denn Stillstand ist gleich Rückschritt.
Ich weiß nicht, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich diese Floskel von dir schon mal gelesen habe
Mal was grundsätzliches: In einer gewissen Art und Weise gilt das für den Profi-Fussball ganz bestimmt. Klar gesagt: In einer gewissen Art und Weise, weil die Konkurrenz, die im Moment unseres Erfolges hinter uns ist, nicht schläft und versucht den Missstand wieder zu kitten. Aus diesem Grund muss man selbst immer weiter konzentriert arbeiten um die Nase vorne zu behalten. Soweit richtig.
Wenn ich aber deine Einlassungen bzgl diesem Satz immer wieder lese, du führst sie ja oft genug und ausführlich aus, dann hört es sich für mich eher so an wie: "Du darfst niemals mit dir zufrieden sein." Und dieses Denken halte ich in einem gewissen Rahmen für falsch. Klar gesagt: In einem gewissen Rahmen. Denn wenn du das Spielern und Funktionären und Trainern immer wieder um die Ohren wirfst in einer Bewertung, wird niemand in diesem Beruf glücklich. In diesem nicht und in keinem anderen Beruf der Welt, in dem man bewertet wird. Ich habe das selbst erlebt, als derjenige, der bewertet wurde als auch (und das tut mir heute noch leid) als jemand, der bewertet hat.
Es klingt bei dir nach dem Trainer/Vater, dessen Spieler/Sohn zwei Tore geschossen hat und nach dem Spiel fragt: "Du hättest auch 4 Tore schiessen können." Es klingt, wenn das Kind mit einer 2+ in Mathe nach Hause kommt nach: "Warum hast du keine 1?" Und wenn es dann die 1 nach Hause bringt, kommt der Satz: "Dann sorg dafür, dass die nächste auch eine 1 wird, ansonsten ist diese 1 nichts wert."
Zufriedenheit ist etwas sehr wichtiges im Leben. Und es MUSS den Spielern, den Trainern und den SpoDis dieser Welt von uns Fans auch gegönnt sein, mal zufrieden zu sein. Dass mal gelobt wird. Nicht selbstzufrieden. Aber ist es so schwer so schreiben, zu sagen oder zu denken: "Ja, das war gut. Ich bin zufrieden, ich bin glücklich." ohne im Nachgang sofort ein "aaaaaaaber das muss bestätigt werden und ausserdem könnte es auch noch besser gehen, und es wird in Zukunft auch besser werden MÜSSEN den Stillstand heißt Rückschritt." Das hat bei mir selbst ein wenig gedauert, bis ich dieses Denken mal hatte, und speziell mein Sohn hatte in Schulzeiten darunter zu leiden. Irgendwann hab ich eingesehen, dass er Fremdsprachen nicht mag, und dann war man eben mit einer 3 in Englisch zufrieden, weil ich wusste, besser wird es nicht. Mit dem Satz "Stillstand ist Rückschritt" hätte ich ihn kritisiert nachdem er im 12ten im English GK dann 4mal eine 3 geschrieben hatte. Aber ich war zufrieden, weil er sein Maximum erreicht hatte.
Der Spruch mag in gewisser Weise gelten, aber er wird mir viel zu oft, benutzt um eine gute Arbeit, die lobenswert ist, immer wieder zu hinterfragen. Wenn wir 3mal in Folge 5ter/6ter werden, wäre das ein toller Erfolg. Weil man weiß, dass es das Maximum ist. Wenn wir dreimal nacheinander 7-9. werden und man weiß, unsere Spieler haben alles gegeben und der Manager hat die bestmögliche Mannschaft für unsere Verhältnisse aufgestellt, dann ist man damit zufrieden.
Für mich ist ein Grund für Zufriedenheit, wenn jeder sein Maximum in die Wagschaale geworfen hat und das Bestmögliche erreicht hat. Sein "Bestes gegeben" hat. Und das jedes Mal. Deswegen hat der Spruch "Stillstand ist Rückschritt" für mich keine Allgemeingültigkeit, und er nutzt sich ab, je öfter man ihn liest und bringt. Und er ist ein Satz, mit dem man jede Euphorie, jede gute Leistung herabwürdigen und herabsetzen kann... spätestens nämlich, wenn man am Maximum angelangt ist, und selbst dieses Maximum immer wieder bestätigt. Er ist eine garantierte Unzufriedenheit.