Um Tempofußball spielen zu können, brauchst du in erster Linie Schnelligkeit in der Handlung, sowohl des Passgebers, als auch in der der Mitspieler. Zudem der Laufweg des Adressaten, ebenso wichtig. "Yacht Tempospieler" sind dagegen eher eine Nebensächlichkeit, entscheidend ist, wie Tempofussball
gestaltet wird. Ekici scheitert nicht, weil er "trabt", sondern weil ihm Umsicht und Handlungsschnelligkeit abgehen.
Und würdest Du dich in irgendeiner Form kritisch mit der Arbeit des Trainers auseinandersetzen, würdest Du wohl kaum ernsthaft erzählen, es hätte unter Schaaf nur an der Transferpolitik gelegen.
Ich kann auf die eine Art irgendwo verstehen, dass Fans TS nachhängen. Mir ging es eine zeitlang - so zwei, drei Jahre nach der Meisterschaft - genauso, man hat sich versucht einzureden, dass das, was dort immer wieder zu beobachten war, nichts mit dem Trainer zu tun hatte. Weil Schaaf eine Institution im Verein und sympathisch ist. Doch immer, wenn man die Geschehnisse auf dem Rasen in den Zusammenhängen als Ganzes vorbei paradieren ließ, waren die Symptome zu erdrückend und vor allem gab`s nichts vergleichbares, was hätte entkräften können. Leider. Doch sogar noch heute zu behaupten, es wäre anders, hat schon was von Brettern vor dem Kopf und auch nur noch wenig mit Werder-Fan, denn TS-Fan zu tun..
Ich denke auch, dass es Gründe gibt, warum der eine Trainer mal hier gut und dort wieder nicht funktioniert, dass manch vorzeitige Entlassung unsinnig wirkt. Das hat aber nichts mit der Situation zu tun, wie sie sich bei Werder darstellte. Selten war der Anteil eines Trainergespanns am Niedergang so offenkundig wie der von Schaaf/ Rolff/ Hönerbach/ Kraft.
Schaaf hat enorm von Micoud profitiert. Und Micoud mit seiner schwer umgänglichen Art davon, dass TS ihn einfach machen ließ. Kaum anderswo hätte JM diese Freiheiten bekommen, dadurch schwang er sich zum "spielenden Trainer" auf dem Platz auf, der uns an der Seitenlinie ein Stück weit fehlte. Es passte in der Konstellation einfach super zusammen. Wie groß der Anteil Schaaf`s tatsächlich war, haben wir dann nach Micoud gesehen - taktisch, spielerisch usw.. Besonders im Nachhinein stellt sich zudem das Erreichen des zweiten Platzes 2007/2008 als nicht förderlich dar, den wir trotz spielerischer Armut, fehlendem Tempo und taktischen Defiziten aufgrund der Schwäche der Liga erreichten. Dadurch fehlte erneut der Effekt konstruktiver Selbstkritik aller Beteiligten. Im Erfolg, speziell in Scheinerfolgen wie diesen, werden eben oft die schwersten Fehler begangen, die noch lange danach wirken. Wir haben ein paar Jahre nach Micoud von der durch die CL-Einnahmen angehäuften individuellen Qualität im Kader profitiert. Und damals viele Spiele durch individuelle Klasse, nicht aber über Teamtaktik oder mannschaftliche Geschlossenheit gewonnen. Nur irgendwann reicht das eben nicht mehr, zuerst in der CL, danach in der Liga (spätestens sobald andere wieder besser arbeiten).
Ich sehe es deshalb genau andersherum - vor allem die gute Transferpolitik früherer Jahre hat Schaaf zu einem der überschätztesten Trainer der Liga gemacht. Ein Platz unter den ersten Drei hätten wir meiner Ansicht nach nicht halten können, unabhängig von TS und unabhängig von den vielen Fehleinkäufen

tnx

. Trotzdem, die Schwäche im Trainerstab hat diesen Prozeß beschleunigt und verschlimmert.
Was mir an der derzeitigen Situation missfällt ist, dass wir so selten ein organisiertes Pressing hinbekommen, im Umschaltverhalten noch zu schwach sind. Klar fehlt im Mf die Mischung, zu viele Spieler für ähnliche Positionen, dafür keine oder kaum welche, die geeignet sind für strategisch wichtige Aufgaben in spielgestaltenden Zonen. Nur, so schlecht sind die Spieler auch wieder nicht. Nach vier Monaten müsste da mMn mehr möglich, mehr Linie erkennbar sein.
Kein Grund zur Panikmache, aber ein Kritikansatz, dem sich RD nicht entziehen kann. Und es auch nicht tut, wie zu hören ist.