Ich kann gut nachvollziehen, dass Schmidt sich die Sache reiflich überlegen will. Erstmal hat man bei Werder bis vor kurzem nicht im geringsten auf ihn gesetzt - erst als absolute Personalnot den Verein dazu genötigt hat ein CL-Spiel mit einer Reservemannschaft abzuschenken, hat er eine Chance bekommen die eigentlich nie als solche gedacht war. Und die hat er genutzt und sich in die Mannschaft gespielt und konnte auf allen Positionen in der Abwehr zeigen, dass er absolut konkurrenzfähig ist - eine Qualität, die er nicht über Nacht entwickelt haben wird, die von der sportlichen Leitung hier aber über Jahre als nicht ausreichend für die erste Liga bewertet wurde.
Nun kommen andere Vereine und bieten ihm etwas, was ungeheuer attraktiv für einen Spieler in seinem Alter ist: Eine echte Chance sich zu beweisen. Bei Bochum und QPR hätte er gute Chancen, regelmäßig zu spielen. Er wäre Wunschspieler und kein verzichtbarer Notnagel und hätte auch die Chance sich für ambitioniertere Vereine interessant zu machen. Wer bei einem PL Aufsteiger verlässlich seine Leistung bringt ist schnell mal bei einem Club untergekommen, der richtig dicke Gehälter zahlt - dass er in Bestform auf dem Niveau mithalten kann, hat er in der CL bewiesen. Dass er bei solchen Vereinen kurzfristig deutlich mehr verdienen kann glaube ich nicht, aber das muss nicht der einzige entscheidende Faktor sein um solch einen Verein attraktiv zu machen.
Dagegen sieht die Perspektive bei Werder erstmal weniger gut aus. Schaaf sieht ihn nur als Ergänzungsspieler, der nicht zum Einsatz kommen wird, sofern die Stammspieler fit sind. Schmidt hat hier schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es ganz schwer sein kann, sich in die Mannschaft zu spielen. Wenn Schmidt jetzt wieder abtaucht, kann das durchaus seine letzte große Chance auf einen Durchbruch im Profifußball gewesen sein und es ist alles andere als sicher, dass er Angebote von Vereinen wie Bochum oder QPR hat, wenn der nächste Vertrag ausläuft. Wenn das gebotene Gehalt aussagt "Wir wollen dich eher für die dritte als für die zweite Reihe haben." (was auch bei 500.000€ durchaus der Fall sein kann, wenn die Auszahlung der vollen Summe von vielen Konditionen abhängig ist) kann man schon nachvollziehen, dass der Spieler da angesichts anderer Angebote, die finanziell nicht attraktiver sind aber eine höhere Wertschätzung der Vereine belegen, ins Grübeln kommt.
Auch völlig nachvollziehbar dass KA davon genervt ist, wenn er einem jungen Spieler ein angesichts von nur 12 Profi Spielen absolut faires Angebot vorlegt, der Spieler das dann aber vorerst nicht annehmen will. Da kommt dann schonmal ein Kommentar raus, der nahelegt, dass der Spieler das Angebot abgelehnt hat.
Unterm Strich kann es natürlich immer noch sein, dass Schmidt und sein Berater $-zeichen in den Augen haben und dick absahnen wollen, aber das muss nicht zwangsläufig der Fall sein. Ich würde mich zumindest freuen, wenn sich Schmidt dazu entscheiden sollte zu für Werder vernünftigen Konditionen zu verlängern - er ist in einer schwierigen Saison als absolut solider Spieler auf allen problematischen Positionen in der Abwehr aufgetreten und einen solchen Spieler in der Hinterhand zu haben ist stets eine Bereicherung.