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Wir Werder-Fans haben in diesem Jahrzehnt schon zahlreiche Tiefpunkte erdulden müssen, aber dieser blutleere Auftritt gestern war eines der besonders desaströsen in dieser Dekade - und die größte Enttäuschung in der Ära FK. Nein, es ist wahrlich nicht die alleinige Schuld des Trainers, dennoch muß die Frage erlaubt sein, wo ist der "Zauber" von FK hin? Das, was die Mannschaft in dieser Saison bisher überwiegend geboten hat, ist unterem Strich genau so miserabel, wie unter seinen Vorgängern. Sicher, das Spiel mit dem Ball ist im Vergleich dazu besser geworden, aber Fußball zählen nun einmal Ergebnisse und nicht Erlebnisse. Vor dem gestrigen Match hatte FK - wieder einmal - markige Worte in Form der Forderung von "Galligkeit, Konsequenz und Gier" gefunden und - wieder einmal - hat die Mannschaft entsprechende Taten vermissen lassen. Diese Häufung an Wiederholungen lassen sich nicht mehr mit schlechter Tagesform beschönigen, es ist ein grundlegendes Problem, worin es auch immer begründet sein mag.
Wo ist der FK, der zu Beginn seiner Amtzeit durch Akrebie in seinen Analysen und Entscheidungen meistens richtig lag und bei der Aufstellung keine Rücksicht auf Namen bzw. etwaigen Sympathiewerten nahm? Wo ist der FK, der bei Spielern und Fans ein immens großes Feuer der Leidenschaft entfachte und Begeisterung auslöste? Wo ist der FK, der für Werder vollkommen atypsich den Austausch mit dem Profi-Tennistrainer Jan de Witt sowie den Sportpsychologen Andreas Marlovits suchte, um sich Einblicke aus anderen Perspektiven zu schaffen, Selbstreflextion und Selbstkritik vorlebte und auch damit die hier verkrusteten Strukturen aufbrach? Wo ist der FK, dessen v.g. Leistungen Anerkennung fanden und ihm zum Trainer des Jahres 2018 kürten? Von diesem FK ist leider nicht mehr viel zu sehen, denn sowohl in seinen Denk- und Handlungsweisen als auch im Tabellenstand ähnelt er immer mehr einem TS in seinen letzten 3 Jahren als Werder-Trainer - mit dem er nach eigener Aussage im regen Austusch steht...
Bei dieser erneuten sportlichen Misere stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Wirken des SpoDi FB. Dieser ist seit nunmehr 3,5 Jahren im Amt, doch trotz aller (in seiner langjährigen Werder-Vergangenheit begründeten) Vorschußlorbeeren ist es auch ihm nicht gelungen, Werder nachhaltig weiterzuentwickeln, denn wir stehen tabellarisch wie visuell ähnlich schlecht da, wie bei seiner Amtsübernahme Ende Mai 2016, bzw. in diesem kurzen Zeitfenster FK bereits "sein" 3. Coach ist, der einen jähen Absturz hinlegt. Das ist kein Zufall mehr.
Einen nicht unerheblichen Anteil daran haben die verheerenden Transfers in diesem Sommer: Bittencourt ist der einzige Lichtblick, aber der Rest? Lang hat gerade einmal 4 Buli-Spiele absolviert, Topraks Notenschnitt (kicker) ist noch schlechter als der von Friedl, obwohl dieser als LV einige bedenkliche Auftritte hatte und Füllkrug kennt das Reha-Zentrum besser als den Trainingsplatz. Und damit sind wir auch schon beim Kardinalsfehler in dieser Sommer-TP: mit den Verpflichtungen von Füllkrug, Toprak und Bittencourt wurden gleich 3 Spieler mit einer hohen Anfälligkeit für langwierige Verletzungen geholt, so daß sich deren Zahl im erweiterten Stammkader auf 8(!) erhöhte. Daß uns zu Saionbeginn 11 Spieler verletzungsbedingt fehlten, lässt sich mit dem Wort "Pech" blumig beschönigen, doch unter der Berücksichtigung, daß unter diesen 11 Ausfällen 7 Spieler waren, die schon vorher 200 bis weit über 1000 verletzungsbedingte Fehltage in ihren Akten stehen hatten, kann dies kein Pech oder Zufall mehr sein.Und wie reagiert FB darauf in einem Zeitungsinterview? Er erklärt, daß er diese Risiken bewusst in Kauf nimmit und brüstet sich dabei damit, daß er 2 Spieler entgegen des ärztlichen Rats verpflichtet hätte und diese unverletzt blieben. Ganz abgesehen davon, daß das die für Werder typische Es-wird-schon-irgendwie-gut-gehen- bzw. Selbstzufriedensheit-Mentalität ist, klingt eine solche Äußerung wie die eines Bengels, der auch noch stolz darauf ist, den Lieblingspuppen seiner kleinen Schwester die Haare abgeschnitten zu haben.
Für Werder geht es wie schon so oft in diesem in Kürze beendeten Jahrzehnt wieder einmal ums nackte Überleben in der 1. Liga. Doch um im diesen Abstiegskampf zu bestehen, muß dieser auch angenommen werden, statt diesen totzuschweigen bzw. sich für zu gut für den Abstieg zu halten. Mit einer solch von Verantwortlichen und Spielern vorgelebten Selbstgefälligkeit hat es schon für etliche Clubs ein böses Erwachen in der 2. Liga gegeben, zuletzt beim VfB Stuttgart. Und solange man bei Werder diesen Abstiegskampf nicht annimmt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß wir die nächsten sein könnten.
Doch selbst mit einem Klassenerhalt wäre es alleine auch nicht getan. Denn dieses seit den 1970er Jahren schlimmste Werder-Jahrzehnt hat leider gezeigt, daß die vollzogenen Maßnahmen nur einen ambulanten Charakter hatten, d.h. daß hier Grundsätzliches schief läuft. Eine lange Suche nach den Ursachen dafür ist nun wahrlich nicht nötig, denn Werder isoliert sich vor den Entwicklungen / Anforderungen des Fußballs sowie dem Input von Außen - wie (Vorsicht Satire) Nordkorea vor der Weltgemeinschaft - und suhlt sich dabei wohlig im eigenen Saft von offensivem Markenkern, Selbstüberschätzung und Betriebsblindheit. Das ist - auch wenn sicherlich nicht alles hier schlecht ist - gerade in dem sich immer mehr globalisierenden Fußballgeschäft das Schaufeln des eigenen Grabes.