Zitat von Lothar Matthäus;883507:
@Mick: Wie war das noch mit der Feldüberlegenheit? Ich denke, die Bayern hatten gestern gut 60% Ballbesitz. Von Überlegenheit habe ich dennoch nicht so viel gesehen, man hat sich kaum Chancen herausgespielt. Mit der gut geordneten Defensive, stand die Fiorentina sogar vor der ganz großen Überraschung in der Arroganzarena. Ein 1-2 wäre gestern ebenso gut möglich gewesen, wie ein 2-1 m.E.
Sorry, wegen OT. Aber ich suche immer nach Parallelen zu unserem Spiel, wo Ertrag gegen Aufwand aufgerechnet wird. Viel Ballbesitz ist auch bei uns nicht gleich Überlegenheit. Es ist nur so, dass es anderen Teams ebenso ergeht und dies kein typisches Werder-Problem darstellt.
Sicher nicht urtypisch. Es geht aber um die relative Häufigkeit. Und da ist nur allzu deutlich, wie oft Werder wenig aus einer
optischen Überlegenheit, die auch statistisch belegbar ist, macht, weil das Team taktisch und mental unterlegen ist. Ich meine, ausmachen zu können, dass Werder seit Jahren in der BL weit führend ist, wenn es darum geht, wo am wenigsten Punkte aus einem hohen Aufwand resultieren. Individuell sind wir Bundesliga-Spitze, spieltaktisch allerdings bestenfalls unterer Durchschnitt. Ergibt im Mittel fast schon logischerweise Platz 6.
Aber schau Dir mal die letzten Bayern-Spiele an. Wolfsburg hatte mehr Torchancen, Dortmund hatte mehr Torchancen, Fiorentina war gestern keinesfalls schlechter. Dazu kamen den Bayern günstig gesonnene Schiedsrichter. Aber ist das alles nur Dusel oder sind andere zu dusselig? Glaube eher an letzteres.
Es kommt nicht von ungefähr, dass Bayern Siege im Schlussgang festzurrt oder eben auf diese Weise. Der Spruch vom erzwungenen Glück ist irgendwie nicht von der Hand zu weisen. Wie schon oft gesagt wurde, ist Glück eben auch oder gerade ein Zufall, der auf Bereitschaft trifft.
Bajuwarisches Paradebeispiel war wieder mal, dass van Gaal nach dem Wolfsburg-Spiel trotz des 3:1 die offensichtlichen Fehler anspricht, dies sogar zu Recht. Aber eben anspricht,
wenn das Team noch gewinnt. Hat Hoeness früher auch immer gemacht. Mit diesen bewußt öffentlich geäußerten Hinweisen wird die wichtige Grundspannung erhalten, die danach eben weitere (glückliche) Siege möglich macht. Denn nirgendwo läuft es durchweg gut, aber es geht immer darum, die Konzentration hoch zu halten.
Was passiert bei Werder? Nach dem 6:0 in Freiburg sitzt Schaaf im Doppelpass und säuselt sich in den Drei-Tage-Bart ob der vielen Lobeshymnen. Obwohl zuvor schon viele Unentschieden etliche Punkte kosteten. Danach kommen wieder zwei Remis, wieder vier Punkte weg. Aber alle schütteln sich kräftig die Hände wegen der ach so tollen niederlagenlosen Serie. So werden wir regelmäßig Opfer der Schleimer-Mentalität.
Statt genau an diesem Punkt spätestens einzuschreiten, in erster Linie klar zu hinterfragen, was methodisch und taktisch falsch läuft, wenn z. Bsp. optisch hoch überlegene Spiele wie Wolfsburg, Köln oder Dortmund (erste HZ) so wenig Ertrag liefern, machen wir auf der mentalen Ebene so weiter, dazu bleibt die Taktik und die Stammelf unverändert. Nach der dritten Niederlage in Folge fängt KA dann an, den Kader zu hinterfragen, die Töne werden barscher, es wird panischer. Nur - da ist`s zu spät. Da hängt die Mannschaft bereits in einer mentalen Krise, da hilft dann nur noch psychologischer Wiederaufbau.
Es sind die Zeitpunkte, die Werder verpasst und einige andere eben nicht verpassen. Weil sie a) das Verständnis als Spitzenverein verinnerlicht haben (gegen das sich Werder und viele Fans hier immer vehement wehren) und b) sowohl unter Druck als auch mit ungewöhnlichem Druck umzugehen wissen.
Wir dagegen nehmen uns so die üblichen Auszeiten, die uns die Ziele verpassen lassen.