Es liegt nicht am Trainer, da leg ich mich definitiv fest...
Da muss ich - so wie du es schreibst widersprechen. Der Trainer ist in alle Abläufe eingebunden und ist für das was auf dem Platz geschieht entscheidend mitverantwortlich. Dass er auch ein Stück weit die Fehler anderer mit ausbügeln muss steht natürlich außer Frage.
Kohfeldt kam für die Werderverantwortlichen sehr gelegen (man hat ihn ja auch immer als absoluten Glücksgriff betitelt) denn man sah in ihm von der Spielphilosophie her einen Schaaf 2.0.
Entsprechend meinte man, alte nostalgische Zeiten wieder aufleben lassen zu können, hat ihn langfristig an den Verein gebunden und tief in Entscheidungsprozesse eingebunden. In Anlehnung an das Gespann Schaaf/Allofs, dem man eine enge Zusammenarbeit nachgesagt hat, hat man Kohfeldt bei den Transfers stark einbezogen. Kohfeldt hat im Gegenzug frische Impulse in den Verein eingebracht, hat Selbstbewusstsein zu einem Teil der Werder DNA erklärt und es schien erstmal alles zu funktionieren. Wenn man jedoch überlegt, warum das ganze so nicht funktionieren kann, hat man Schwierigkeiten, das an einer Hand abzuzählen:
Das geht schon damit los, dass eine spielstarke, selbstbewusste Mannschaft bei Werder eher dazu geführt hat, dass man dem Größenwahn verfallen ist. Man ist davon abgerückt, Spieler wie Rashica zu finden und besser zu machen und hat seinen Fokus auf "erfahrene Bundesligaspieler" gelegt, ohne vor lauter Betriebsblindheit zu merken, dass man sich da bestenfalls Mittelmaß ohne Entwicklungspotenzial eingekauft hat, zulasten von Altersstruktur, Transfererlösen und Gehaltsgefüge (was selbstverständlich auch nen Einfluss auf die Teamchemie hat) und hat sogar schon Vorgriffe in Form von Leihen + KO. gemacht, ohne dass dadurch ein Qualitätszuwachs erzielt wurde. Ein STück weit ein Rückfall in alte Zeiten. Baumann äußert stur, er würde jeden Spieler wieder kaufen...das alles überträgt sich natürlich auch irgendwann auf das Trainerteam und auf die Spieler...die sich nun ebenfalls für "zu gut für den Abstiegskampf" halten. Ein Spieler der die Mentalität mitbringt, da gegenzusteuern und das auch auf dem Platz verkörpert, der fehlt, weil man sich zu sehr auf andere Kriterien versteift hat (zudem noch auf Spieler wie Grujic, Henrichs......und Gregoritsch

).
Durch die fehlende klare Trennung der Aufgabenbereiche (Trainer/Sportdirektor) , in meinen Augen sehr unprofessionell, hat sich unsere Einkaufpolitik wie oben beschrieben nicht gerade zum Positiven verändert, gleichzeitig vergibt Kohfeldt voreilig Stammplatzgarantien an seine Wunschspieler und würde sich angreifbar machen, wenn er diese teuren Spieler auf die Bank setzen würde. Er kann kaum anders, als die Qualität der Mannschaft zu verteidigen denn er hat sie ja selbst mit zusammengestellt.
Durch die starke Bindung zum Verein, seine bodenständige Art und die extreme Wertschätzung , die man ihm entgegenbringt (inklusive der Mitgestaltung des Kaders, die ich sehr kritisch sehe) wird Kohfeld auch nicht im Ansatz auf die Idee kommen, die Ausrichtung des Klubs zu kritisieren, es wurde ja alles auf ihn zugeschnitten. Kohfeldt kann dem Verein nicht mehr ein neues Selbstverständnis einhauchen, er ist mittlerweile selbst fester Bestandteil des "Werder-Biotops" und trägt den eingeschlagenen Weg einerseits mit, andererseits fehlt im dadurch natürlich nun auch der Blick von außen.
Sehr schade ist es, dass Kohfeldt mit seiner offensiven Spielweise teilweise vollkommen ins Messer läuft, weil es verpasst wurde, ihm für die Saison frühzeitig genug fitte, bundesligataugliche Defensivspieler zur Verfügung zu stellen, die sich einspielen konnten. Man muss sich auch fragen, wie es sein kann, dass Werder trotz diverser Trainerwechsel mittlerweile seit etwa 10 Jahren eine Wohlfühloase für Spieler darstellt, wo die Mannschaft - das letzte Jahr mal ausgeklammert - nur ihr volles Potzenzial auf den Platz bringt, wenn es um die Vermeidung des Abstiegs geht. Denn der Gedanke, dass aus der Mannschaft heraus eine Motivation kommen muss, etwas zu erreichen und dass es nicht nur um die Abstiegsvermeidung gehen darf ist ja nicht grundverkehrt. Es sollte nur weniger zu blinden Vertrauensbekundungen führen sondern es muss eine leistungsförderne Atmosphäre geschaffen werden und dazu auch mal Leistung eingefordert und ein gesunder Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft gefördert werden. Da kann man Kohfeldt, auch wenn man ihm eine gewisse Unerfahrenheit zugestehen muss bei der Betrachtung nicht außen vor lassen (ich werde jetzt nicht genauer auf Kohfeldts Fehlentscheidungen eingehen, das wurde ja alles schon zurecht angesprochen).
Am Ende komme ich aber zu dem Schluss, dass letzlich seit dem Born-"Abgang" 2009 fast immer die gleichen Fehler gemacht werden. Man schmort im eigenen Saft, vernachlässigt die Defensive, wirtschaftet nicht nachhaltig bzw. reißt ein was man aufbaut, sowohl auf als auch neben dem Platz. Wenn es etwas besser läuft, hebt man ab...und es würde mich nicht wundern, wenn Kohfeldt als Ergebnis dieser seit vielen Jahre andauernden Stagnation der nächste Trainer ist, den man "verbrannt" hat und der seinen bis 2022 laufenden Vertrag nicht erfüllen wird. Symptomatisch ist, dass man teilweise gerade an seinen eigenen Bemühungen scheitert, mit einem Trainer langfristig zusammenzuarbeiten, weil man dort (TS+KA) so wie in nahezu jedem Bereich in der Vergangenheit lebt und versucht ein Erfolgsmodell zu kopieren, dass schon seit über 10 Jahren völlig überholt ist. Das zeigen die letzten Jahre dann doch sehr eindrucksvoll.