Es ist noch gar nicht so lange her, dass hier darüber schwadroniert wurde, dass Europa das Pflichtziel für diese Saison sei. Mahnende Worte, dass dies überambitioniert ist, wurden lapidar abgewunken. Spätestens mit der heutigen Heimpleite sollte es jedoch offensichtlich sein, wie unrealistisch diese hier geäußerte Zielvorgabe war/ist. Denn Werder befindet sich in einem personellen und spielerischen Umbruch, in dem es gänzlich nicht auszuschließen war bzw. ist, dass Höhen und Tiefen sich die Klinke in nicht nur möglicherweise in die Hand geben können, sondern dass das sogar sehr wahrscheinlich ist.
Quod erat demonstrandum!
Somit geht unser Blick, wie zu erwarten war, vorerst wieder nach unten. Der heutige Auftritt war ein Spiegelbild, welches wir auch schon aus vorherigen Saisons kannten. Erst machen trotz guter Chancen die Tore nicht, um dann selber welche zu kassieren. Wobei das heutige Spiel zweifelsfrei einen Tiefpunkt darstellt, der wie von
@syker1983 dargestellt sehr an das 0:5 gegen Mainz vor 6 Jahren erinnerte. Sogar fast auf den Tag genau, am 17.12.19. Es bleibt zu hoffen, dass anders als die Vorgänger die aktuelle sportliche Leitung (CF - war seinerzeit Scouting-Leiter und hat vermutlich intern einiges davon mitbekommen - PN, HS) und die Mannschaft mit sich und ihrem Wirken in medias res gehen, und die erforderlichen Lehren daraus ziehen. Denn aus Fehlern zu lernen, ist stets ein Teil der Entwicklung; im Profi-Fußball ebenso wie z.B. in unseren Berufen und Privatleben. Diesen Kredit sollte man ihnen trotz des heutigen Tiefschlags gewähren.
Es stellt sich jedoch auch die Frage, inwieweit das Gesamtkonstrukt Werder Bremen aus den Fehlern der jüngeren Vergangenheit gelernt hat. Oder muss ggf. formuliert werden:
inwieweit bereit zum Lernen aus den eigenen Fehlern war bzw. ist? Denn auch in der vierten (!!!!) Saison nach dem Wiederaufstieg hat es Werder Bremen nicht geschafft, durch signifikante Transfererlöse den finanziellen Handlungsspielraum zu verbessern. Trotz der ca. 24 Mio. € für Füllkrug und Gruev im Sommer 2023. Trotz der Anteilskäufe von Baumann & Co. Trotz der sportlichen Erfolge in den beiden letzten Saisons. Und somit eine neue, im Vergleich zu Bankkrediten deutlich höhere verzinste Anleihe emittiert werden musste, bei der CEO Filbry (weil die Banken trotz des der veräußerten Anteile und dem damit gestiegenen Eigenkapital keine weiteren Kredite gewährten?) krampfhaft versuchte, diese als Erfolg zu verkaufen. Und somit ließ das Transferbudget in diesem Sommer außer der 10 Mio. € Mbangula nur noch Geld für Leihen übrig. Diese können gerade in Zeiten eines Umbruches in Einzelfällen sportlich hilfreich sein (die etwas Älteren werden sich z.B. vermutlich noch an Júlio César 1999/2000 erinnern). Aber wenn diese Leihen aus Geldmangel das numerische Gros der Transferaktivitäten bilden, dann konterkariert das die Bemühungen, im Rahmen eines Umbruches eine eingespielte und wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen, erheblich. Und trägt somit auch einen maßgeblichen Anteil zu den Negativentwicklungen der letzten Wochen, einschließlich des Desasters am heutigen Abend, bei.