Robert Enke

@ WB ohne Diego Mittelmaß du beziehst mir das alles zu sehr bloss aufs Fussballgeschäft. Das sieht in der normalen Gesellschaft auch nicht anders aus. Der Druck zu funktionieren ist auch dort immens. Sprich in meinen Augen ist das kein alleiniges Problem des Fussballs sondern eins der Gesellschaft im allgemeinen! Oder meinst du mein Arbeitgeber nimmt Rücksicht darauf ob ich Depressionen habe oder nicht. Da muss ich das auch verstecken und zusehen wie ich damit klar komme!
 
Zitat von 7Monde
Mein Mitgefühl gilt der Familie, seinen Freunden und Kollegen.

Obwohl ich weder Hannover noch Enke Fan bin, bin ich fassungslos, tief getroffen und traurig.

Die Welt hat nicht nur einen tollen Fußballer, sondern auch einen sehr engagierten Mitmenschen verloren,der einer der besten Vetreter seiner Zunft war.
Skandalfrei, fair, auf dem Teppich geblieben.
Einer, von denen es mehr in diesem Geschäft geben sollte.

Ein unermesslicher Verlust.

Daher verbietet es meiner Meinung nach der Anstand, hier irgendwelche Spekulationen über die Gründe anzustellen, denn die kennt nur er selbst und eventuell seine Familie, wenn er denn einen Abschiedsbrief hinterlassen hat.

Ich hab lange überlegt, ob ich das Folgende hier posten soll, aber sonst liest es ja sowieso keiner....

Vielleicht sollten wir uns alle mal einen Moment lang mit der Frage beschäftigen, wie wir mit Fußballprofis umgehen.
Da wird oft von Jungmillionären gefaselt, die Leistung bringen müssen.
Wie es in Spielern aussieht, die sich immer wieder zurückkämpfen müssen, und nicht die Leistung bringen können, die sie mal gebracht haben, interessiert fast niemanden.
Da wird dann gerne mal "verkaufen" "Nixkönner" und schlimmeres gegröhlt - auch in diesen Forum.
Uns allen muss klar sein, dass Menschen auf dem Platz stehen, die noch ein Leben ausserhalb des Fußballplatzes haben und ihre Probleme und Tragödien genauso mit zur Arbeit bringen, wie wir es auch tun!

Wenn ein Robert Enke, den alle immer für seinen Mut und seine Kraft, wieder aufzustehen geschätzt oder bewundert haben, zu so etwas fähig ist, dann stellt sich die Frage wie es anderen Profis ergeht, die nicht so viel Verständnis von uns Fans erfahren dürfen.

Wenn ich daran denke, was sich in unserem Verein Spieler wie aktuell Rosenberg, Almeida oder auch letzte Saison Boensich, Fritz und Prödl anhören und gefallen lassen mussten, wird mir an einem Tag wie diesem ganz anders.

Aber auch dieser Apell wird verhallen, also zurück zum "Business as usual"....

:tnx::tnx:

Ich hoffe du post dieses Nachricht an alle die Spielerthreads (die du hier oben sprechen über) so leute das auch nicht in dieser Thread lesen, starten zu nachdenken...
 
genau das ist ein grosses Problem, wie soll man sich als Betroffener denn mit der Krankheit auseinandersetzten bzw. sie behandeln, wenn einem suggeriert wird "Stell dich mal nicht so an, das wird schon wieder" usw. Es ist kaum einem Menschen bewusst was hinter Depressionen wirklich steckt, wenn sie nicht schonmal etwas damit zu tun hatten!

Deswegen muss ja auch mal eine breitere öffentliche Auseinandersetzung mit dieser Krankheit durchgeführt werden. Aber wenn die Boulevard-Presse damit keine Produkte verkaufen kann, weil in der breiten Masse keinerlei Ansatzpunkt dafür gefunden werden kann, da psychische Erkrankungen als Hirngespinste abgetan werden, berichten sie lieber über die täglichen 2 Toten der Schweinegrippe, während es die x-fache Anzahl an Opfern von Depressionen gibt.
 
Man sollte das wort Anstand nicht in den mund nehmen, wenn man nichts besseres zu tun hat, eine bislang ausbleibende beileidsmeldung von vereinsseite aus zu kritisieren, anstatt in diesen stunden einfach mal inne zu halten.
 
Man sollte das wort Anstand nicht in den mund nehmen, wenn man nichts besseres zu tun hat, eine bislang ausbleibende beileidsmeldung von vereinsseite aus zu kritisieren, anstatt in diesen stunden einfach mal inne zu halten.

Es geht hier nicht um persönliche Betroffenheit, sondern um die Tatsache das sich sowas einfach gehört. Nicht die ganze Welt kann jetzt alles stehen und liegen lassen.
 
