Fokus, Leute! Bitte nicht übersteuern.
Cem ist ein Idealist, er überzieht halt manchmal, weil er emotional reagiert. Andererseits ist das höchstwahrscheinlich auch eine Folge seines Berufslebens, welches sicher gerade in dieser Hinsicht nicht einfach ist. Deshalb sehe ich das auch nicht so verbissen. Aber seine Ansichten über die Qualität von Mesut Özil teile ich ohne Einschränkung.
Wie er nicht nur jeden Gegner Respekt einflößt, sondern auch seinen Mitspielern durch seine Anwesenheit auf dem Platz Selbstbewusstein gibt und sie besser macht. Und das als einer der Jüngsten auf dem Platz. Habt ihr den Auftritt in Moskau gesehen. Mit 20 Jahren dort so aufzutrumpfen, das ist schon eine gewaltige Hausnummer!
Primär hatte ich das gar nicht mal so gemeint. Ich wollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass er die Mitspieler über seine Spielweise besser macht, der Ball läuft durch MÖ einfach anders. DAS ist der Punkt. Selbstvertrauen steigert sich natürlich über Erfolgserlebnisse. Aber ich glaube nicht, dass es den anderen daran entscheidend mangelt bzw. Özil das einflösst.
Spieler, die ständig in den Kombinationsfluss eingebunden werden, werden automatisch stärker bzw. finden auf diese Weise ins Spiel und dauerhaft zur alten Form. Und Özil ist der Initiator. Mesut ist ein Spieler, der nicht permanent omnipräsent sein muss, der nicht viel Ballbesitz benötigt, um ins Spiel zu kommen bzw. sein Spiel durchzubringen. Der auch mal abtaucht - sinnvollerweise, aber in entscheidenden Momenten höchst effektiv in Erscheinung tritt. Er spielt einfach extrem klug Fussball und kann das jetzt, da endlich
in zentraler, kreativer Rolle tätig, erst recht gewinnbringend für das gesamte Team einsetzen. Nicht nur in der N11.
Allein die erste Halbzeit gegen Bilbao war so ein Paradebeispiel. Oder erwähntes Russland-Spiel. Insbesondere drei Szenen sind mir in Erinnerung:
1.) Mitte 1.HZ. MÖ kommt trotz schlechtem Anspiel unter Bedrängnis an den Ball, fast alles hängt links in der Enge, Özil spielt mit
nur einem Ballkontakt blitzgescheit in den rechten, freien Raum. Nutzt dabei die effektivste Möglichkeit der schnellen, für Deutschland öffnenden Spielverlagerung.
2.) Dann natürlich vor dem Tor. Kurzer, völlig überraschender Pass auf Poldi, dann der schnelle Antritt genau da rein, um die Abwehr auseinanderzuziehen, kreuzen, und dann auch noch den besser postierten gesehen. In drei Szenen innerhalb von Sekunden dreimal richtig zu handeln, ist allererste Sahne. Und da haben mal die Nebenspieler mitgemacht.
3.) Der Lattentreffer. Eindeutig suchte er zuerst den Raum, wo er reinspielen konnte, der aber halb zugestellt wurde. Als die Russen mit dem Quer- oder Rückpass rechnen, kommt der Torabschluss, das noch mit guter Schusstechnik.
Wie gesagt, solch eine Handlungsschnelligkeit, Präzision, gepaart mit Mannschaftsdienlichkeit - und das unter Tempo - sowie in der Häufigkeit habe ich zuletzt in Bremen nur bei Micoud gesehen. Wer jetzt hier behauptet, MÖ hätte nur irgendeinen Lauf, wie viele andere Fussballer auch, der lebt fern der Realität. Und das armseligste Beispiel ist das UEFA-Cup-Finale. Dort, wo er allein wegen des Standortes und der vorherigen Geschehnisse um seine Person so unter Druck stand, welchen so ein junger Kerl so einfach wegstecken sollte? Wo er ausserdem eine Rolle übernehmen sollte, die wie gesagt, er nicht ausfüllen konnte, weil schon die Mannschaft aus erwähnten Gründen nicht funktionierte?
Noch besser ist der Einwand mit Platz 10. Es lag nicht an MÖ, dass das Team überlegen geführte Spiele, denn das waren die meisten auch trotz Niederlagen, nicht nach Hause brachte. Er hatte dreimal so viele Tore vorbereitet und Torschussvorlagen gehabt wie jeder andere in der Mannschaft.
Aber natürlich haben die meisten Recht. Zu viele Jubelarien könnten hemmend sein für Mesut`s Leistung.. Huch, schaut der hier rein?