Mir schwant ehrlich gesagt nichts Gutes für den Saisonstart, wenn Kohfeldt diese taktische Ausrichtung wirklich so durchziehen will.
4-3-3 mit Eggestein und Klaassen in den Halben... Eggestein wie gewohnt zu wenig Dominanz in seinem Spiel und weitestgehend ohne Tempo. Klaassen zwar mit gutem Blick für entstehende Spielsituationen, was ihm defensiv aber wenig nützt, da er im Defensivzweikampf körperlich nicht präsent ist und allgemein in der Rückwärtsbewegung so seine Schwächen hat. Das hat ihn in England scheitern lassen. Zwei relativ spielintelligente Spielertypen, denen es aber deutlich an Kompaktheit mangelt. Und ausgerechnet diese Zwei müssen das hilflose Herumgehopse unseres taktisch und spielerisch dramatisch überforderten 44ers ausgleichen.
Das ginge vielleicht noch irgendwie, wenn wir auf den Aussen mehr hätten, Angebote um nach erfolgreichem Gegenpressing auseinanderzuziehen bspw. Aber da hatten wir heute 2 Individualisten vor der Pause, die wenig am Spiel teilnehmen oder sich festrennen/ den Ball aus aussichtsreichen Positionen verlieren und nach der Pause 2 mit ähnlicher Spielweise.. am Ende hängt es doch wieder an der fussballerischen Klasse von Kruse..
Da habe ich kein gutes Gefühl mehr. Wie Kohfeldt in dieser Aufstellung/ Ausrichtung das von ihm oft genug erwähnte kontrollierende und dominante Spiel (was alleine der 6er Unfug mit Bargfrede im 3er Mf ad absurdum führt) erreichen will, ist mir ein Rätsel. Villareal kam auf simpelste Weise mit 2-3 Pässen an oder in unseren Strafraum und hatte keine Mühe, ständig in den Rücken unseres ZM zu kommen. Von wo zudem ein Aufbau bei uns schier unmöglich war. Meiner Ansicht nach spielt das Gros der Bundesliga ähnlich Villareal heute. Und da könntes dann bitter werden.
Hoffentlich war die erste Kohfeldt Saison kein Strohfeuer. Macht er so weiter, wird es ihm nicht viel anders ergehen als seinen Vorgängern, fürchte ich.
so große befürchtungen habe ich nicht. allerdings hat die vorbereitungsphase der hohen erwartungshaltung keine weitere grundlage gegeben. ich sehe aber immerhin einiges, was bereits ordentlich funktioniert und hoffen lässt. es gibt aber einige unübersehbare stellschrauben an denen es zu drehen gilt.
bargfrede gegen villarreal mal wieder zu selten mit bewegungen, die ihn zur anspieloption im aufbau machen. dazu oft nur das im blick, was unmittelbar vor ihm geschieht und selbst da mit zu starken verzögerungen. in halbzeit 1 waren 2 schicke pässe dabei, bei denen sowohl die gewählte option als auch das timing stimmten. immer wenn der blickwinkel gerade günstig ist. hier werden eggestein, kruse und klaassen in pflichtspielen ein höheres laufpensum absovlieren und sich immer wieder zurückfallen lassen. und sie werden es müssen, damit man ein aufbauspiel hinbekommt, mit dem sich die gewünschte dominanz erzeugen lässt. die last kann moisander nicht alleine stemmen.
eggestein im testspiel ebenfalls mit teilweise unglücklicher positionierung. hier aber in halbzeit 1 mehrfach mit klugen pässen, mit einem davon initiiert er auch die chance durch kainz. generell: kombinationsspiel im zentrum klappte immer mal wieder. da wirkt eben auch klaassen sehr positiv. den finde ich in der rückwärtsbewegung übrigens gar nicht mal verkehrt, sogar weniger wild und unkontrolliert als delaney teilweise. delaneys vorteil aber ganz klar die körperliche wucht wenn es zum direkten zweikampf kam. nutzlos fand ich das, was klaassen defensiv gemacht hat allerdings nicht. passoptionen, laufwege immer mal wieder zugestellt, durch gute antizipation auch einige bälle gewonnen. ich glaube, da geht noch mehr. wie auch bei eggestein, der schon präsenter auftreten kann.
klaassen am ball hat eigentlich meistens hand und fuß. noch nicht passend finde ich es, wenn er sich hoch positioniert, vor die kette des gegners. da ist er oft isoliert. das wechselspiel mit kruse ohnehin ausbaufähig.
die besetzung der außen mit kainz / rashica in der kombi finde ich wenig passend. das ist auch mir dann zu wenig manschaftsspiel. einer von beiden und osako / jojo eggestein, die beide, meinen eindrücken nach, mehr und flüssiger spielen wollen. kainz äquivalent bargfrede: wenn der kopf oben ist und der blickwinkel gerade passt, sind da technisch schicke pässe drin. die vorlage zum 1:0 steht hierfür exemplarisch. nur hat man eben nicht immer das glück. und dann war es häufig wieder zum verzweifeln. blick auf den ball, nach dem 2. oder 3. haken geht der kopf irgendwann hoch. dumm nur, dass dann meistens die anfangs vielversprechende szene nicht mehr vielversprechend ist.
rashica in den testspielen zuvor deutlich geschickter im freilaufen oder beim timing für tiefenläufe. dazu mit ganz gutem gespür dafür wann ein 1 gegen 1 sinnvoll ist. von alledem war gegen villarreal wenig zu sehen, was wahrscheinlich aber auch daran lag, dass er gesundheitlich angeschlagen war.
jojo eggestein fand ich auf außen in den wenigen eindrücken am besten was die teilnahme am spiel nach vorne betrifft. hat sich oft anspielbar gemacht und meistens schnell eine lösung gesucht.
käuper erneut schwierig zu beurteilen. im aufbauspiel wirkt das teilweise routiniert, dazu mit schönem diagonalball. aber auch langsam in der rückwärtsbewegung.
viallerreal als gegner hat in ein paar vereinzelten szenen ziemlich locker gezeigt, dass es spielerisch 3/4tel aller bundesligisten überlegen ist.
zusammengefasst sehe ich schon einiges, was in richtung vielversprechend geht, vieles aber auch, was stark verbesserungswürdig ist. dass da ein plan dahinter steht, dem auch einiges an detailarbeit zugrunde liegt, ist meiner meinung nach nicht zu übersehen. und ich finde nicht, dass da alles über den haufen geworfen werden müsste, sondern dass es vorallem viel feinarbeit bedarf. und alleine das kann einen großen unterschied machen.