Keine Ahnung, was Du für Wahrnehmungen hast, aber vielleicht hättest Dir einfach mal die Mühe machen können, den Beitrag zu lesen und zu verstehen, statt reflexartig los zu pöbeln. Spieler zu entwickeln oder Spieler dahin zu bringen, vorhandenes Potential abzurufen, ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wobei letzteres natürlich auch eine Qualität sein kann.
...offensichtlich eine völlig andere als Du. Vermutlich hängt das auch immer von den individuellen Ansprüchen ab, die man gegenüber einem/seinem Lieblingsverein hat. Auch da scheinen wir völlig unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen zu haben:
Für mich war Werder in den letzten Jahren, insbesondere in der Ära KATS ein "Ausbildungsverein"! (Rehhagel setzte ja gern auf erfahrene Akteure im Herbst ihrer Karriere; natürlich, nicht nur!

) Das bedeutet eben, dass KATS junge, entwicklungsfähige Spieler für günstiges Geld nach Bremen gelockt und Ihnen hier eine hoffnungsvolle Entwicklungsperspektive geboten haben. Später wurden diese Spieler für teures Geld verkauft. Durch den erzielten Mehrwert hat man nicht nur den Kader refinanziert, vielmehr war man in der Lage, diesen qualitativ zu verbessern und sportlich erfolgreich zu platzieren.
Es ist völlig verständlich, dass nicht jeder talentierte Spieler sein Potenzial auch ausschöpfen kann und zukünftig auch nicht jeder dieses wird. Mit diesem Risiko muss ein Verein wie Werder leben und tut es auch. Es gibt kaum einen anderen Erstliga-Verein in Deutschland, der aktuell, insbesondere aber in der Vergangenheit soviel Vertrauen in die Entwicklung junger Spieler gesetzt hat und die nötige Geduld dafür aufgebracht hat. Kein anderer Verein hat woohl in den letzten Jahren soviele Transfer-Erlöse erzielt wie Werder. Das würde wohl kaum gelingen, wenn sich die Spieler bei Werder nicht weiterentwickelt hätten. Das kann man mMn nicht ernsthaft abstreiten.
In der Vergangenheit (ja, auch noch innerhalb der letzten 10 Jahre) hatte Werder mit diesem Konzept sehr viel Erfolg, weil es, mit Ausnahme der letzten 3 Saisons, mehr als aufgegangen ist. Viele Vereine versuchen, dieses Konzept zu kopieren. Erst gestern habe ich ein Interview mit Mirko Slomka gelesen, in dem er sinngemäß als Ziel seiner kommenden Amtszeit formulierte, endlich mal einen "Star" aufzubauen, den man später teuer verkaufen könne. Also, genau so vorzugehen, wie Werder seit Jahren.
Ich weiß, dass ich vermutlich wieder "Prügel beziehen" werde, wenn ich behaupte, dass man nach all den erfolgreichen Jahren (Teilnahme an der CL) konstatieren sollte, dass das für einen Verein wie Werder eher die Ausnahme ist und dass man das keinesfalls immer erwarten sollte! In dieser Hinsicht scheinen unsere beider Ansrüche völlig gegensätzlich zu sein.
Wiese war 7 Jahre hier, ohne dass er sich in seinen Schwächen entscheidend verbessert hat.
Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, hier jeden von mir angesprochenen Akteur "zu beleuchten"?

Wenn Du das wünschst, nehme ich mir auch dafür die Zeit. Grundsätzlcih würde ich auch hierzu sagen, dass sich die meisten Spieler bei uns natürlich von hoffnungsvollen Talenten zu gestandenen BuLi-Spielern, Nationalspielern, oder gar Superstars entwickelt haben. Natürlich haben sie gewisse "Anlagen" mitgebracht, die Automatismen, die Sicherheit, das eigene Zutrauen, die Zielstrebigkeit haben sie größtenteils bei uns gelernt!
Zu Wiese selbst habe ich eine ähnliche Ansicht wie der_da! Natürlich hat auch er sich hier von einem Nachwuschskeeper zu einem Nationalspieler weiterentwickelt!
