@Marble, @Karlotto
Wir liegen da, glaube ich, im grossen Ganzen nicht so weit auseinander. Nur die Erkenntnisse/Schlussfolgerungen decken sich nicht ganz.
Du unterschätzt Frings mMn und noch mehr die unterschiedlichen mannschaftlichen Voraussetzungen. Soll heißen, Du vergleichst Frings mit Baumann und Ernst, ohne die Mitspieler und Aufgaben Frings' mit denen der anderen beiden zu vergleichen.
Frings verfügt mMn sehr wohl über die von Dir genannten Fähigkeiten und mit Verlaub: er zeigt sie auch. Dass ein Frings anno 2010 mit einem Kindergarten Hunt-Özil-Marin-Bargfrede vor und neben sich nicht so agieren kann wie ein Baumann/Ernst......
Natürlich ist ein Vergleich TF mit Baumann/Ernst und dem damals vorhandenen Mannschaftsgefüge mit dem Mittelfeld, welches wir zur Zeit haben, nicht möglich. Doch um überhaupt Vergleichsmöglichkeiten zu haben, hilft meines Erachtens die Anlehnung und Orientierung an der Benchmark der früheren Mittelfeldkonstellation Ernst/Baumann/Lisztes/Micoud sukzessive der Betrachtung dieser ehemaligen Spieler im Einzelnen.
Zum Veranschaulichen dienen diese Eindrücke...
Zitat von Lothar Matthäus;1029550:
Frings spielt schon ausreichend den "einfachen Ball" - mal ein einfacher Querpass aus der Bedrängnis, mal der lange Vertikalpass, der in dieser Saison schon für einige Tore gesorgt hat und für unzählige für den Gegner gefährliche Situationen heraufbeschwor.
Völlig richtig. Doch genau darin liegt im Umkehrschluß der Unterschied - "Querpass aus der Bedrängnis" und "langer Vertikalpass". Baumi spielte oftmals, abgesehen davon, dass er meist nicht aus Bedrängnis spielen musste, weil er gut antizipierte und richtig im Raum stand, den öffnenden Diagonalball in die Zone, wo der Gegner gerade den Großteil seiner Mannschaft nicht hin verschoben hatte (Spielverlagerung in die Breite - Raumgewinn) oder aber ließ den Ball im Kurz-Pass, "One-Touch" laufen. TF hat diese Spielübersicht in der Regel nicht und ist zudem nur bedingt ein "One-Touch"-Akteur. Deswegen spielt er in Bedrängnis den "Sicherheits-Querpass" oder aber den direkten Ball in die Spitze. Mir persönlich ist das aus Sicht Ostkurve Oberrang desöfteren aufgefallen, wie Frings in Ballbesitz agiert, wenn er das Spiel vor sich hat.
Es ist auch nicht so, dass ihm diese Fähigkeiten generell abgehen, gegen Valencia bspw. gelang ihm ein paar Mal das Überraschungsmoment, als er Marin einsetzte. Gegen Hamburg auch, als er Fritz vor dem Tor einsetzte, allerdings war es da die einzig sinnvolle Option. Zu oft sind es aber ein oder zwei Zwischenschritte mit Ball, was Tempo und Zeit kostet, wo er die Lage erst "erörtern muss". Ein echter Sechser, besonders der im Rautensystem, sollte - im Idealfall - schon einen Plan haben, wie er den Angriff fortführen will, bevor er den Ball hat. Genau das konnte Baumann.
Ich sehe Frings Qualitäten auf anderen Ebenen - im abgezockten Spiel gegen den Ball, im direkten Zweikampf, als Antreiber, als Leader
ist er eine Klasse für sich und unverzichtbar - und deswegen auch als idealen Halbpositionsspieler.
Was Werder aber fehlt, das zeigte sich nun mMn auch in dieser Saison mehrfach, ist strukturiertes und schnelles Spiel, die Fähigkeit, das Spielfeld bei Ballbesitz groß zu machen, eben die Möglichkeiten, Ball und Gegner zum eigenen Nutzen laufen zu lassen. Besonders auffällig gegen destruktiv orientierte Teams, die nur ein einfaches Konzept haben, dies aber gut umsetzen, indem sie Ordnung und Raumaufteilung halten, geschickt verschieben, viel laufen und nach Balleroberung den vorhandenen Raum nutzen, den Werder durch die komplizierte und umständliche Spielweise gewährt.
Das liegt natürlich zum Großteil am verspielten Gekicke der Fummelbubies, andererseits aber auch insgesamt am vorhandenen Spielermaterial. Für mich bleibt daher nur der Schluß, dass es uns eindeutig an Strategen mit gewisser Spielintelligenz mangelt.
