Kohfeldt hat hier eine Mannschaft in Trümmern übernommen und sie zu einem stabilen Klassenerhalt geführt. Anschließend hat er mit dieser Mannschaft eine großartige Saison gespielt und hätte um ein Haar Europa erreicht. Der Erfolg hängt zu einem großen Stück mit Max Kruse zusammen. Das ist ein Ausnahmespieler, der nicht nur selbst Tore und Assists beisteuerte, sondern auch als kommunikativer Führungsspieler auf und neben dem Platz einen großen Wert hatte. Darüber hinaus hat Max Kruse andere Spieler im Team durch seinen Einsatz besser gemacht, in dem er sie in Szene setzte und Lücken riss, die von Mitspielern genutzt werden konnten. Wohl kein Spieler war so wichtig wie er in dieser Zeit. Trotzdem war es Kohfeldt, der das gesamte Team aufbaute und auf Kurs brachte. Wie bereits erwähnt: Direkt vor Kohfeldts Amtsübernahme war dasselbe Team mit ebendiesem Kruse unter Alexander Nouri vollkommen am Boden. Wer sich einigermaßen objektiv mit den damaligen Leistungen beschäftigt, wird sehen, dass Kohfeldt also sehr wohl einen großen Anteil am Erfolg hatte.
2019/2020 haben Kohfeldt und Baumann in beiden Transferperioden mehrere Fehlentscheidungen getroffen, die uns teuer zu stehen kamen und auch heute noch belasten. Eines der größten Probleme war es dabei, dass es den beiden nicht gelang, den Abgang von Kruse ansatzweise zu kompensieren. Aber auch über die Transferperiode an sich hat Kohfeldt Fehler gemacht wie bspw. die nach eigener Ansage falsch dosierte Trainingssteuerung, die zur fatalen Verletzungssituation beigetragen hat. Insgesamt war die Saison ein absolutes Debakel und ein Abstieg wäre nicht unverdient gewesen. Das muss sich Kohfeldt ankreiden lassen und insofern kann ich definitiv verstehen, weshalb in der vergangenen Saison viele Fans für einen Trainerwechsel waren. Auch in dieser Saison lief bei Weitem nicht alles rund und auch Kohfeldt hat wieder Fehler gemacht (ich persönlich finde bspw. die Ausrichtung in der ersten Halbzeit im Schalke-Rückrundenspiel oder auch den Bittencourt-Schmid-Tausch vor zwei Wochen gegen Hoffenheim sehr kritikwürdig). Gleichzeitig muss man aber anerkennen, dass Kohfeldt aus Fehlern gelernt hat. So hat er Spieler, die hier als seine Lieblinge galten und nicht (bspw. Bittencourt, Osako) oder aus Altersgründen nicht mehr (bspw. Moisander) die in sie gesetzten Erwarrtungen erfüllen konnen aus der Stammelf genommen. Ebenso hat er seinen Spielstil einer pragmatischen Ausrichtung angepasst und die Trainingsbelastung angepasst. Außerdem wurde verstärkt auf junge Talente gesetzt, die sich auch mittelfristig noch zu echten Leistungsträgern entwickeln können und auch wichtige Transfereinnahmen generieren könnten (bspw. Agu, Schmid, Mbom). Ich kann nachvollziehen, dass einige User nach der desaströsen Saison 2019/20 nicht (mehr) von Kohfeldt überzeugt sind. Ihm aber jegliche Kompetenz abzusprechen, ihn zum "Schwätzer", "Lügner" und "unfähigen Dauernovizen" zu schreiben, der durch miserable Arbeit alle Misserfolge und alles, was schief lief zu verantworten hat, aber vollkommen unbeteiligt ist an allen Erfolgen und positiven Entwicklungen in seiner Amtszeit, ist wirklich sehr billig und unsachlich.
Ich weiß, dass der Blick einiger User auf Kohfeldt so sehr von intensiver Abneigung zerbohrt ist, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind, irgendeine Form von Ambiguitätstoleranz zuzulassen. User mit anderer Meinung aber auszulachen, ihre Argumente vollkommen zu ignorieren und ihnen stattdessen zu attestieren, sie seien nur "Schlafschafe", die Vereinspropaganda betreiben würden und eh immer "wie gewohnt falsch" liegen würden, verhindert leider jede Möglichkeit zu einer Diskussion oder zu einem Austausch.