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"Nicht mehr reibungslos" ist der schlimmste Euphemismus aller Zeiten in diesem Zusammenhang! Es geht seitdem nur noch um den Abstieg! Man ist wirtschaftlich von mehrjährigen Zweitligavereinen wie Mainz, Köln, Augsburg überrundet worden und hat es mit Mühe geschafft, die Klasse zu halten. Das Motto waren kurzfristige Leihen. Ansonsten war da weit und breit keine Reminiszenz aus der Zeit von Schaaf/Allofs....Keine guten Spieler waren mehr da, die Kassen waren leergeräumt. Und das lag nicht nur am Stadion (das das eine Fehlplanung war, habe ich nie bestritten - es ist aber IMO nicht die Hauptursache der seit Jahren grenzwertigen Situation).
Es ist ein Märchen, dass Spieler wie Mertesacker etc. "mal etwas Neues machen wollten".....Werder war auf deren Transfererlöse angewiesen. Und das auch, weil Allofs/Schaaf......(ja, Schaaf war bei den Transfers wohl gefragt worden und hängt mit drin, deswegen ist er einer der Architekten des Niedergangs) Spieler wie Sanogo, Elia etc. geholt haben, obwohl fast jeder Depp in der Lage gewesen ist, vorherzusagen, dass solche Experimente scheitern werden.
Und zusammengefasst: Es sind schon viele, die Bayern eine Zeit lang geärgert haben, wieder von der BL-Spitze verschwunden. Aber nicht jeder ehemalige Bayern-Konkurrent spielt danach nur noch gegen den Abstieg. Ohne wirtschaftlich und sportlich zu übertreiben: Mittelmaß wäre auch möglich. Von mehr rede ich nicht.
Warum es bei Frankfurt Probleme mit der Vereinsführung gab, kann ich dir nicht sagen. Nachdem was ich gelesen habe, haben Teile von GF und/oder AR die sportliche Leistung von Schaaf in Frage gestellt und so Unruhe in der Trainerfrage geschaffen, was angesichts des beschriebenen Saisonverlaufs absurd wäre. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, ist mir aber auch recht egal... Dass er in Hannover schuldlos war, habe ich nicht behauptet. Fakt ist, er hat den Verein am Boden übernommen und ihn dort auch wieder übergeben. Das war sicher nicht seine Trainersternstunde, reicht mir aber nicht, um seine sportliche Kompetenz anzuzweifeln, nachdem was er in Bremen und auch Frankfurt geleistet hat.
Du schreibst, die Kassen waren leergeräumt. Die Kassen wurden doch von KATS in den CL-Jahren überhaupt erst vollgemacht!!! Und zwar in genau dem Wissen, dass es nicht immer nur bergauf gehen kann. Warum sonst hat man auch nach Jahren der CL nie im zweistelligen Bereich eingekauft? Die gewachsene Anspruchshaltung hat dazu geführt, dass man auch 2-3 Jahre später noch Teilen des Kaders CL-Gehälter bezahlen (oder sie eben verkaufen) musste, ohne ebenjene Einnahmen zu haben. Die Transferpolitik mit Experimenten wie Arnautovic, Elia, Südamerika-Importen wie Alberto oder Wesley unterscheidet sich übrigens nicht im Grundsatz von den zuvor erfolgreichen Jahren. "Fast jeder Depp" wäre wahrscheinlich auch in der Lage gewesen, vorherzusagen, dass anderswo verrufene, aussortierte oder unbekannte Spieler wie Micoud, Diego, Özil, Ernst oder jetzt Kruse etc. scheitern werden..?
Werder hat in all den Jahren kaum einen fertigen Leistungsträger verpflichtet - bestenfalls Nationalspieler wie Klose und Mertesacker und den zweiten Pizarro würde ich so einordnen. Es waren immer Transfers, die gleichermaßen Chancen und Risiken brachten - lange ging das überwiegend gut, in den späten Jahren überwiegend schief. Die sinkende Qualität der Transfers wird ja häufig mit der erweiterten Verantwortlichkeit von Allofs als Vorsitzender der GF ab dem Jahr 2009 in Verbindung gebracht. Ich halte diese These für nicht ganz abwegig.
Im Übrigen spielen in den vergangenen Jahren 2/3 der Liga wiederkehrend gegen den Abstieg (UM den Abstieg spielt eigentlich nur der HSV), selbst finanzielle Schwergewichte wie Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg mussten sich zuletzt mal mit dem Thema auseinandersetzen. Alle Mittelklasseteams, mit denen Werder sich eigentlich messen möchte, schwanken innerhalb weniger Jahre irgendwo zwischen zweiter Liga und Euroleague (Köln, Mainz, Hertha, Augsburg, Hannover, usw.).
Bei Werder ist ganz sicher nicht alles richtig gelaufen seit 2010. Aber diese Schwarzmalerei, das Verkennen der sich ändernden Rahmenbedingungen und die teils absurde Polemik gegenüber den (ehemals) Handelnen ist manchmal schwer zu ertragen.
Um bei den explodierenden Transfer- und Gehaltssummen wirklich einen gesicherten Mehrwert zu bekommen, müsste Werder ein Vielfaches an Geld in die Hand nehmen. Woher das kommen soll, wenn schon gegen Wiesenhof als Sponsor und die "Kraft"kurve Sturm gelaufen wird, soll mir mal jemand verraten. Ansonsten muss man in der Transferpolitik halt kreativ bleiben und auch ein bisschen Glück haben. Wie vor diesem Hintergrund die Bewertung des Spielermaterials (ein paar Seiten früher) zu vertreten ist, weiß ich auch nicht. Klar ist Moisander nicht Mats Hummels und Bauer kein Kimmich - aber immerhin könnte ein gesunder Kruse bei Bayern spielen, vielleicht sieht Hoeneß das ja ähnlich und spendiert uns nächstes Jahr mal wieder 10 Mio. für die Bilanz. Die Ausbildung eigener Spieler in der Jugend und U23 ist da auch eine große Chance - die Durchlässigkeit durch eine übergreifende Spielphilosophie und eine bessere Ausbildung/Vernetzung der Trainer zu erhöhen, ist mit Sicherheit keine schlechte Idee.
Ich kann damit gut leben, dass Werder seiner selbst treu bleibt und das Rad nicht allzu groß dreht. Dann muss ich aber auch in Kauf nehmen, dass Europapokal ein langfristiges Ziel ist, welches man mal erreichen kann, das aber in schlechten Jahren auch in weite Ferne rückt.