Wenn Born das getan hat, was ihm vorgworfen wird, hätte er auf gar keinen Fall seine Arbeit für Werder fortsetzen können. Es scheint ihm zur Zeit - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich zu sein zu beweisen, dass er zwar Geld erhalten hat, dieses aber nicht aus Geschäften stammte, bei denen Werder Schaden genommen hat. Insofern ist sein Rücktritt ein kosequenter und richter Schritt. Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe haltlos waren, verdient er umso mehr Respekt für seinen heutigen Entschluss, da er dann uneigennützig allein im Interesse unseres Vereins gehandelt hat.
Hier wird viel von einem Image-Schaden geredet, der durch sein Verhalten entstanden sein soll. Einen solchen sehe ich nicht.
Ein Image-Problem entsteht einem Unternehmen, wenn durch Fehlverhalten von Verantwortlichen anderen ein Schaden entstanden ist, wenn also zB ein Pharmaunternehmen schädigende Medikamente herstellt oder dilletantische Bänker das Vermögen von Anlegern verzocken.
Hier aber soll ein Verantwortlicher etwas getan haben, durch das dem Verein Gelder entzogen wurden. Andere haben keinen Schaden davongetragen.
Ein Image-Schaden wäre dann da, wenn Werder Sponsoren verlieren würde. Diese Gefahr sehe ich nicht; Sponsoren sind vornehmlich am sportlichen Erfolg interessiert, denn von diesem hängt es ab, wieviele Minuten ihre Werbung im Fernsehen zu sehen sein wird.
Ein Image-Schaden wäre auch dann da, wenn Spieler von einem Wechsel zu Werder absehen würden, da der Verein ein zu schlechtes Image hat. Auch dieses Riskio besteht meiner Meinung nach nicht. Ob ein Spieler sich dazu entschließt, sich das grün-weiße Trikot überstreifen, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: seiner persönlichen sportlichen Perspektive und, vermutlich sogar wesentlicher, von finanziellen Erwägungen. Wie sonst wäre zu erklären, dass noch immer Spieler für Juventus Turin auflaufen? Einen Verein, dessen Verantworliche nachweislich wesentlich verwerflichere Dinge getan haben als das, was Born vorgeworfen wird.
Sicher wird das Thema Born noch für einige Zeit für Schlagzeilen sorgen. Aber wie lange das sein, kann keiner voraussagen. Die heutige Medienlandschaft ist extrem schnelllebig. Würde beispielsweise übermorgen der FC Bayern Klinsi vor die Tür setzen, wäre ab diesem Moment das Thema Born allenfalls noch eine Randnotiz.
Nur ein Beispiel aus jüngster Zeit (auch wenn es nichts mit Fußball zu tun hat). Der Einsturz des Archivs in Köln. Tagelang ein Topthema. Und die Meldung, dass der Leichnam des zweiten Vermissten geborgen wurde, ging heute angesichts der unfassbaren Ereignisse in Winnenden ziemlich unter. Und auch die Berichterstattung um den Attentäter, seinen Hintergrund, um Lösungsansätze, wird irgendwann in den Hintergrund gedrängt werden. Wie so viele andere Themen auch. Oder wann hat das letzte Mal einer was von BSE oder der Vogelgrippe gehört? Und zu beiden Themen gibt es an sich immer wieder neue Erkenntnisse mit Nachrichtenwert.
Aber ich schweife ab.
Ich hoffe noch immer, dass Born sich nicht zu Lasten Werders bereichert hat. Ob es ihm gelingen wird, dies zu beweisen (auch wenn es ja angesichts der Unschuldsvermutung anders herum sein müsste) bezweifle ich allerdings immer mehr.