Oder Mertesacker und Naldo. Beide hätten bei Werder lernen können, ihrer Old School-Spielweise modernere Elemente hinzuzufügen. Wobei Merte, was das angeht, zumindest (im Gegensatz zu Naldo) ein gutes Raumverhalten hat, das allerdings schon immer. Aber wie Stellungsspiel und Antizipation mit aktiverem Spiel im direkten Zweikampf vereinbar sind, also wenn ersteres punktuell nicht greift, hat er erst in England gelernt/ lernen müssen. Naldo wiederrum hat sein mäßiges Stellungs- und Positionsspiel meist über herausragende Dynamik wettgemacht, seine fehlende Übersicht und Flexibilität in der Spieleröffnung oft über Ballbehauptung und gute Technik ausgeglichen. Aber um ein Abwehrorganisator oder Spieleröffner moderner Prägung zu werden, hätte er an diesen beiden Defiziten entscheidend arbeiten müssen. Doch da konntest Du in 7 Jahren wenig bis nichts beobachten. Deshalb war Naldo trotz herausragender individueller Klasse nie für grosse Vereine interessant.
Sowohl Naldo als auch Merte kamen als junge, unreife Innenverteidiger und gingen als gestandene Nationalspieler für viel Geld bzw. mit reichlich Renommee. Sicher nicht, weil sie sich hier verschlechtert haben!
Beispiel Diego. Der ist bei uns sofort durchgestartet, dennoch war bei Werder in den Ansätzen schnell zu sehen, warum er zuvor auf seiner ersten Europastation gescheitert ist. Diego ist internationales Top-Niveau nahe an der Weltklasse (oder war es zumindest), wenn er in Ballbesitz ist, ohne Ball hat er gehobenes Zweitligaformat. Er ist sehr torgefährlich, in Strafraumnähe aufgrund seiner Balltechnik und -behauptung ein guter Doppelpasspartner oder Flankengeber. Nur fehlt es ihm mit dem Spiel vor sich an Spielverständnis, Handlungsschnelligkeit und Übersicht, um bei dieser Omnipräsenz auf höherem Niveau durchzukommen. Zudem ist Diego im Defensivzweikampf, generell defensiv wenig zu gebrauchen. Daher gehört Diego möglichst nahe an den gegnerischen Strafraum eingesetzt und von Defensivaufgaben weitestgehend befreit.
Genau deshalb wollten sie ihm bei Juventus begreiflich machen, dass er seine Position weiter vorne halten solle, was er nicht tat und nach dem Trainerwechsel war die Konsequenz eben die Bank. Statt sich dem anzunehmen, ist Diego bockig nach Wolfsburg geflüchtet, hat dort nach zwei, drei Spielen McClaren erzählt, wie gut er Raute spielen kann und welche Freiheiten er braucht mit dem Ergebnis, dass sich Wolfsburg trotz Top-Kader in akuter Abstiegsgefahr befand, Dzeko – analog 2007 Klose – angesichts dieser Spielweise irgendwann nur noch wegwollte und nach dem Trainerwechsel Magath in nachvollziehbarer Konsequenz Diego zum Ergänzungsspieler degradierte.
Daran scheiden sich die Geister und dies hätte man ihm bei Werder, wo er den Höhepunkt erreichte, verständlich machen müssen. Diego hat es aber nie verstanden. Du kannst nach Schaaf` schem Muster der "Selbstverwirklichung der Spieler" natürlich alles von dieser großen Individualshow abhängig machen/ dem unterordnen, aber der zu zahlende Preis ist hoch, m.E. zu hoch. Und damals hatte Werder noch ne andere Mischung im Kader. Für die heutige Truppe wäre das, so meine Prognose, absolut Gift.
Wie so häufig hast Du das sehr "blumig" beschrieben. Icch glaube über Diegos Fähigkeiten dürfte es keine zwei Meinugen geben. Die hat er bei uns und auch bei Athletico Madrid bewiesen. Warum es bei Juve nicht funktionierte, kann ich nicht abschließend beurteilen, mMn ist er ein wneig zu früh dorthin gewechselt. Das Scheitern im Wolfsburg unter Magath war für mich keine Überraschung und hatte mMn weniger miit den Fähigkeiten des Spielers als mit der Selbsgefälligkeit des Trainers zu tun.
Auch Diego hat sich natürlich, bei uns in Bremen, unter Schaaf, zu einem internationalen Topspieler entwickelt.
Beispiel Özil. TS hat es als Erster geschafft, ihn so zu entfalten, dass Özil sein Potential auf diesem Niveau abrufen konnte. Jenes Potential, was Du bei Özil schon in der Jugend (Essen, Schalke) sehen konntest. Was ihm bei Werder noch fehlte, waren ein paar strategische Eigenschaften, die zur Spielgestaltung dazu gehören. Wie zum Beispiel selbst Druck auf Ball und Gegenspieler zu machen bei gegnerischem Ballbesitz, statt nur darauf zu spekulieren, dass der Ball von den Mitspielern rückerobert wird, um erst dann das eigene Spiel aufziehen zu können. Als zentraler, intuitiver Ballverteiler überragend, strategisch in jungen Jahren mittelmäßig. Das hat Werder 09/ 10 in Saisonphasen berechenbar gemacht und fast den CL-Platz gekostet, trotz eines Topkaders. Genau diese Elemente, die Özil in seinem Spiel fehlten, um in die Weltklasse vorzustoßen, hat er bei Real ganz schnell gelernt. Und das sage ich Dir als absoluter Anhänger der Spielweise Özils.
