Werder hat es nicht nur in dieser Saison nicht geschafft, nach einem Rückstand zu gewinnen; ein solcher Erfolg gelang uns zuletzt am 08.03.2019 (4:2 vs. Schalke).
Werder hat ein oft auftretendes, signifikantes Mentalitätsproblem.
Denn seit dem Abschied von Kruse und Bargfrede (wenn er denn mal spielen konnte) fehlt es an Häuptlingen, die in der Lage sind, die Ärmel hochzukrempeln, den Kollegen Sicherheit zu geben, sie mitzureißen und wenn erforderlich auch mal einen verbalen Tritt in den Hintern zu geben. Wir haben zwar liebe nette Jungs im Kader, aber solche Alphatiere werden darin vergeblich gesucht. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass es teamintern an ausreichend positiver Reibung fehlt. Dieser Kader ist letztlich ein Spiegelbild von dem Ideal der Werder-Familie: wichtig ist, dass die Harmonie stimmt.
Dieses spiegelt sich auch im Zweikampfverhalten wieder. Auch gestern war erneut im Spieltagsthread zu lesen, dass der Gegner körperlich hinlangt. Zweikämpfe auch am Rande des Erlaubten gehören zum Fußball nun einmal dazu. Doch unsere Jungs wehren sich zu wenig; v.a. deshalb, weil wir über keine Spieler mehr verfügen, die dem Gegner signalisieren, dass das Näherkommen an unserem Strafraum Schmerzen zur Folge haben kann. Das wissen die Gegner selbstverständlich auch, so dass sie unseren Spielern mit gesunder und ggf. darüber hinaus gehender Härte den Respekt einflößen, zu dem wir mangels dahingehender Qualität nicht in der Lage sind.
Damit schließt sich wieder der Kreis, denn wenn uns sowohl die spielerischen als auch die kämpferischen Mittel fehlen, einen Rückstand umzubiegen, wie soll es dann gelingen? Dass wir seit nunmehr fast 2 Jahren nach einem Rückstand kein Liga-Spiel nicht mehr gewonnen haben, ist kein Zufall, Pech oder dgl.