Ich gebe nur das wieder, woran es (meines Erachtens) hapert, und so lange sich an diesem Defizit nichts ändert, werde ich den Finger in diese Wunde legen, auch wenn es hier manchem nicht paßt. Natürlich wird es dadurch nicht besser, aber schon im Altertum wurden die Überbringer schlechter Nachrichten gerichtet und nicht deren Verursacher. Denk mal drüber nach.
Ich bin davon ausgegangen, daß jedem bewußt ist, daß zur Leistung selbstverständlich auch die Einstellung gehört.
Du bist nicht nur "nebenbei" davon ausgegangen, Du kritisierst es gebetsmühlenartig fast schon als einzige und alleinige Ursache allen Übels.
Das erzählen alle Anhänger von Mannschaften, bei denen es gerade nicht läuft.
Hier wird ein eigentlich sehr komplexes Thema wie Psyche des Menschen verunglimpft, indem das, was bei Fussballern auf dem Rasen gut oder schlecht läuft, mit schlichter "Einstellung" oder "Charakter" erklärt wird. Für mich das übliche, undifferenzierte Gesabbel von Fans, die sich keinen Reim drauf machen können, die sich nicht im Geringsten die Mühe machen, nachzuvollziehen, warum die Mannschaft die eine Woche so und die andere Woche so spielt. Man glaubt auch noch, was von Defiziten zu wissen und den "Finger in die Wunde zu legen".
Der Last-Minute-Sieg gegen Hoffenheim hat ein wenig Selbstvertrauen zurückgegeben, welches im nächsten Spiel spätestens nach 7 Minuten wieder wegbrach. Dann kommt alles zusammen. Der zuvor noch spärliche Glaube in eigene Stärken verwandelt sich in reine Verkrampfung, der Wille weicht purer Versagensangst. Es werden die falschen Laufwege gewählt, Abstände nicht gehalten, Bälle verspringen, die normalerweise nicht verspringen, Pässe ungewollt ins Niemandsland, das Stellungsspiel und die Abstimmung klappt nicht.
Wie können Leute ungenügende Einstellung unterstellen und damit suggerieren, dass Spieler das so wollen oder absichtlich mit halber Kraft agieren? Wieso sollten Spieler die Saison, eigene Reputation, Erfolgserlebnisse mutwillig riskieren?
Wir reden hier von Problemen, die zwar psychischer Natur sind, aber keine "Einstellungssache" oder "Charakterfrage". Und deren Hauptursache im sportlichen Bereich liegt.
Schaaf schafft es nicht, eine Mannschaft auf dem Platz zusammenzustellen, die gegen einen defensiv diszipliniert auftretenden, konzentriert und konsequent agierenden Kontrahenten Gegenmaßnahmen findet, Ideen entwickelt. Und die Mannschaft schafft es nicht, über eigene Erkenntnisse und Erfahrungen zu Lösungen zu kommen, sie spult dann ein Pensum ab, welches sie immer abspult, versucht, das eigene Spiel durchzudrücken, statt der mangelnden Kreativität Sorge zu tragen und sich auf den Gegner einzustellen und folgerichtig zu reagieren. Dann hast Du im Ergebnis so ein grausames Spiel wie im RheinEnergie-Stadion mit zig % Ballbesitz ohne jegliche Effizienz und eine Truppe, die von Minute zu Minute mehr an sich selbst verzweifelt. Aber das hatte weniger mit "Einstellung" zu tun, denn mit manifestierter Ratlosigkeit, die Schritt für Schritt die ohnehin schon vorhandene Verunsicherung verschärfte. Eine Blockade im Kopf ist keine "Charakterfrage". Das Sein steuert das Bewusstsein, nicht umgekehrt. "Einstellungsprobleme" sind und das bestenfalls zu einem geringeren Prozentsatz - die Folge, nicht die Ursache. Nämlich dann, wenn bei Spielern das Visier gänzlich runterfällt, weil sie sich gegenseitig keinerlei Unterstützung zur Überwindung der Probleme geben können.
Gerade wenn man sich mit der Arbeit vom Trainer Schaaf auseinandersetzt, der Spielern viele Freiräume gewährt und auf deren Eigeninitiative setzt, auf die "Selbstentwicklung des Teamfussballs" und der es auf diese Weise noch immer geschafft hat, motivationstechnisch Spieler in die Bahn zu bringen, dann kann man nicht bspw. zu solch abstrusen Theorien gelangen wie "die Mannschaft spielt gegen den Trainer" und was hier noch so zu lesen war. Ein Team mit Spielertypen, die auf dem Platz nicht zusammen funktionieren, benötigt klare Vorgaben, ein strenges taktisches Gerüst. Aber das war noch nie das, was Schaaf wollte, es steht seiner Philosophie entgegen.
Die Alternativen sind a) Schaaf überdenkt seine Vorgehensweise oder b) ein neuer Trainer ändert die Taktik und vermittelt den Spielern neue Zuversicht.
Bei Realisierbarkeit ist a) zweifelsohne die bessere Lösung, zumal erstens Schaaf es schon öfter geschafft hat, mit diesen Mitteln die Kurve zu kriegen, wenn es hart auf hart kam und zweitens b) keine Erfolgsgarantie verspricht.