Meinst Du, er wäre bei Real gelandet, wenn er dieses "Weltklasse-Format" nicht schon in Bremen angedeutet hätte? Auch für ihn gilt mMn, dass er ein wneig zu früh gewechselt ist.
Marin habe ich bewusst bnicht aufgeführt, weil ich bei ihm in der Tat kaum Entwicklug entdecken konnte. Wie schon zuvor in Gladbach unter Meyer ist er auch bei uns häufig durch viel zu langes Ballhalten, unnötige Dribblings und häufige Ballverluste aufgefallen. Ich habe von ihm nur wenige gute Spiele in Erinnerung, das Beste im letzten Frühjahr beim Auswärtssieg in Hamburg. Schade, dass er diese Leistung nicht öfter gezeigt hat. Über seinen Abschied zu dem Preis war ich nicht traurig. Es war sicher nicht das optimale Spielsystem für ihn. Trotzdem glaube ich, dass er trotz Vertrauensvorschuss von Schaaf zu wenig aus sseinen Möglichkeiten gemacht hat.
Wesley habe ich aus oben gennanten Grüdnen (siehe Marin) auch bewusst nicht aufgeführt. Bei ihm vermute ich auch kulturbedingte Anpassungsschwierigkeiten. Dinge, die bei Brasilianern häufig auftreten, die ein Trainer selbst nur schwer beeinflussen kann.
Oder aktuelles Beispiel Elia. In Trainingsspielen kannst Du beobachten, wie er seine Stärken zeigt. a) Antritt, Grundschnelligkeit auf den ersten Metern und b) von aussen nach innen ziehen, wo bspw. eine gute Schusstechnik mit Abschluss auf` s lange Eck hat. Problem nur: Diesen Platz bekommt er in Pflichtspielen nicht. Demzufolge müsste Elia für b) lernen, wie er sich in Ballführung und Offensivzweikampf verbessern kann und für a) könnte zum Beispiel das Systemverhalten der Truppe modifiziert werden, also dass Elia nicht so oft die langen Wege hat, weil der AV zu tief oder zu weit weg und das DM zu weit weg steht, so dass er a) besser nutzen kann. Beides passiert aber - nach mittlerweile einer Halbserie - irgendwie nicht.
Über Elia traue ich mir noch kein abschließendes Urteil zu. Das neue Spielsystem müsste eigentlich auf ihn zugeschnitten sein. Die mangelnde Unterstützung auf links sehe ich auch. Den Hebel dafür müsste man aber wohl eher bei Schmitz oder auch Hunt ansetzen. Bei Elia gehe ich auch von einer Steigerung in der zweiten Saisonhälfte aus! :daumen:
Problemlos wäre es weiterzuführen, über Boenisch, Klasnic usw. Und so lässt sich der Bogen zu Ekici spannen, dessen "Entwicklung" ähnliches verspricht. Dies meine ich mit individualtechnischer Entwicklung.
Boenisch!

Klasnic hat sich hier von einem Zweitliga-Stürmer zu einem anerkannten Nationalspieler entwickelt, der in der ganzen Bundesliga Respekt genossen hat. Ekicis Probleme liegen, wenn man den Interviews von Hecking glauben darf, offenbar auch nicht nur beim Trainer Schaaf!
Nicht alles kann ein Trainerstab signifikant verbessern, da einiges vom Wesen und Willen der Spieler abhängt, aber bei uns ist diese mangelnde Entwicklung bei den individuellen Defiziten in Summe schon sehr auffällig. Das Motto "Spieler die zu uns kommen, müssen das Grundlegende können, und ansonsten nur ihre Qualität abrufen" steht im Widerspruch zum Credo eines Klubs, der sich als Ausbildungsverein begreift. Ich vertrete allerdings die Ansicht, dass individuelle Spielerförderung zu einem Großteil Aufgabe der Co-Trainer ist.
Hast Du Dir dieses Motto selbst ausgedacht? Wer hat es verlautbaren lassen? Die Aussage zu den Co-Trainern würde ich auch unterstützen und um Nachwuchstrainer ergänzen. Schaaf selbst hat dies, als er für Werders Nachwuschs verantwortlich zeichnete, bewiesen!