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Mick_666
Guest
MÖ ist kein Spieler, der dadurch auf sich aufmerksam macht, weil er offensichtlich "sensationell gut drauf ist und berauschend spielt", sondern weil er an guten und schlechten Tagen einfach intelligent Fussball spielt. Sind die Nebenleute schwächer oder hat er selbst einen schwächeren Tag als die Mitspieler, lässt er den Ball auch dann noch in den meisten Fällen laufen, verliert sich selten in aussichtslosen Dribblings und versucht wenigstens, nicht den Spielfluss zu behindern. Gegen Ghana oder England hatte er nicht viel mehr bzw. viel weniger lichte Momente, als gegen Australien oder Argentinien und war - nicht wie der Kicker es benotete - gegen Ghana oder England so viel besser als Poldi oder Müller und auch nicht gegen Australien und Argentinien so viel schlechter als Poldi oder Müller.Ohne Frage hat MÖ an der insgesamten Leistung seinen Anteil, nur glaube ich momentan nicht, daß wir die Spiele gewinnen, weil MÖ so sensationel gut drauf ist und derart berauschend spielt, sondern weil alle am Limit spielen und alle als Einheit auftreten.
Da ist es zur Zeit recht schwer, die individuelle Leistung autark zu bewerten. Gegen Ghana lief insgesamt relativ wenig zusammen und schon sank auch MÖ´s Leistung.
Eine Einheit, die insgesamt auch und möglicherweise vor allem wegen MÖ stark ist.Die Stärke ist daher momentan weniger individuell anzusiedeln, als vielmehr in der Einheit zu finden.
Einen Özil hatten wir zur EM 2008 nicht. Indem Löw zusätzlich Khedira und Schweinsteiger als spielintelligente Leute zentral defensiv einsetzte, schuf JL die Balance und Struktur, die ich oben ansprach. Da hätte ein Frings bspw. nicht reingepasst.
Genau deshalb habe ich die Szene im Forum schon öfter erwähnt. Denn es geht und ging nie darum, ob einer in vorderster Linie den Doppelpass spielen und damit den letzten Pass geben kann oder Leute auf sich zieht und dann ablegt. Das können manche Stürmer auch. Sondern darum, wie er schon auf die gesamte Spielentwicklung Einfluss nimmt, wie er das Tempo bestimmt, wie er intuitiv die Spielsituation erfasst, lange bevor er in Ballbesitz ist und damit abschätzen kann, welchen Ball (Sicherheitspass, diagonal, vertikal) er spielen kann und darf, wie und wann er das Spiel in eine andere Zone auf dem Rasen verlagern muss. Kurz: Wie Räume und Optionen schnell erkannt werden und zwar auf die gesamte Breite und Länge des Feldes betrachtet, ob aus der Tiefe oder in vorderer, zentraler Position. Genau das habe ich bei Diego immer vermisst, aber genau das muss ein echter Spielmacher können. Noch dazu, wenn er in so einem flexiblen, One-Touch-abhängigen System wie die Raute eingesetzt wird.Es wird der Eindruck kreiert, als hätte Diego permanent versucht, mit dem Kopf durch die Wand(Mitte) zu rennen und hätte den Kopf permanent am Ball kleben gehabt. Allein eine seiner letzten Szenen in grün-weiß vor dem 1:0 in Berlin zeigte, daß dem nicht so war. Indem er 3 Leute auf sich zog, hatte Özil, den er dann mustergültig bediente, überhaupt erst freie Bahn.
Was allerdings auch an mangelnden Alternativen lag, da AH zu der Zeit verletzt/außer Form war und man MM noch nicht hatte.
Das mit den mangelnden Alternativen ist so eine Sache, AH hat in dem Jahr bspw. seine beiden besten Spiele, eines gegen Real Madrid, gemacht, als Diego fehlte. Warum wohl? Wir hätten damals insgesamt ein austarierteres Mf benötigt, wie oben beschrieben, entweder Akteure holen müssen, die ein Gegengewicht zu Diego`s Spielweise hergestellt hätten oder aber systemisch anders agieren müssen (Schaaf). Wir wurden nachweislich, weil es so weiterlief, von Jahr zu Jahr spielerisch schlechter und inflexibler. Trotz Diego und Özil. Letzterer hätte aufgrund seiner Stärken (und Schwächen) nie im Schatten, meist auf einer nominell defensiven Halbposition spielen dürfen, sondern mit Diego ein System spielen müssen, wo beide, und zwar im Sinne des Spiels und der Mannschaft ihre Stärken ausspielen können. Ein Özil muss von Def.aufgaben befreit sein, damit er seine Stärken einbringen kann und nicht hinter einem Halbstürmer wie Diego irgendwo im Raum verteidigen, was er überhaupt nicht kann. Barcelona ist, freilich auf höherem Niveau, ein Beispiel, wo die Ausgewogenheit zwischen einem glänzenden Individualisten (Messi), Leuten, die ein Spiel lesen können (Iniesta, Xavi, Busquets) und einem dafür geeigenten System passt.Ich denke sogar, daß Diego sogar für Özil´s Entwicklung wichtig war, da er sich in seinem Schatten langsam und ohne den ganz großen Fokus auf ihn gerichtet, entwickeln konnte.
Genau das meine ich doch. "Man hatte die Hoffnung" - so dachten wohl auch die Spieler. Nur das hilft auf Dauer kaum weiter. Und ob das bei MÖ "so hinplätscherte" ist Ansichtssache.Sehe ich nicht unbedingt so. Während bei Özil das Spiel an schlechten tagen oft vor sich hin plätscherte, hatte man bei Diego bspw. immer noch die Hoffnung, daß eben jene Einzelaktion (Freistoß, Dribbeling) ein Spiel entscheidet.

