Ich finde es extrem bezeichnend, das jetzt Spieler vom
"schlechtesten Spiel seit Jahren"
sprechen, obwohl die Partie in Hoffenheim erst ein paar Wochen her ist.
Am 8. Mai wurden wir am 32. Spieltag in München deutscher Meister. Bis dahin hatte das damalige Team nur zwei Niederlagen erlitten.
Beide nachfolgenden Spiele wurden (völlig unnötig) verloren. Da war es noch egal.
In den darauf folgenden 4 Saisons wurde zweimal extrem leichtfertig die deutsche Meisterschaft verspielt. Da war es nicht mehr egal. Sollte man meinen. Ich befürchte, das es zumindest den Spielern doch irgendwie egal war. Jedenfalls während der Saisons damals.
Anstelle hier deutlich einzugreifen, wird auch seitens der Vereinsführung hervor gehoben, wie erfolgreich die Saisons (immer unter den ersten 3) alle waren.
Für mich ergibt das folgendes Bild:
Wenn schon die Vereinsführung derartige Disziplinlosigkeiten schön redet, wieso sollen dann die Spieler Einsicht zeigen ?
Es reicht doch, nach derartigen Erlebnissen ein paar Lippenbekenntnisse über die Presse zu streuen, sich mit gesenktem Kopf die Brandreden der sportlichen Leitung anzuhören und das Ganze dann in irgend einem der folgenden Spiele "gerade zu biegen". Zur Not in einem atemberaubenden "Schluss-Spurt" am Ende der Saison. Auch wenn man so den Titel verspielt. Denn was solls ? Man hatte ja nie behauptet, Meister werden zu wollen !
Das Gleiche gilt für die CL: Wo immer wieder extrem schwache Spiele als "Teil 1 eines neuen Wunders von der Weser" akzeptiert werden, da wird in den Köpfen zementiert, das die Spieler so was dürfen, so lange sie nur hinterher schuldbewußt sind und danach mal wieder ein "großes Spiel" liefern.
Das Abliefern solcher Leistungen ist unterbewußt damit irgendwie "akzeptiert".
Das Problem ist nur, das dem extrem teuren (über 100 Mio im Jahr Personalkosten) Kader damit erlaubt wird, bei der Jagd nach Titeln jahrelang hintereinander zu scheitern. Zum Vergleich: Die Personalkosten für den Mainzer Kader betragen etwas weniger als 15 Mio. .
Was ich damit sagen will: Der Werder Kader war nach der Double Saison IMMER so stark, das er Meister werden konnte. Nur verlangt das anscheinend niemand und daher passiert es nicht mehr.
Man ist anscheinend bei Werder schon zu 100% erfolgreich, wenn man 3. wird und die CL-Quali schafft.
Platz 1 ist in den Köpfen der Spieler womöglich nur noch so eine Art nutzloser Zugewinn.
Ich finde, das hier ausnahmsweise mal der Blick nach München erlaubt sein sollte: Da hätte jedes Jahr wer weiß wie oft der Baum gebrannt. Weil man dort titelhungrig ist. Und weil man 1. werden will, wenn man es kann.
Die Bayern haben in diesen Jahren schließlich mehrfach den Titel geholt, obwohl sie (trotz des Geldes und der Namen) auf dem Platz meist eine schlechtere Mannschaft hatten, die schlechteren Fußball spielte.
Es muss hier eine Reaktion seitens der Vereinsführung kommen, die mehr ist, als nur immer wieder dieselben besorgten Mienen und Ansprachen. Denn das funktioniert nicht (mehr).
Es muss damit anfangen , das man öffentlich sagt:
"Wir wollen Deutscher Meister werden."
Ein Kader, der über 100 Mio im Jahr kostet, muss diesen Druck aushalten.
Es muss damit weiter gehen, dass die Gehälter, die ja angeblich sowieso schon erfolgsorientiert sind, noch mehr in Richtung Meisterschaft zugespitzt werden.
Drittens: Man muss aufhören, einen DFB-Pokalsieg (nur 7 Spiele , oder ?) mit der Meisterschaft gleich zu setzen, wie es einem in der Vergangenheit oft vorkam. 7 Spiele im K.o. System sind nicht mit 34 Spielen in der Liga vergleichbar.
Viertens: Man muss Spieler haben, die wirklich titelhungrig sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ümit Davala.
So ein Spiel, das hat man auch in der Vergangenheit erlebt (auch bei ein paar Heimspielen mit 0:0 im Double Jahr) Aber die Einstellung, die war selten so grausam desinteressiert wie dieses Mal.
Nochmal: So ein Ergebnis kann gegen eine Mannschaft, die so extrem defensiv steht, läuferisch den Platz eng macht und geschickt kontert, immer mal wieder passieren.
Aber bitte nicht so, das man als Zuschauer den Eindruck bekommt, den Spielern sei es egal.