Ich glaube Werder hat sich keinen Gefallen getan mit Robin Dutt. Wir waren Ende letzter Saison an einem Punkt, wo unsere Mannschaft gefühlt nie schlechter unter TS gespielt hat. Es ging also fortan darum, neue Impulse zu setzen. Einen neuen Trainer zu etablieren. Die Konsequenz: Eichin hat einen modernen, jungen Tainer gesucht - und glaubte mit Dutt die richtige Wahl getroffen zu haben.
Nun ja, das mag damals ja auch zunächst eine sinnvole Alternative gewesen sein, auch wenn sie bei mir mit Zweifel einherging. Dutt hat sich bei Leverkusen viele fragwürde Systemumstellungen und Experimente erlaubt ebenso wie seltsame Positionswechsel. Dutt hat auch bei Reportern viel Unsinn erzählt, Leistungsträger wie Ballack abgesägt. Als Sportdirektor wären das für mich Kriterien gewesen, die mich stutzig gemacht hätten. Allerdings schien für Eichin ein zweiter Versuch in Bremen angebracht. Was mich wundert, dass man dann einem Trainer gleich eingesteht, einen Wunschspieler mitzubringen. Makiadi ist für uns absolut keine Verstärkung und nur ein reiner Mitläufer. Dutts Idee ihn hier als Sprachrohr und erfahrenen Stabilisator fürs Mittelfeld zu etablieren, hat sich hier komplett als gescheitert erwiesen. Vielleicht hätte sich Eichin selber mal ein Bild von dem Spieler machen sollen.
Weiter ging es mit Zielformulierungen, die sehr relativ gehalten wurden. Man will sich langsam entwickeln und früh einen Mittelfeldplatz einnehmen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Das wird schwer genug, wurde gesagt. Die Erwartungen wurden regelrecht in den Keller geschraubt. Wer unten sitzt, kann halt nur nach oben schauen. Eigentlich ein Widerspruch - denn gleichzeitig wollte man sich spielerisch entwicklen, die Defensive bereits in der Vorbereitung fit für die Bundesliga machen. Nach der Winterpause wollte man so weit sein, die Offensive zu verbessern - Vorstellungen, die sich heute im Sande verlaufen haben.
Ich frag mich bis heute, was sich Dutt mitten in der Hinrunde dabei gedacht hat, offensiven Fußball spielen zu wollen, wo die Ordnung doch eh einem wilden Hühnferhaufen entsprach. Gleichzeitig wolle man flexibel sein, zwei Systeme einstudieren, um die Gegner zu überraschen. Ich habe den Eindruck, dass nur unsere Spieler von unserem System selbst überrascht sind. Der Gegner nicht. Keiner weiß also, was er zu tun hat. Das sieht man nun seit Beginn der Saison. Pässe landen in Schnittestellen, wo keiner steht, wo sich auch keiner bemüht, reinzulaufen. Ansonsten wird blind nach vorne gebolzt. Anfangs hat man noch versucht zu kombinieren - das hat man einfach eingestellt, weil man gemerkt hat, das unsere Spieler durch große Verunsicherung keine 2-3 Pässe am Stück an den Mann bringen. Vielleicht auch, weil Dutt es eben nicht hinbekommt, ihnen zu sagen, wie man ein Spiel aufzieht.
Dutt hat offenbar dann die Taktik geändert - nach dem Motto: "Bevor wir die Bälle in der eigenen Hälfte durch unsere Unfähigkeit verlieren, haut sie einfach nach vorne". Wenn ein Trainer diese Taktik ausgibt, hat er meiner Ansicht nichts in der Bundesliga zu suchen. Das ist Angsthasenfußball und zielt nur darauf ab, schlimmeres zu vermeiden. Peinlich. Man kann sich nicht jedes Spiel mit Mann und Maus hinten reinstellen und hoffen, dass die IV alles rauskloppen.
Pressing ist bei uns immer noch ein Begriff im Fußballlehrbuch. In der Theorie. Wir könnens noch nicht, verstehen es offenbar nicht. Wir gehen mit teils 3-4 Spielern auf den Ballführenden, reißen riesige Lücken. Das zieht sich auch schon die ganze Saison durch. Gestern wurde beim zweiten Tor der Freiburger eindrucksvoll vorne gezeigt, wie idiotisch wir Pressing ausüben und den Freiburgen so den Rest des Spielfelds überlassen. Traurig anzusehen. War aber auch schon gegen Augsbrug und Dortmund der Fall.
Mannschaften, die ebenfalls im Abstiegskampf stecken, bringen mehr Spielkultur auf den Rasen. Man muss sich mal vor Augen halten, welche Mittel Werder trotz der miseren Jahre noch zur Verfügung hatte und was investiert wurde. Trotzdem sind uns Mannschaften wie Nürnberg, Freiburg und Stuttgart spielerisch zuletzt überlegen. Bei uns wird aber immer nach Zeit geschrien. Zeit für die Entwicklung. Zeit für einen Umbruch, der längst verkrustet vor sich hinschimmelt. Der nie einer war. Der unter diesen Bedingungen auch nie einer sein wird.
Junge Spieler bekommen auch unter Dutt kaum die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Sie werden kurz eingesetzt, zeigen teils gute Leistungen. Verschwinden dann wieder in der U23. Ich verstehe das nicht. Stattdessen wird ein Makiadi wieder aufgestellt. Ein Di Santo gebracht, der kaum Tore erzielt hat. Das reicht nicht. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum.
Inzwischen geht es auch überhaupt nicht mehr darum, in welchen minimalen Nuancen wir uns verbessern. Insgesamt ist die Entwicklung in der Tendenz rückläufig. Es geht jetzt auch nur noch darum, Punkte zu holen. Es ist davon auszugehen, dass wir das mit dieser Leistung von gestern (und auch denen davor) bei unserem Restprogramm nur schwer schaffen. Wir haben gestern wieder einen riesen Schritt zurück Richtung Abstiegsk(r)ampf gemmacht.
Ich glaube es gibt mitlerweile auch kaum Argumente, die eine Weiterbeschäftigung Dutts rechtfertigen. Es sind eher die Umstände, die Dutts Amt sichern, nämlich die unserer finanziellen Lage. Könne man Tendenzen erkennen, das sich etwas entwickelt, wäre ich bereit zu sagen, ok - gebt ihm Zeit. Das bleibt aber nach einem Jahr immer noch aus. Ich bin wirklich bitter enttäuscht von Werder. Enttäuscht über das, was aus einem Verein mit Herz und Seele geworden ist. Der einst Spielkultur hatte, mit der man sich zu jeder Zeit identifizieren konnte. Werder ist für mich inzwischen nur noch eine Karikatur vergangener Jahre.