...Dauerbeschallung durch die Medien, die unseriöse Hexenjagd auf alle möglichen Delinquenten quer durch alle Blätter/Sender und des sich anschliessenden / aufgehetzen Mobs sind auch im 21. Jahrhundert das eigentliche Phänomen. Nichts ist bewiesen, aber schon gibt es "Schuldige". Der "trauernde" Mob ist wütend und muss befriedigt werden - zum Glück gibt es noch keine durchgängigen plebiszitären Abstimmungen, sonst wären der OB und die Veranstalter bereits auf dem Schafott. Die durch die Medien geschürte Hysterie ist lässt offensichtlich die Tatsache bewusst ausser Acht, dass nahezu 100% jeglicher öffentlicher Veranstaltungen einen ähnlichen Verlauf hätte nehmen können. Jedes Bundesligaspiel, jede Konzertgrossveranstaltung, jedes PublicViewing ist diesem Risiko ausgesetzt. Nur weil es bisher gut gegangen ist lässt zumindest meiner Meinung nicht den Rückschluss zu, hier wären schlechtere Veranstalter am Werk gewesen. Jeder wollte dieses Fest, die Veranstalter, die Stadt und die Besucher - es ist wohlfeil, "DEN" Schuldigen finden zu wollen, alle tragen Mitschuld inkl. der Besucher.
B.
PS: Warte noch darauf, wenn der sich der OB entwender aufgehängt hat oder gelyncht wurde - dann herrscht hoffentlich wieder Zufriedenheit.
In den meisten Punkten, was die mediale Aufarbeitung, die Massenhysterie, die Hexenjagd und auch die Vorverurteilung angeht, gebe ich Dir gerne durchweg Recht.
Dennoch kann man diese Veranstaltung, in welcher bei der Organisation aus reiner Gewinnsucht und Gigantomie, ganz offensichtliche Fehler gemacht wurden, nicht mit anderen Massenveranstaltungen gleichsetzen. Man hat aus Sheffield und Heysel beim Fußball gelernt. Auch bei anderen Veranstaltungen, werden so etwas, wie Fluchtkorridore gewährleistet und es gibt Besucherbeschränkungen, Genehmigungsverfahren und weitere Sicherheitsauflagen. Niemand würde auf die Idee kommen, 140.0000 Zuschauer ins Weserstadion zu leiten, weil dann die Gewinne des Vereins höher ausfallen. Man muss sich an dieser Stelle natürlich einige Fragen stellen:
... wer war für das Genehmigungsverfahren zuständig?
... wer war zuständig für ein Sicherheitskonzept?
usw.
Jetzt muss analysiert werden, wer letzten Endes Verantwortung trägt. Das kann am Ende nicht nur an einer Person hängen bleiben, denn es haben, wie es ausschaut, gleich mehrere Stellen versagt. Der Masse an Zuschauern, auch jene, die rücksichtslos ins Gedränge stürzen, kann man keinerlei Verantwortung zuweisen. Das ist ein Massenphänomen, ein Gesellschaftsproblem und dafür sollte es bei einer solchen Veranstaltung Vorkehrungen geben. Auch der Veranstalter sollte nicht davon überrascht sein, dass plötzlich so viele Besucher aufgetaucht sind und dass dieser Menschenauflauf eine Eigendynamik annimmt.
Was mich am meisten nervt, ist das sofortige von-sich-weisen, jeglicher Schuld und Verantwortung. Wer sich am Ende im Erfolg sonnen will, muss auch den Schatten ertragen.
Der OB macht sich zudem mit der Aussage, er habe nichts genehmigt, zudem in höchst unseriöser Weise unglaubwürdig. Es geht nicht darum, jemanden zu lynchen. Es geht um Verantwortungsbewusstsein und Achtung, den Opfern gegenüber. Dass sie Opfer und nicht Täter sind, ist hoffentlich unbestritten.