Das aggressive Pressing, was wir zu Beginn beider Liga-Spiele bisher gesehen haben, ist extrem kraftraubend und kann, auch bei niedrigeren Temperaturen als gestern, nicht lange durchgehalten werden. Es ist kaum anzunehmen, dass in diesen Phasen des aggressiven Anlaufens immer auch ein, besser gar ein mehrfacher eigener Torerfolg gelingt. Auch wenn man sich als Mannschaft mit dieser Aggressivität beim Gegner zunächst mal Respekt verschafft, müssen auch andere Varianten im Spiel erfolgreich funktionieren, z.B. das Umschaltspiel.
Gerade diese Variante ist nach bisherigen Eindrücken bei Werder stark ausbaufähig. Es fehlt der Taktgeber im Mittelfeld. Ob Stage das kann, wenn er vollständig ins Spiel integriert ist? Oder Gruev, wenn er es sich irgendwann selbst zutraut? Am ehesten wohl Romano Schmid, dessen Spielübersicht ich gestern schon ein wenig vermisst habe, weil sie in Werders restlichem Kader eher rar gesät ist.
Ducksch und Füllkrug bringen für Konterfussball sicher nicht die idealen Voraussetzungen mit, mit Burke und Dinkci könnte in Sachen Tempo aber etwas gehen. Wir brauchen in einem Spiel und erst recht im Laufe der Saison also mehrere Elemente des Fußballs. Hier kann Ole Werner von mir aus auch gern früh innerhalb eines Spiels reagieren.
Nach zwei ungeschlagenen Spielen in der 1. Liga zum Saisonstart sollten wir nun in der Beletage angekommen sein. Die Anfangs-Unsicherheit über die eigene Qualität dürfte sich zunächst mal gelegt haben. Das Spiel in Dortmund ist eines, bei dem Werder nur gewinnen kann. Hier gilt es, einen klaren Matchplan zu konstruieren, ihn abzuarbeiten und am Ende zu schauen, was dabei herum gekommen ist. Es gilt, hinten sicher zu stehen, den Gegner durch gesunde Aggressivtät zu nerven und nach vorn Nadelstiche zu setzen, durch erfolgreiches Umschaltspiel. Vielleicht sehen wir Burke in Dortmund eher als zur 80. Minute?
Im Vergleich zu Kohfeldtschem Bus-Parken vor dem eigenen Tor wie in der Abstiegs-Saison blicke ich bei unserem aktuellen Spielsystem deutlich hoffnungsvoller in die Zukunft, bzw. auf den weiteren Saisonverlauf. Ich denke, dass sich die Mannschaft unter Wettkampfbedingungen spielerisch kontinuierlich verbessern kann und wird.
Packen wir es an.