Ich traue es Ihnen nach wie vor zu und bin mir sogar sicher, dass wir am Ende der Saison relativ locker drinbleiben werden!
Ok - wenn du das so siehst/fühlst, dann werden dich natürlich Posts von Leuten, die das Vertrauen in eine erfolgreiche konzeptionelle Arbeit des Trainerteams (und der Geschäftsführung) nach 41 Bundesligaspielen (mit 43 Punkten und 82 Gegentoren), drei kompletten Vorbereitungsphasen und dem Erreichen von Tabellenplatz 18, inzwischen verloren haben sowie Posts von Leuten, die sich inzwischen darin bestätigt sehen, dass sie die Besetzung der Trainerposition von Anfang an für falsch hielten, nicht unbedingt "begeistern".
Auch wenn ich inzwischen für den Start eines zweiten Versuchs nach Schaaf plädiere, respektiere ich natürlich grundsätzlich die gegensätzliche Haltung. Mit Schaaf ist man letztlich auch (weil er sich eben zuvor so reichlich "Kredit" erarbeitet hatte) ein sehr weites Stück nach dem Motto "wird schon noch" weitergegangen.
Allerdings erkenne ich dabei nicht wirklich, wo die Motivation hinter dieser Haltung steckt. Robin Dutt hat sich beim SV Werder bislang keinerlei "Kredit" selbst erarbeitet. Er arbeitet jetzt schon seit 41 Bundesligaspielen letztlich allein auf "Kredit" in Form von "Erblasten" ("Mannschaft nicht erstligareif, Karren von KATS an die Wand gefahren - was soll er da machen ?").
"Wir wollen nicht werden wie der HSV, der in einer Saison drei Trainer verschleißt, ohne wirklich den Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

hoch zu bekommen." Das allein kann für mich keine Grundlage für Entscheidungen sein. Wenn man sowas als Maßstab anwendet, wären heute wahrscheinlich noch Dörner bzw. spätestens De Moos Trainer bei Werder. Schon die Versuche mit Sidka, Magath oder gar Schaaf (Trainer der zweiten Mannschaft ? Was soll das denn bitte bringen ?) hätte es nie gegeben.
Sind wir denn in der Übergangsphase zwischen Rehagel und Schaaf "zum HSV verkommen" ??? Würde heute noch jemand sagen, man hätte Dörner, De Moos, Sidka oder gar Magath "noch mehr Zeit geben" sollen ??? Gerade im Falle Magath hätte jeder Tag mehr Zeit den sicheren Abstieg bedeutet - oder sieht das jemand anders ?
Wenn es erkennbar nicht funktioniert bzw. wenn auch ein an sich ganz sympathischer und engagierter Trainer nichts auf die Reihe bringt, dann muss man doch reagieren. Und wenn es der Nachfolger bzw. Nach-Nachfolger auch nicht gebacken bekommt, muss man halt nochmal reagieren. Warum denn nicht ?
Dass die Beurlaubung eines erfolglosen Trainers immer auch Geld kostet, ist natürlich allen hier klar. Genauso ist aber doch auch allen klar, dass das Festhalten an einem erfolglosen Trainer am Ende noch viel, viel teurer werden kann. Da ist zum einen natürlich das Szenario eines Abstiegs zu benennen - zum anderen schmilzt ein erfolglos arbeitender Trainer ja auch jede Menge Kapital in Form von Marktwerten der Spieler ein (von Fehlgriffen bei Neuverpflichtungen mal ganz abgesehen).
Nehmen wir mal Tuchel in Mainz (egal wie man zu ihm steht - ich bin da ein wenig zwiegespalten, halte ihn aber für einen fähigen Trainer, gerade bezogen auf die Probleme, in denen der SV Werder nach Schaaf/Alloffs und Dutt/Eichin derzeit steckt). Der hat da Anfang der Saison auch regelmäßig einen Haufen von mehr oder weniger namenlosen bzw. bei anderen Vereinen aussortierten Spielern zur Saisonvorbereitung begrüßen dürfen. Und da hat es hier und da natürlich auch Durststrecken gegeben, in denen er auf der Suche danach war, das Optimum aus diesem Haufen herauszuholen. Der Unterschied zu Dutt beim SV Werder ist für mich dabei der, dass Tuchel es regelmäßig geschafft hat, einigen Spielern aus dem Team der "Namenlosen" einen Namen zu geben, d.h. nach der Saison kannte man diese Spieler auf einmal. Und warum ? Weil dort ein Trainer am Werk war, der sie optimal eingesetzt hat und eine Spielphilosophie reingebracht hat, die die Spieler glänzen ließ (meine Einschätzung). Da stellt man sich nicht hin und sagt: "Guckt euch mein Team an - was will man damit reißen ?" Da wird gearbeitet, so dass am Ende der Saison die fußballinteressierten Leute sagen: "Naja, mit Spielern wie xx und yy konnte Mainz ja auch kaum in Abstiegsnot geraten". Dass man die Spieler xx und yy vor der Saison entweder noch gar nicht kannte oder sie für Flaschen hielt, wurde dann schnell vergessen. Die (ehemals relativ namenlosen) Topleute wurden dann Ende der Saison weggekauft und das Spiel ging für Tuchel die nächste Saison von vorn los. Was der den Mainzern für Mio's allein durch die tolle Entwicklung von Spielern generiert hat, ist wirklich erstaunlich. Allein deshalb hatte er wohl auch darauf gehofft, dass man ihn ohne große Hürden einfach so freistellen würde. Aber - da hielt sich die Dankbarkeit der Verantwortlichen dann doch in Grenzen.
Eine gute Trainerarbeit bedeutet für mich nicht, wenn fortwährend über das nicht so tolle "Spielermaterial" lamentiert wird, sondern wenn die "unbekannten" Spieler am Ende der Saison "auf den Zetteln namenhafter Clubs stehen". Im besten Fall hat man die dann so langfristig an sich gebunden, dass wenigstens die Kasse klingelt. Der Weg der Verpflichtung namenloser Spieler für 1-4 Mio Euro, die dann nach kurzer Zeit beim SV Werder keinerlei Wiederverkaufswert haben, muss ganz schnell beendet werden.
Wenn hier immer ein paar Trainernamen gepostet werden - mit dem Kommentar: "die würden ja wohl auch nicht weiterhelfen", dann wird dabei meist übersehen, dass es eben jenseits von Stevens und Slomka sicher einen ganzen Sack von jungen, motivierten Kandidaten geben dürfte, die gern zum SV Werder kämen (auch ohne direkt einen 3-jahresvertrag für teuer Geld zu fordern). Wie Thomas Eichin schon sagte: "Die Verpflichtung eines Trainers ist die wichtigste Personalie." Einmal hat er (meiner Meinung nach) daneben gegriffen. Das kann passieren (zumal Dutt ja durchaus eine gewisse Reputation mit sich brachte), man sollte sich jetzt aber langsam diesem Fehler stellen und ihn korrigieren.