Genau das ist mir zu undifferenziert.

Selbstmord kann egoistisch und feige sein, wenn man sich dadurch einer Verantwortung entziehen will. Selbstmord ist aber oft auch die Folge von schweren Depressionen, also der "Abschluss" einer Krankheit, wie eben auch viele andere Krankheiten mit dem Tod enden können, auch, wenn man sich behandeln lässt.

Es schwingt in deiner Aussage genau das mit, was viele immer noch von Depressionen so halten, nämlich, dass man sich mal nicht so anstellen solle und dass alles schon nicht so schlimm sein kann. Das kann daher kommen, wenn man niemals selbst oder in seiner engen Umgebung damit Erfahrungen gemacht hat. Von daher muss sich die Gesellschaft viel mehr mit dieser Krankheit auseinandersetzen und sie anerkennen, denn sie ist in unserer Leistungsgesellschaft, wo jeder zu funktionieren hat, enorm im Vormarsch.

Stattdessen reden alle von der Schweinegrippe....

Deine Aussage ist leider auch undifferenziert. Ich habe niegendswo gesagt, das Depressionen "nicht so schlimm" seien oder dergleichen. Und ja, ich habe Menschen im Umfeld gehabt, die unter Depressionen leiden oder gelitten haben. Ich habe sogar jemanden Suizidgefährdeten in der Familie.

Mir geht es ganz einfach darum, das RE inzwischen wie ein Märtyrer dargestellt wird, der aufopferungsvoll seine Karriere und seine Familie schützen wollte und der Freitod die unausweichliche Konsequenz der gesamten Sache ist.

Das ändert sicherlich nichts daran, dass diese Sache tragisch ist, traurig und trotzdem irgendwie unbegreiflich...

Hier ist niemand einer unheilbaren Krankheit erlegen, sondern ist in diesem Falle die Unheilbarkeit und das letztendliche "Erliegen" nicht die Konsequenz, sondern eher ein Symtom.
 
@ WB ohne Diego Mittelmaß du beziehst mir das alles zu sehr bloss aufs Fussballgeschäft. Das sieht in der normalen Gesellschaft auch nicht anders aus. Der Druck zu funktionieren ist auch dort immens. Sprich in meinen Augen ist das kein alleiniges Problem des Fussballs sondern eins der Gesellschaft im allgemeinen! Oder meinst du mein Arbeitgeber nimmt Rücksicht darauf ob ich Depressionen habe oder nicht. Da muss ich das auch verstecken und zusehen wie ich damit klar komme!

Da hast du vollkommen recht, deine Folgerung war auch intendiert -- es gilt natürlich auch für die Gesellschaft allgemein, in der der Erfolgsdruck immens zugenommen hat mit den sog. Hartz4 Reformen und der gestiegenen Arbeitslosigkeit, dem Erwartungsdruck, generell aber auch mit, wie ich meine schlimmeren Entwicklung, dem sich rasant verändernden Grundklima gegenüber Menschen, im Umgang miteinander: es ist kälter und zynischer geworden. Und es gibt immer mehr Menschen, denen es zunehmend schwer fällt, in diesem Klima mitzuhalten, die an sie gestellten Erwartungen (oder auch an sich gestellten Erwartungen) zu erfüllen, bzw. überhaupt in ihm zu bestehen.
 
werder-tv hat nen Beitrag zu Robert Enke... für alle, die so gewartet haben.

Davon abgesehen, wurde ein Interview mit Thomas Schaaf schon kurz nach der PK im DSF gezeigt. - Nur mal so zu den Äußerungen von Forumsmitglieder zu "Werder schäme dich" - manchmal ist es gut nicht sofort zu reagieren. Ich fand, dass es richtig war, zunächst mal die PK abzuwarten. Alles andere vorher waren doch nur Spekulationen.

Ich finde es gut, dass die PK so gelaufen ist wie sie gelaufen ist. Respekt vor Frau Enke.
 
Deine Aussage ist leider auch undifferenziert. Ich habe niegendswo gesagt, das Depressionen "nicht so schlimm" seien oder dergleichen. Und ja, ich habe Menschen im Umfeld gehabt, die unter Depressionen leiden oder gelitten haben. Ich habe sogar jemanden Suizidgefährdeten in der Familie.
Das habe ich ja auch nicht behauptet, sondern extra gesagt, das es in den Zeilen mitschwingt. Vielleicht hast du es nicht so beabsichtigt, aber jemand anderes könnte es so verstehen.

Hier ist niemand einer unheilbaren Krankheit erlegen, sondern ist in diesem Falle die Unheilbarkeit und das letztendliche "Erliegen" nicht die Konsequenz, sondern eher ein Symtom.
Und wieder schwingt das mit, was ich bereits sagte.
 
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