aber matte trifft es ganz gut.
Das Verhalten von Diego und Rafinha ist charakterlos
Von Günter Netzer
Der aktuelle Streit um die Olympia-Teilnahme von Diego (Werder Bremen) und Rafinha (Schalke 04) hat mir wieder einmal eins gezeigt: Ich bin froh, dass ich nicht mehr als Manager bei einem Bundesliga-Klub arbeite.
Meine acht Jahre in dieser Funktion beim HSV von 1978 bis 1986 waren zwar auch so aufreibend, dass ich mich mitunter über errungene Titel gar nicht mehr richtig freuen konnte. Aber Zustände, wie sie inzwischen in der Liga gang und gäbe sind, wären vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen.
Der normale Fan kann das doch gar nicht mehr begreifen. Da honoriert ein Verein die Leistungen eines Stars mit einer Millionen-Gage. Und dennoch setzt sich ein Profi wie Diego oder Rafinha gegen den Willen seines Klubs einfach in den Flieger Richtung Peking zu den Olympischen Spielen. Dieses Verhalten ist schlicht charakterlos.
Der Spieler lässt seine Kollegen in der entscheidenden Phase der Vorbereitung, wo die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison gelegt werden, einfach im Stich. Die Folgen können fatal sein. Das Fehlen in den ersten Spielen wird den Verein womöglich entscheidende Punkte kosten. Zudem kann der Spieler häufig nach einem strapaziösen Turnier zunächst seine Leistung nicht mehr abrufen. Das Verletzungsrisiko steigt. Von den Folgen für den Teamgeist seiner Truppe ganz zu schweigen.
Im normalen Berufsleben gäbe es dafür nur eine Konsequenz: die fristlose Kündigung. Aber in der Profi-Welt ist seit dem Bosman-Urteil nichts mehr normal. Die Machtverhältnisse haben sich dramatisch verändert. Denn die Spieler wissen, dass sie bei Vertragsende ablösefrei wechseln können. Beendet ein Verein den Vertrag vorzeitig, so heuert der Spieler eben bei der Konkurrenz an und kassiert zusätzlich noch ein hohes Handgeld. Die Klub-Manager haben keine Sanktionen mehr. Geldstrafen mögen die Spieler womöglich etwas verärgern aber sie tun angesichts der Millionen-Saläre nicht wirklich weh.
Zugegeben: Diego und Rafinha standen bei der Olympia-Frage unter einem enormen Druck. Für jeden Brasilianer ist die Nationalmannschaft, die Seleção, das Größte. Hier standhaft zu bleiben und seine arbeitsvertraglichen Pflichten bei seinem Klub zu erfüllen, verlangt sehr viel Pflichtbewusstsein. Vielleicht zuviel für noch junge Profis wie Diego (23) oder Rafinha (22). Umso mehr sind die Berater der Spieler gefordert. Ein guter Berater muss solch ein Theater verhindern. Schließlich leidet zumindest langfristig der Ruf ihrer Klienten.
Nur wird leider gerade bei den Beratern oft genug der Bock zum Gärtner gemacht. Seit Bosman haben viele Agenten doch gar kein Interesse mehr daran, dass ihre Spieler langfristig bei einem Klub bleiben. Schließlich kassieren sie bei Wechseln enorme Provisionen.
Nein, dieses Rad wird niemand mehr zurückdrehen können. Die Macht im Fußball ist in die falschen Hände geraten. In die Hände der Spieler und ihrer Berater.
:applaus:
Das Verhalten von Diego und Rafinha ist charakterlos
Von Günter Netzer
Der aktuelle Streit um die Olympia-Teilnahme von Diego (Werder Bremen) und Rafinha (Schalke 04) hat mir wieder einmal eins gezeigt: Ich bin froh, dass ich nicht mehr als Manager bei einem Bundesliga-Klub arbeite.
Meine acht Jahre in dieser Funktion beim HSV von 1978 bis 1986 waren zwar auch so aufreibend, dass ich mich mitunter über errungene Titel gar nicht mehr richtig freuen konnte. Aber Zustände, wie sie inzwischen in der Liga gang und gäbe sind, wären vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen.
Der normale Fan kann das doch gar nicht mehr begreifen. Da honoriert ein Verein die Leistungen eines Stars mit einer Millionen-Gage. Und dennoch setzt sich ein Profi wie Diego oder Rafinha gegen den Willen seines Klubs einfach in den Flieger Richtung Peking zu den Olympischen Spielen. Dieses Verhalten ist schlicht charakterlos.
Der Spieler lässt seine Kollegen in der entscheidenden Phase der Vorbereitung, wo die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison gelegt werden, einfach im Stich. Die Folgen können fatal sein. Das Fehlen in den ersten Spielen wird den Verein womöglich entscheidende Punkte kosten. Zudem kann der Spieler häufig nach einem strapaziösen Turnier zunächst seine Leistung nicht mehr abrufen. Das Verletzungsrisiko steigt. Von den Folgen für den Teamgeist seiner Truppe ganz zu schweigen.
Im normalen Berufsleben gäbe es dafür nur eine Konsequenz: die fristlose Kündigung. Aber in der Profi-Welt ist seit dem Bosman-Urteil nichts mehr normal. Die Machtverhältnisse haben sich dramatisch verändert. Denn die Spieler wissen, dass sie bei Vertragsende ablösefrei wechseln können. Beendet ein Verein den Vertrag vorzeitig, so heuert der Spieler eben bei der Konkurrenz an und kassiert zusätzlich noch ein hohes Handgeld. Die Klub-Manager haben keine Sanktionen mehr. Geldstrafen mögen die Spieler womöglich etwas verärgern aber sie tun angesichts der Millionen-Saläre nicht wirklich weh.
Zugegeben: Diego und Rafinha standen bei der Olympia-Frage unter einem enormen Druck. Für jeden Brasilianer ist die Nationalmannschaft, die Seleção, das Größte. Hier standhaft zu bleiben und seine arbeitsvertraglichen Pflichten bei seinem Klub zu erfüllen, verlangt sehr viel Pflichtbewusstsein. Vielleicht zuviel für noch junge Profis wie Diego (23) oder Rafinha (22). Umso mehr sind die Berater der Spieler gefordert. Ein guter Berater muss solch ein Theater verhindern. Schließlich leidet zumindest langfristig der Ruf ihrer Klienten.
Nur wird leider gerade bei den Beratern oft genug der Bock zum Gärtner gemacht. Seit Bosman haben viele Agenten doch gar kein Interesse mehr daran, dass ihre Spieler langfristig bei einem Klub bleiben. Schließlich kassieren sie bei Wechseln enorme Provisionen.
Nein, dieses Rad wird niemand mehr zurückdrehen können. Die Macht im Fußball ist in die falschen Hände geraten. In die Hände der Spieler und ihrer Berater.
:applaus:

Wenn ich mich recht erinnere durfte Netzer auch nicht mehr in der Nationalmannschaft kicken, weil er in einem ausländischen(!) Verein angeheuert hat, nämlich bei Real Madrid (oder war das Schuster...?) Da herrschte halt noch Zucht und Ordnung
)
Fakt ist das Werder kein echtes Druckmittel hat, Diego weiß schon was er wert ist.