Zitat von Fliegenfänger;2904743:
Ich behaupte mal, wenn wir da Fußball gespielt hätten, wären wir nicht mit 6 Punkten gestartet und wären jetzt 16. oder 17.
Wir haben damals genauso "gespielt" wie in den Rückrunden-Spielen und können Stoßgebete zum Himmel senden, dass es damals 5 Punkte mehr waren als zuletzt.
Man hätte schon damals viel offensiver auftreten müssen!
Warst Du nicht der Experte, der noch vor kurzem erzählt hat, dass Hamburg mit van Marwijk erfolgreicher spielt, weil sie offensiv auftreten?
Es geht nicht um offensiv, defensiv oder kontrolliert offensiv (oder wie es der Zuschauer gerade bevorzugt), sondern welche Spielausrichtung mit dem gegebenen Kader umsetzbar ist. Dutt hatte in Saarbrücken einsehen müssen, dass diese Mannschaft sich selbst gegen Drittligisten überfordert zeigt, wenn sie so "agieren", selbst kreieren soll.
In Braunschweig dann sogar mit drei defensiven Mittelfeldspielern, die allerdings flexibel rochieren und sich einschalten sollten. Aber spielerisch hat`s genauso wenig geklappt, wie mit "höherer" Ausrichtung in Saarbrücken. Mit solchen DM`s bekommst Du kaum Bindung zwischen die Mannschaftsteile. Deshalb hat Dutt kurze Zeit später versucht, diese Bindung mit (etwas) höherem Stehen, schnellerem Rausrücken, mehr Fluidität herzustellen. Erwartungsgemäß ging es noch mehr in die Hose. Dieses Team kann in der Zusammenstellung, egal wie durchgetauscht und das System geändert wird, nicht fluide und gleichzeitig kreativ spielen.
Trotzdem versuchte RD, Kurzpasspiel in der Offensive zu installieren und Überzahl in halben Zonen zu schaffen. Nur, genau das hat schon in den letzten Jahren überhaupt nicht funktioniert. Weil diese Mannschaft seit Jahren eines ganz klar aufzeigt: die Spieler haben insgesamt weder die nötige Übersicht und Handlungsschnelligkeit, noch sind sie individuell gesehen kreativ genug, um mit "Bauchfussball", sozusagen dem nötigen Wahnsinn, Spielentscheidungen herbeizuführen.
Er hat zwar immer wieder umgekrempelt und hier und dort die Taktik noch mal verändert. Aber hier sind andere Tugenden gefragt und einzupauken und das hat Dutt nie hinbekommen.
Noch was zum mit Glück und Pech und unverdient oder verdient - das liegt doch ausschließlich im oberflächlichen Auge unbedarfter Zuschauer, die nun mal viele Torszenen und eine forsche Gangart ihres Team sehen und belohnt sehen wollen.
Du kannst im Gegenzug auch die letztjährige Rückrunde anführen:
Wir waren in Hamburg klar besser, der Ausgleich fiel aus dem Nichts, hinzu kamen Handspiel und Abseitstor. Gegen Freiburg hatten wir trotz der üblichen taktischen Unterlegenheit die besseren Tormöglichkeiten, gegen Augsburg hätten wie auch sehr gut gewinnen können bei etwas optimalerem Verlauf. In München waren wir 25 Minuten fast gleichwertig, bis der erste Konter saß und alle Dämme brachen. Gegen Fürth sind wir überlegen, das 1:0 folgerichtig, gegen Hopp darf nie und nimmer noch was anbrennen, da konnte der Sack längst zu sein. Gegen Schalke sind wir eine Halbzeit lang besser, konnten auch führen. Usw. usf.
Für mich ist genau das der Punkt. Mit mehr Glück. Dieses Gefühl hattest Du bei diesem Fussball 5,6 Jahre lang. Oberflächlich betrachtet. Denn keine Mannschaft hat immer Pech. Und wer sich die Spiele und Spielverläufe genauer anschaut, der kann auch durchaus zu anderen Schlüssen kommen. Genausowenig, wie wir im umgekehrten Fall jetzt die ersten Spiele unverdient gewonnen haben sollen, hatten wir früher immer nur Pech.
Es ist auch meine Vermutung und in dem Punkt stimme ich der These zu (teilweise), dass man so wie wir in den ersten beiden Spielen vorgegangen sind, kaum dauerhaft erfolgreich sein kann. Kannst Du aber auch nicht mit abstrakt-krudem Offensivspiel mit Hang zum Harakiri, ohne dass in irgendeiner Form einstudierte Spielzüge, ökonomische Raumaufteilung, also so was wie Grundordnung oder eine nachvollziehbare Richtung vorhanden sind.