Ob ein F1-Fahrzeug heute leichter zu fahren ist als vor 25 Jahren, kann ich nicht beurteilen, da ich weder damals noch heute so Ding gefahren bin. Damals hattest du andere Herausforderungen als heute. Du musstes bei 350 vielleicht die Hand von Lenker nehmen um zu schalten, dafür musste heute vor jeder Kurve die Bremsbalance verstellen, um optimal durchzukommen. Es verändert sich halt alles. Allerdings es daran festzumachen, dass Verstappen nun mit seinen 17 Lenzen schon ein F1 fahren kann, hielt ich von Anfang an für Blödsinn. Die Talentförderung hat sich doch auch massiv verändert. Selbst in der NASCAR werden die Rookies in den verschiedenen klassen von der Truckseries bis hin zum Cup auch immer jünger. Und da hast du halt noch vergleichsweise simple und antiquierte Technik, was ja auch den Reiz ausmacht.
Ich denke auch, dass Mercedes definitiv ein sehr starkes Chassis gebaut hat. Das wundert mich aber wenig. Letztlich baut man den Motor und kann bereits in dieser Zeit die ersten Entwürfe zum Chassis machen. Kennt die ungefähre Gewichtsverteilung, weiß um die Problemzonen etc. Zudem spielt die Elektronik eine zentrale Rolle, Einheitselektronik hin oder her, denke Mercedes hat hier enorme Vorteile durch die Erfahrungen aus der Entwicklung.
Diese Möglichkeiten hatten Ferrari und eben mit Abstrichen auch RBR. RBR hatte einen Haufen Mitarbeiter abgestellt, die bei Renault an der Entwicklung der neuen PU beteiligt waren. Umso lächerlicher ist eigentlich ihr ständiges Gejammer und Geschimpfe im Richtung Renault. Honda hat die PU ebenfalls mit McLaren zusammen entwickelt, konnte dabei sogar schon auf gewisse Erfahrenungswerte Seitens McLarens zurückgreifen und dennoch haben sie die Nummer bislang nicht zum Laufen bekommen.
Man darf auch nich vergessen, dass selbst vor den Regeländerungen es immer hieß, dass der Mercedesmotor der stärkste im Feld sei. Die Mercedes waren auch von Anfang an recht schnell, sie haben nur einen unglaublichen Reifenverschleiß gehabt, weshalb sie im Rennen immer wieder in Probleme kamen. Die Reifendiskussionen beschäftigten dann ja auch eine ganze Weile die Formel 1 inkl. des angeblich illegalen Tests von Mercedes.
Und so weit kann der Renault auch jetzt nicht weg sein, wenn ich mir eben anschaue, welche Topsspeeds die Torro-Rosso sowohl letzte Saison als auch jetzt iN Australien auf die Strecke bringen.
Für mich hat RBR schlicht die Zeiten verpennt. Sie waren stark in einer Zeit als die Motoren bis ans Limit entwickelt waren und die F1 zu einer reinen Aero-Formel geworden war. Da hatten sie eben mit Newey den mit Abstand besten Designer, bewegten sich dabei aber auch nicht selten im Grau- oder gar im Schwarzbereich. Letztendlich baute Newey auch das 2014er Auto aerodynamisch an die Grenzn bzw. über die Grenzen hinaus. Daher hatten sie ja bei den Wintertests 2014 so erhebliche Probleme. Sie haben die neue Technik, insbesondere die Kühlung nicht verstanden. Dann hat man das Auto ein wenig umgebaut und war in Australien 2014 eigentlich recht ordentlich unterwegs. Ricciardo ist ja aufs Podium gefahren, wurde allerdings wegen des zu hohen Benzindurchflusses disqualifiziert.
Was ich aber strak bezweifle, ist, dass man Bei RB/Renault die Eier geschaukelt hat. Das Reglement hinsichtlich der Veränderungen ist recht schwierig und ich gehe davon aus, dass man einfach keine andere Möglichkeit hatte
Das mit den Eiern war ein Anspielung auf die Aussagen Seitens RBRs zu Zeiten von deren Dominanz. Ich meine es war sogar Vettel, der den Spruch brachte, dass man RBR eben hart arbeiten würde, während die anderen die Eier in den Pool hängen würden.
Das aktuelle Reglement lässt doch Entwicklungen an der PU zu. Zwar eingeschränkt, aber das war ja so gewollt, weil man eine Kostenreduzierung erreichen wollte. Ferrari hat vorgemacht wie es geht. Der 2015er Ferrari war in Australien schneller unterwegs als der 2014er Mercedes. Auch das Ergebnis von Nasr in Sauber bestätigt dies.
