Zurück aus Berlin, eine Nacht drüber geschlafen, und nüchtern betrachtet war der Sieg von Hertha eigentlich verdient, auch wenn wir den Ball bei Hunts Freistoß hinter die Linie jubeln wollten. Unglaublich schlechtes Abwehrverhalten, Hertha spielte über die linke Seite ungefähr 6 mal mit Doppelpass, was nie unterbunden werden konnte und zweimal zum Tor führte, einmal durch Elfmeter und einmal durch ein Tor ins lange Eck, insgesamt viel zu billig. Individuell zeigten die meisten besorgniserregende Zweikampfschwächen, einzig Aaron Hunt bewies Bundesliganiveau und mit Abstrichen vielleicht Petersen. Ich habe Werder länger nicht mehr im Stadion gesehen und war offen gesagt entsetzt, wie harmlos diese Mannschaft auftrat. Der direkten Konfrontation mit einem Gegenspieler wurde meist aus dem Wege gegangen und wenn ein Zweikampf geführt wurde, dann meist so unfair, dass es Freistoß für den Gegner gab. Es fehlte die Ruhe bei eigenem Ballbesitz, was dramatisch oft zu unnötigen Ballverlusten führte. In der letzten Viertelstunde dann offenbarten sich eklatanten Schwächen im Spielaufbau, meist wurde fantasielos mit langen Bällen operiert, die bekanntlich leicht zu verteidigen sind. Ganz schlimm dann die Verlängerung, in der die ganze Hoffnungslosigkeit offenbar wurde.
Herthas Abwehr inklusive Torwart machte keinen wirklich guten Eindruck, Hertha ist durchaus schlagbar, wenn man auf Bundesliganiveau Fußball spielen kann. Werder allerdings war dazu nur sporadisch in der Lage und prompt fielen dann die Treffer. Ohne eine neue Trainerdiskussion aufmachen zu wollen, fragte ich mich bei gefühlten -10° und Nebel schon, was eigentlich in den Trainingseinheiten so einstudiert wird, kam doch immer wieder das Gefühl auf, dass die Spieler die Laufwege der Mitkombatanten mehr erahnten als sie wirklich zu kennen, was allzu oft zu Fehlpässen, Ballverlusten und konsekutiv zu Kontern führte, die meist gefährlich vorgetragen wurden.
So wünsche ich mir von den Verantwortlichen dieses Vereins, dass sie nüchtern, sachlich und sachverständig die desolate Lage analysieren und auf die Situation entsprechend ihren Möglichkeiten etwa mit Transfers zur Winterpause reagieren. Auch sollte die Trainingsarbeit des Herrn Dutt dabei einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Zieht man Bilanz der Hinrunde so bleibt festzuhalten, dass es keine Saison bisher in den letzten 15 Jahren gab, in der Werder eigentlich nur glückliche und meist unverdiente Siege und Remis einfuhr und dazu von beiden so wenige, dass wir mit einem miserablen Torverhältnis nur deshalb nicht auf einem Abstiegsplatz stehen, weil es noch schlechtere Mannschaften gibt, was kaum vorstellbar erscheint. Um nicht mißverstanden zu werden, will ich sagen, dass ich kein Erfolgsfan bin, einer jungen Mannschaft durchaus Zeit gebe, aber was ich bei dieser Mannschaft vermisse ist eine Entwicklung, was ich allerdings feststelle ist, dass sie von Spieltag zu Spieltag schlechter wird.