Eggestein war da übrigens … in der Positionierung defensiv wie offensiv viel, viel klüger.
Schon. Allerdings trifft das im Vergleich zu Bargfrede seit 2009 auf 95% aller Bundesliga- Mittelfeldspieler zu, die mehr als 15 Partien in der Liga bestritten haben.
Das Problem liegt abermals im Kader, wo der dringend notwendige Strukturgeber im zentralen, defensiven Mittelfeld neben Delaney erneut nicht verpflichtet werden konnte und wir somit dort wieder Bargfrede zu sehen bekommen, der noch immer keinen blassen Schimmer davon hat, wie das Spiel funktioniert. Und sich damit anscheinend auch nie auseinandersetzt. Bis heute nicht. Da mangelt es an Professionalität, der Einstellung zum Job. Oder schlicht am Horizont (kann ich aber nicht beurteilen). Andererseits muss man Bargfrede zugestehen, dass dieses peinliche "Honig-um-den-Mund-schmieren" bei Werder natürlich nicht zu gesunder Selbsteinschätzung führt, bspw. wenn die Lemkes oder KDF` s, die erwiesenermaßen nicht allzu viel von dieser Sportart verstehen, den Bargy so toll finden, oder schon Skripnik solches Zeug erzählte "Werder mit oder ohne Bargfrede, das ist schon ein Unterschied", weil "Bargfrede den ersten Ball schneller spielt". Es geht nicht darum, den ersten Ball schneller zu spielen, sondern wohin, wann und wo Du stehst, um den Spielzug eröffnen zu können. Und genau da liegt der Kasus Knacktus der Personalie PB.
Nichtsdestotrotz hätte ich in Hamburg genauso wie Nouri entschieden, Bargfrede von Beginn an zu bringen. Du kannst es auch nicht mit dem Heimspiel gegen den HSV von vor 5 Monaten vergleichen. Damals hatte Werder einen Lauf, war zig Spiele ungeschlagen, während Hamburg im Niedergang, zumindest in Heimspielen mit dem Publikum im Rücken in den Schlussminuten unter hohem Kraftaufwand glückliche Siege erzwingen konnte. Auswärts reichte das dann nicht. Da lag die spielerische Lösung im Weserstadion auf der Hand. Doch diesmal waren wir sieglos, ohne Selbstvertrauen und auswärts. Uns fehlte mit Kruse der wichtige Lenker vorne. Grillitsch nicht mehr an Bord. U. Garcia nach wie vor kein BL-Format. Bartels oder Kainz in erster Linie Offensivspieler, die mit Ball am Fuß loslaufen und bestenfalls unterwegs überlegen, was sie denn nun eigentlich spielen wollen. Das ist dummer Fußball, nicht zeitgemäß. Bartels oder Kainz haben aber zumindest ein gewisses Gefühl für Konterräume, wann sie wohin losrennen müssen. Manchmal jedenfalls. Das ist halt nur viel ausrechenbarer für den Gegner, als wenn Kruse dort die Räume erkennt und in wichtigen Zonen anspielbar ist. Daher setzt Du mit Bargfrede erstmal auf Ballsicherheit samt Schnelligkeit und Zweikampfstärke, auf vermeintliche Sicherheit, zudem haut PB aufgrund seiner guten Technik mit dem Spann gerne mal No-Look-Pässe aus dem Fußgelenk raus, die Bartels, Kainz, Belfodil erlaufen könnten.
Die Wahl war – setzt Du mit Eggestein auf mehr spielerische Struktur gegen einen HSV, der vor allem darauf aus ist, das Spiel des Gegners zu zerstören und der sich freut, wenn der Gegner die Spielinitiative ergreift. Oder setzt Du dem HSV die gleiche Spielweise entgegen und hoffst, ihn mit den eigenen Waffen zu schlagen? Hmm… Für mich keine einfache Frage. Es hat letztlich nicht hingehauen. Und d`accord - da wurde zu spät korrigiert. Aber die Herangehensweise Nouris für diese Partie sehe ich nicht so kritisch wie Du.
Wo ich Dir unbedingt recht geben würde ist, dass dieser Ansatz gegen Freiburg falsch war. Für mich auch unerklärlich. Wenn ich die Akte Bargfrede in 8 Jahren Revue passieren lasse, dann fällt immer wieder auf, dass Werder mit ihm im Zentrum weniger Gegentore kassierte, parallel dazu aber insbesondere spielerisch meist erschreckend bis grausig war. Beides steht aus meiner Sicht in engem Zusammenhang.
Wir erzielen mit Bargfrede nicht wegen Bargfrede bessere Ergebnisse, das war schon immer ein Märchen, aber destruktiv hilft er uns durchaus. Es kommt halt auf die Konstellation und die zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbare Mannschaft an. Am Besten ist Bargfrede, wenn er direkt aus einer Verletzung kommt, weil er sich dann konzentrieren muss, um in die Automatismen reinzukommen. Sobald der Trott Einzug hält, läuft der übliche Mist, weil es am Fokus aufs Wesentliche mangelt. Bei gleichzeitig komplett fehlendem Sachverstand. Das spielerische und spieltaktische Grauen.
Aber das ist meistens nur die eine Seite. Als Nebenmann unter Druck versuchst Du Bargfrede öfter anzuspielen, weil bei ihm (jedenfalls in "Normalform", nicht wie gegen HH) der Ball nicht gleich verloren geht. Also zumindest wenn das irgendwie möglich ist, denn meistens läuft PB hinter irgendwelchen Gegenspielern rum und ist nicht anspielbar, wenn Werder den Ball hat.... aber das eine andere Geschichte. Destruktiv erzielst Du so mehr Stabilität, wenn Du als Mitspieler einen hast, auf den Du einfach mal prallen lassen kannst. Gibt Dir Sicherheit. Kennt jeder. Dass von PB der Ball hin und wieder auf denjenigen zurückkommt, von dem der Ball unter Druck kam... wieder eine andere Geschichte. Dass er die falschen Zweikämpfe am falschen Ort führt, weil er vorher pennt.. auch das. Bargfrede zentral zu bringen, ist zwar regelmäßig der völlige Verzicht auf Fussball im Sinne des Spielens, weshalb solche Eindrücke zustandekommen wie "Delaney mindestens genauso übel". Es ist nunmal äußerst schwierig, mit Bargfrede vernünftig zusammenzuspielen. Da kommt nur dummes Zeug raus. Aber Bargfrede ist nunmal antrittsschneller, physisch präsenter und technisch besser in der Zweikampfführung (wenn er in die Zweikämpfe kommt, in "Normalform", nicht wie gegen HH) als fast alle anderen im Team. Grundsätzlich glaube ich, dass wir deswegen mit Bargfrede stabiler stehen. Zumindest im blanken Überlebens-/ Abstiegskampf. Und um nichts anderes ging es in Hamburg.