Ich kann den Ärger von Marko deshalb gut verstehen. Natürlich war das allen klar. Aber es ist auch klar, dass kein Rennstall Bock hat einen dreistelligen Millionenbetrag zu investieren in dem Wissen auch in den nächsten 4 Jahren nicht die geringste Chance auf einen Sieg zu haben. Und wenn dann sogar Privatteams mit Kundenmotor schneller sind bei bedeutend geringerem Geldeinsatz, dann ist halt Schluss.
Ich kann den Ärger nicht im Ansatz verstehen, denn zu Zeiten RBR-Dominanz hatten wir doch genau das Problem von Seiten der anderen Teams. Die Motoren waren ausentwickelt. Da gab es wenig zu holen und RBR hatte sich einen uneinholbaren Vorsprung in Sachen Aero herausgearbeitet. Deswgen und wegen der Reduzierung der Kosten hat man - mit Zustimmung aller Teams übrigens - die Regeln geändert.
RBR betreibt üble Politik und sie wollen eben zurück zu einer reinen Aero-Formel 1 wie man aus diesen Aussagen von Horner deutlich herauslesen kann:
(...)"Das war aber nicht nur bei Red Bull der Fall, sondern auch bei Williams und McLaren. Es stellt sich die Frage, ob es gut wäre, wenn die FIA per Reglement für einen Ausgleich sorgen könnte. Die FIA hat an jedem Motor einen Drehmomentsensor und kann genau sehen, wie viel Leistung vorhanden ist. Sie haben alle Daten und könnten für eine Art von Angleichung sorgen", schlägt der Red-Bull-Teamchef eine Art Balance of Performance vor.(...)
Quelle
Er will eine Nivellierung der Motorenstärke, sodass eben wieder Aerodynamik für die Rennentscheidung sorgt, aber genau das wird der Formel 1 eben auch nicht gerecht. Man erinnere sich an die Diskussionen über Prozessionsfahrten, weil die Fahrzeuge sich wegen der Aerodynamik nicht mehr überholen konnten. Wir sprachen über die Dirtyair, die irgendwann das Überholen unmöglich machte, weswegen man das unsägliche DRS einführen musste.
Wenn die F1 die Königsklass sein will, dann muss sie dies von der Motorentechnologie, der Aerodynamik und von der Leistungsfähigkeit seiner Fahrer her sein. Hier müssen alle Komponente im Rahmen des Reglements Spitzentechnologie darstellen. Und das im Moment sogar so ziemlich der Fall. Das Problem ist, dass diese ganze Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. Umso mehr sollte man was das angeht, die aktuellen Regeln beibehalten. Allerdings eben die Entwicklung freigeben bei gleichzeitiger Budgetbeschränkung, sodass das Ziel der Kostenbeschränkung nicht aus den Augen verloren wird.
In meinen Augen braucht die Formel 1, um ihre Attraktivität wieder zu steigern andere Ansatzpunkte:
1. Das Feld sollte wieder breiter werden. Für mich sollten mindestens 22 Autos am Start stehen. Mir wären an die 30 sogar lieber. Daher muss man über Budgetobergrenzen und eine gerechtere Geldverteilung sorgen.
2. Man sollte das Nachtanken wieder erlauben oder die Durchflussmengenbegrenzung aufheben. Beides würde zustätzlich ein strategisches Element bringen. Ich tendiere allerdings zu ersten Option.
3. Dieser Reifenirrsinn muss aufhören. Die Fahrer sollten aus den Karren die optimale Performance rausholen können, ohne dabei sich ständig darüber Gedanken machen müssen, ob der Reifen hält.
4. Die Formel 1 muss näher an die Fans. Heißt die Eintrittspreise müssen runter, die Fahrer muss man anfassen können. Ähnlich wie es die NASCAR beispielsweise vormacht. Das günstigstes Ticket für das Rennen gestern in Phoenix gab es für 25 Dollar, letzte Woche in Las Vegas war der Eintritt für das Qualifiying gar frei.
5. Diese ganzen Strafen für "causing a collision" müssen aufhören. Es kommt im Motorsport bei Rad-an-Rad-Duellen eben zu Berührungen. Das geht gar nicht.
6. Schafft die blauen Flaggen ab. Auch beim Überrunden sollte überholt werden müssen.
Dann kann aus der F1 auch wieder deutlich mehr werden. Aber da ist eben einiges, eben auch weil Ecclestone nur an sein Protmonait denkt, unrealistisch. Leider!