Das 4-2-3-1 war äußerst effektiv und in der Spielanlage anders, als die klassische Raute, was einen anderen Spielertyp beansprucht. Insofern ist Thomas Schaaf mit der Systemumstellung, auch hier dem vorhandenen Personal deutlichst entgegengekommen.
Sehe ich ganz genau so. Das 4-2-3-1 war aber vor allem deshalb "äußerst effektiv", weil so die Mängel an Struktur, Raumaufteilung und - beherrschung durch Quantität und angemessenere Spielausrichtung ausgeglichen werden konnten.
... mit einem Mittelfeld, dass auf einem gewichtigen 10er wie Micoud oder Diego beruht, sollte aber dann doch schon klar sein.
Klar ist vor allem, dass es ein "gewichtiger" Unterschied ist, ob der 10er Micoud oder Diego heisst. Weil hier eine völlig unterschiedliche Spielauffassung auf dem Platz für völlig unterschiedliche Umsetzung einer Spielphilosophie verantwortlich zeichnete. Gerade Diego war mit ein Grund, dass Baumann`s oben genannte Fähigkeiten - schnelle Eröffnung/verlagerung, raumgreifendes Spiel - gewissermaßen durch den 10er antagonisiert wurden. Was wiederrum viele hier bei oberflächlicher Betrachtung falsch schlussfolgern ließ, dass sich Baumann abgenutzt hatte, zu langsam sei etc.
Wobei ich mich gerade frage, ob Ernst hier nicht zu mehr gemacht wird, als er je war. Denn die Fähigkeiten, die Du Baumann zuschreibst und Frings teilweise absprichst - bei Ernst habe ich die nie so gesehen.
Ich schon. Von 2003 bis 2005 und teilweise auch davor spielte Ernst aus meiner Sicht auf internationalem Top-Niveau und gehörte zu den Besten auf seiner Position. Ein One-Touch Spieler mit herausragendem Spielverständnis, defensiv-taktisch ungemein wertvoll.
Zitat von Lothar Matthäus;1033772:
Man sollte aufhören, Frings ständig in irgendeine Schublade stecken zu wollen.

Wer macht das? Schublade....? Es geht doch um Beurteilung der Fähigkeiten, oder? Dass er diese optimal abgerufen hat, ist gar keine Frage.
Was der Mann diese Saison geleistet hat, in diesem Bubi-MF, die Mannschaft zu führen, Stabilität zu verleihen, auf den Punkt genau da zu sein, ist wirklich imponierend. Viele hier haben ihn schon abgeschrieben - dazu diese Löw-Farce, die ihm sicherlich, als besonders ehrgeizigen Menschen, in seinem Selbstverständnis, als Führungsspieler, nicht unberührt ließen. Sich da innerhalb weniger Wochen wieder heraus zu winden und wieder zu DER Figur im Bremer Spieler zu werden: Respekt.
Aber in diesem Moment: Geschenkt. Wir sind Dritter. Das ist einfach nur geil und was TS in dieser Saison geleistet hat, ist nicht fehlerlos, aber phänomenal.
Aber wie wir letztlich den Aderlass, die Ausfälle und die Formtief´s überwunden haben, nötigt mir größten Respekt ab.
Ganz klar.
Lasst uns einfach mal zufrieden sein, mit dem, was wir haben. Wer jetzt noch von einer eher mauen Saison spricht, hat nicht alle Nadeln an der Tanne.
Wer sollte denn nicht zufrieden sein?
Von "mau" kann wohl keine Rede sein. Es ist sehr viel mehr richtig als falsch gelaufen, das ohne Frage. Nur wird/muss es für KATS sowie alle Beteiligten nun darum gehen, sich dem anzunehmen, was falsch gelaufen ist.
2008 hatten wir eine ähnliche Ausgangslage. Der übliche Fehlstart nach der Winterpause, nach Punktgleichheit mit den Bayern auf Platz 2 zu Weihnachten kam innerhalb von zwei Monaten der Rückfall auf Platz 6. Viele Kontergegentore, eine nicht funktionierende Raute. Dann schieden wir im UEFA-Cup relativ zeitig gegen Glasgow aus (wie diesmal gegen Valencia) und konnten im Saison-Schlusspurt, auch begünstigt durch einbrechende Schalker und Hamburger (so wie diesmal Leverkusen), noch Platz 2 holen. Alle schüttelten sich die Hände, wer warnte, hatte "nicht alle Nadeln an der Tanne". Die Quintessenz dessen war der Saisonverlauf 2008/2009. Nun geht es darum, dass die Saison 2010/11 kein Remake der Saison 2008/2009 wird.
OT: @Karlotto
...hast Du am 15.05. Deinen alten Namen wieder? Damit der Typ endlich aus dem Werder-Forum verschwindet...
