Beobachte – höchst amüsiert – diese Diskussion und denke mir meinen Teil. Ist Euch btw schon aufgefallen, dass auf den letzten Seiten überwiegend ziemlich privilegierte Herren diskutiert haben? Frage für ein:e Freund:in. *duw*
Das war exakt mein Gedanke
@FatTony - es geht natürlich nicht um binäre Geschlechter, aber da ich eine Frau bin, kann ich "nur" aus dieser Perspektive heraus konkret zu der Diskussion beitragen...
Stichwort Umfragen - wie schon von einigen hier angesprochen ist aus meiner Sicht die Fragestellung entscheidend. Ich lehne Gendern um jeden Preis/auf Teufel komm raus ab. Dennoch würde ich bei einer simplen Schwarz-Weiß-Frage, ob ich pro oder contra Gendern bin, mit "pro" antworten, denn ich befürworte es, solange es ohne größeren Aufwand und ohne erhebliche Beeinträchtigung der geschriebenen und gesprochenen Sprache möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist "pro" für mich eher zutreffend als "contra'". Diese Wertung mag jedoch für andere, die ebenfalls nicht komplett dagegen sind, anders ausfallen. Eine platte Umfrage pro/contra finde ich daher nicht zielführend oder aussagekräftig, egal, ob über Civey oder anderswo.
Stichwort "Vorleben ist wichtiger als Sprache ändern". Hier stimme ich zu, allerdings heißt das nicht automatisch, dass Sprache ändern überflüssig ist. Sprache ändern führt aus meiner Sicht mit der Zeit zu einer Änderung der Wahrnehmung, und das ist nach wie vor dringend notwendig. Konkretes Beispiel: Ich bin im Energiesektor tätig, und das ist nach wie vor eine Männerdomäne. Vor einigen Wochen auf einer Fachmesse war ich in sämtlichen Kundengesprächen an beiden Tagen die einzige Frau, und in einer Runde aus > 30 Personen zum fachlichen Austausch gab es neben mir noch genau eine weitere Frau. Genau deshalb ist mir tatsächlich dort, wo es möglich ist, gerade im beruflichen Kontext das Gendern wichtig, damit die wenigen Frauen in der Branche stärker wahrgenommen werden. Ich möchte nicht als "Kollege" oder "Mitarbeiter" angesprochen werden, weil das schon immer so war, oder weil es einfacher ist oder warum auch immer. Sich davon zu verabschieden, ist - grundsätzlich, nicht nur in meiner Branche - überfällig und problemlos möglich. Und ich möchte auch keinen männlichen Titel in meiner E-Mail-Signatur, auf meiner Visitenkarte oder in meiner Stellenbeschreibung. Wann immer das Unternehmensvorgabe war, habe ich mich sehr bewusst darüber hinweg gesetzt. Wo ist z. B. das Problem mit "Managerin", "Vorständin", Aufsichtsrätin" oder Ähnlichem? Sollte jemand diese Haltung und den Wunsch, ausdrücklich als Frau angesprochen zu werden, überzogen finden, ist mir das herzlich egal.
Sobald ich weiß, dass jemand queer ist und auf eine bestimmte Weise angesprochen werden möchte, ist es für mich selbstverständlich, das zu berücksichtigen. Das ist aber natürlich auf den ersten Blick anders als Männlein/Weiblein nicht erkennbar und bedarf einer aktiven Kommunikation. Allein aus diesem Grund fokussiert sich die Diskussion aus meiner Sicht vorwiegend auf Männlein/Weiblein, obwohl sie komplexer sein müsste.