Der Begriff "Meinung" ist schon breit gefächert. Zum Teil wird hier in das Persönlichkeitsrecht eines anderen eingeriffen.
Wie wird denn hier auch nur im allergeringsten in irgendjemandes Persönlichkeitsrechte eingegriffen?
Und immer wieder dieses Totschlagargument , dass ein Profifußballer damit umgehen können muss. Frag mal Deisler oder Simak inwiefern das so einfach ist mit dem andauernden Druck umzugehen.
Das Argument zieht hier überhaupt nicht. Neuer hatte die Chance bei einem sportlich ambitionierten Verein Millionen zu verdienen und Volksheld zu sein - dass er bei Teilen der Bayernanhänger von Anfang an nicht gewünscht war, war ihm zu 100% bewusst als er sich für den Wechsel entschieden hat. Wer vor solch einer Wahl steht und sich für den konfliktreicheren Weg entscheidet, muss in der Tat durchaus damit leben können, wenn jemand öffentlich äußert von ihm nicht absolut begeistert zu sein. Damit, dass nicht durch die Bank jeder einen liebt, müssen nicht nur Fußballprofis umgehen können. Gerade Leute wie Deisler und Simak, die ernsthafte Problem abseits des Fußballs hatten (Depression / Alkoholismus) haben nun wirklich nicht darunter gelitten, dass eine Hand voll Fans lieber andere Spieler auf dem Platz gesehen hätte.
Und das die "Fans" das vorher schon bekundeten und die Offiziellen des FCB sich nicht deren Meinung anschlossen ist also der Fehler? :stirn:
Ein Fehler ist es, den Leuten den Mund verbieten zu wollen, nur weil sie eine abweichende Meinung in einer vom Tonfall her akzeptablen Weise kund tun. Das ist es nämlich, was menschlich schwach und respektlos ist. Die Meinung war vorher bekannt, man hat sich mit selbst ausgewählten "Edelfans" darauf geinigt, Neuer als Teil der Mannschaft zu akzeptieren und das ist auch voll eingehalten worden - von den Fans, die bei den Gesprächen außen vor gelassen wurden, steht ein Teil wenig überraschend weiter zur alten Meinung. Die wütende Überreaktion darauf zeigt, auf welchem Niveau diese Einigung stattgefunden hat - entweder man unterstützt die Entscheidung einen bekennenden Ultra der Rivalen als Spieler zu verpflichten öffentlich voll, oder man wird zur unerwünschten Person erklärt.
Souverän und der Sache dienlich wäre es gewesen, das ganze mit einem Schulterzucken abzutun, in etwa so als wenn eine Hand voll Fans im Stadion "Trainer raus!" ruft. Neuer wurde nicht persönlich angegriffen (Die Feststellung, dass ein Schalke Ultra auch bei sportlich einwandfreien Leistungen nicht von allen Bayern Fans geliebt werden wird, ist kein persönlicher Angriff), er wurde nicht beleidigt, er wurde nicht bedroht. Er wird von der absoluten Mehrheit der Fans begeistert gefeiert, diese kleine Gruppe jetzt wütend mundtot machen zu wollen, zeugt von sehr begrenztem Stil - gerade, wenn man bedenkt, dass der Umgangston in Stadien meist erheblich rauer ist als das recht harmlose Plakat, wirkt das ganze verlogen.