"Man sollte fair gegenüber Allofs sein. Er war ein erstklassiger Manager, wurde dann bequem, hat Fehler gemacht, aber durch die Ausleihe von Sokratis gezeigt, dass er immer noch in der Lage ist, ausgezeichnete Spieler für relativ wenig Geld zu entdecken. Und nach wie vor vertritt er den Klub hervorragend nach Außen, auch wenn es derzeit natürlich Durchhalte-Parolen sind. Leider ist er nur ein Manager und mehr oder weniger pro forma der Vorsitzende der Geschäftsführung, weil er den Posten, den Born hatte, nicht auch noch ausfüllen kann.
Man tut Allofs unrecht, wenn man ihm das ankreidet, denn diese Posten brauchen auf dem Level, auf dem sich ein Profi-Verein bewegt, zwei Verantwortliche. Aber die mächtige Alianz im Rücken von Allofs wollte das jetzige Modell, weil ein schwacher Geschäftsführer ihnen ihre Macht im Verein sichert. Neu sichert, denn seit den Abgängen von Born und Müller wird Werder im Kern wieder wie ein e.V. geführt. Und dort bestimmt nicht Allofs das Handeln. So es ist kein Zufall, dass sich Werder wirtschaftlich sowie sportlich kontinuierlich verschlechtert, seit Born und Müller nicht mehr verantwortlich sind.
Ein starker Klub braucht eine starke, zeitgemäße Führung auf mehreren Schultern. Bei Werder ist sie nach innen zwar stark, aber nicht zeitgemäß, denn die entscheidenden Führungspersonen herrschen im Verein zusammen seit 30 über Jahren. Born und Müller schufen dazu ein gesundes Gegengewicht, zusammen mit Allofs als findiger Manager. Die drei haben sich vertraut und ihre Aufgaben-Bereiche effektiv aufgeteilt. Zusammen in einer Phase, in der Werder das Personal auf dem Rasen besaß, eine treibende Liga-Kraft zu sein, war der Verein auf dem besten Weg, sich dauerhaft als Top-Klub Deutschlands zu etablieren.
Aber durch die (nicht freiwilligen) Abgänge von Born und Müller fiel Werder zurück ins Jahr 1985, mit einem Trainer, der (als Mensch und Coach) auch nicht gerade für einen Aufbruch oder Umdenken steht, sondern das Kontinuierliche stets wie ein Mantra vor sich her trägt. Allofs weiß das - genauso wie andere, die bei Werder arbeiten. Und es gibt sogar Leute dort, die gerne etwas Grundsätzliches ändern würden, denen aber die Macht dazu feht. So wird beim Werder weiter gewurschtelt, weiter gemurkst und weiter gemauschelt, mit dem Glorifizieren der Vergangenheit. Wir leben aber in 2012. Mit zwei Siegen in der Rückrunde. Mit Führungs-Spielern, die sich offen dazu bekennen, den Verein verlassen zu wollen. Und einem Rumpel-Fußball, der nur noch ein Schatten dessen ist, was Werder noch vor wenigen Jahren auszeichnete."