gut ist und angenommen wird und im Gegenzug, Beendigung und Abschaffung vom dem, was offensichtlich nicht funktioniert.
Um das man an einem positiven Beispielen festzumachen:
"Der Wiedener" - kommt aus der Kurve, ist kreativ, wird im Fan-Bereich angenommen, bringt fast die komplette Kurve in Bewegung. Daumen hoch!
Im Gegensatz dazu fehlt mir aber die Reflexion und die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen vom dem, was aus Ultra-Sicht für die "richtige" Stimmung gehalten wird, auf das gesamte Stadion. (Mein Angebot, sich das Elend mal von anderen Plätzen auf der Nord-, Süd, oder Westtribüne zu betrachten, verhallt weiter ungehört)
Übrigens genauso so "ungehört" wie die vermeintliche Stimmung, die immer wieder aus der Kurve als vermeintlich (!) "tolle Unterstützung", "wir haben 90 Minuten Gas gegeben", "ich bin ganz heiser vom Singen", usw. geschildert wird - für den Rest des kompletten (!) Stadions und schlußendlich auch der Mannschaft (!) überhaupt nicht wahrgenommen wird/werden kann.
Bessere Stimmung - in der Form, dass diese im kompletten Stadion ankommt, jeder mitmachen kann und damit das Weserstadion tatsächlich wieder ein bißchen Hexenkassel werden kann - würde für mich bedeuten:
(ich weiß, dass das zum 1000. Mal geschrieben wird)
Natürlich darf und soll es weiter Phasen geben, in denen eigene, neue, individuelle Sachen gesungen werden sollen aber
Was spricht dagegen für bessere Stimmung im gesamten Stadion..
- einfache, Klatsch-Klatsch-Anfeuerungen, bei denen auch die Tribünen-Besucher mitmachen können,
- Wechsel-Rufe mit allen Tribünen
- einstrophige, umkomplizierte Gesänge mit Klatschunterstützung
anzustimmen?
Es ist und bleibt zu einfach, diesen Vorschlägen zu entgegnen, dass ja eh keiner vom Rest des Stadions mitmachen wolle.
Wenn mit demselben (!) Durchhaltevermögen wie beim Dauergedudel versucht würde, solche Sachen durchzuziehen, wäre die Unterstützung aus allen Bereichen des Stadion sicherlich erreichbar.
Mit Sicherheit wird niemand aus dem Platin-Bereich "Whoop-SVW" singen wollen (abgesehen davon, dass, wenn dem so wäre, der Gesang nicht mehr ultragemäß wäre und man sich was Neues, Individuelles ausdenken müsste) und auch ein "Der SVW ist Klasse" aus 1000 Kehlen von der Westribüne wird man niemals hören (und das ist gut so)...
...aber ich bin der festen Überzeugung, dass der absolute Großteil der Stadionbesucher Klatschen und Anfeuern möchte.
Und - in meinen Augen - ist es die Aufgabe der führenden Fangruppierungen, dieses Stimmungspotential zu wecken, zu unterstützen und sich selbst als Motor der Stadionstimmung zu begreifen.
gwg
svwb