Ich finde es sehr bedauerlich, wenn ein Spieler, der seit zwei Jahren bester Torvorbereiter der Bundesliga ist, zudem ganz wichtige Tore für Werder erzielte und nicht zuletzt schon mit 21 Jahren einen unserer zwei einzigen Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft - das in tragender Rolle! - stellt, hier als "Mittelfeldtalent mit vermeintlich guten Ansätzen", der noch keine "konstant gute Saison" gespielt hat, deklariert wird.
Bezeichnend werden derlei Sprüche besonders dann, wenn solche "Fans" beim Hauch von Relativieren der Leistungen anderer (ihnen beliebter) Akteure gleich "Undankbarkeit gegenüber verdienten Spielern" erkennen wollen.
Was ich komisch finde, ist, dass bei der "Katze im Sack", die praktisch nicht einzuschätzen ist, selbst WM-Beobachter wie Wenger und Olsen schon bemerken, dass einer wie Özil genau derjenige ist, der Deutschland so lange fehlte, weil er aufgrund seines Spielstils dem früher fast nur ökonomischen Fussball auch entscheidende spielerische Elemente hinzugefügt hat und Gary Lineker auf BBC erkennt, dass Özil das Gehirn eines und auch dieses Teams ist. Das bei einem Turnier, wo er ja so schwach gewesen sein soll.
Typisch auch der immer wieder kehrende Vorwurf der "Elanlosigkeit". Angesichts der Laufleistungen, die Özil abliefert und mit welchem Aufwand - ständig schnelle Antritte, mal in die Diagonale, mal quer, mal in den freien Raum, Starten im richtigen Moment und meist dahin, wo es Platz gibt. Nur sind offensive Laufwege meist umsonst, besonders wenn einer sein Spiel so interpretiert wie Özil und besonders, wenn eine relativ unstrukturierte Spielentwicklung von hinten heraus wie bei Werder letzte Saison stattfindet. Natürlich spielt einer unauffälliger, der so agiert - mit klugem Positionsspiel, raumgreifenden und spielverlagernden Pässen, damit es möglichst viele Varianten für die Mannschaft zum Spielen gibt und vor allem damit das Tempo hoch gehalten wird. Doch spielt er uneffektiv, nur weil es der "gemeine Fan" nicht sieht? Dass einer bei dieser kraftaufwendigen Spielweise nicht auch noch sämtlichen Bällen nachgeht, ist doch wohl völlig normal. Wenn es auf höchstem Niveau um sinnvolle Laufwege, um klare Aufgabenverteilungen, um Raumaufteilung, eben um das Haushalten mit Kräften geht. Aber dass dadurch oder durch "hängende Schultern" immer wieder auf Lustlosigkeit und "sich Verstecken" geschlossen wird, mitunter auch noch Charaktereigenschaften festgelegt werden, ist schon erstaunlich.
Man kann MÖ verwerfen, dass er die Bälle zu schlecht abschirmt, das wohl, man kann ihm auch vorwerfen, wenn er in der Spielgestaltung zu wenig bringt. Was hier aber von einigen veranstaltet wird, ist eine ständige Grundsatzdiskussion über angebliche Unkonstanz, die fusst auf fehlender Präsenz auf dem Rasen. Das ist ziemlich realitätsfern.