Tja - das sind eben die "Früchte" der nicht sonderlich vorausschauenden Herangehensweise an diese Problematik.
Anstatt sich positiv ins Olympia-Licht zu stellen (ein Teil des SV Werder ist bei den Spielen vertreten) und öffentlich ein wenig "mitzufiebern" hat man die Konfrontationsschiene gewählt. Wie auch immer die Geschichte ausgeht - im Sinne des SV Werder wäre die andere Herangehensweise die bessere gewesen.
Und alle diejenigen, die gern "ein Exempel statuiert" wissen ("kann ja wohl nicht angehen, dass ...") und sich über die Vorgehensweise des Vereins immer noch freuen ("genau richtig, da hart zu bleiben, bei Real Madrid wäre sowas auch nicht möglich - dann muss er eben verkauft werden ...") sollten sich eingestehen, dass diese Linie jedenfalls was den Erfolg der Mannschaft bzw. die Stimmung in der Mannschaft angeht, nicht das Gelbe vom Ei war.
Wenn einem das "Exempel statuieren" wichtiger ist als der größtmögliche sportliche Erfolg, dann ist das natürlich auch eine Sichtweise. Aber hier (weiter) so zu tun, als ob die Vorgehensweise des Vereins im Sinne der Erzielung des größtmöglichen Erfolges bzw. im Sinne einer möglichst weitgehenden Schadensbegrenzung optimal war, das ist nun wirklich etwas daneben.
Inwieweit die Schmierpresse den SV Werder in der Anfangsphase der Saison weiter auf die Hörner nimmt, wird natürlich auch von der weiteren Entwicklung abhängen. Vielleicht nehmen KATS ja ein wenig "das Gas raus" (z.B. wenn sie Diego bei Olympia ließen, obwohl CAS keine Abstellpflicht sieht) und tragen so zur Befriedung der Situation bei. Die Signale von Torsten Frings sind schon einmal ein guter Anfang, wenn es darum geht, dass sich nachher "alle wieder liebhaben".
Paul, Du wiederholst Dich. Du drehst Dich argumentativ auch nur im Kreis und lässt diverse sachliche Dinge, die gegen eine Abstellung sprechen (die ich hier nicht noch einmal en detail aufzählen möchte) geflissentlich aussen vor. Und dann als Gipfel noch deine putzige wie lächerliche, relativierte "Werderfan-Olympiapflicht"-Ansage.

Von Dir hätte ich etwas mehr kritische Distanz erwartet, aber gut, ein jeder läuft mit seinem Balken vor dem Kopf herum.
Um auf Dein heißgeliebtes, zu wenig Beachtung gefundenes 2004-Beispiel zu sprechen zu kommen: 2004 war eine Art Wendepunkt in Bezug auf die fussballspezifische, besondere Olympia-Philosophie und das argentinische Team stellte seinerzeit nahezu die gesamte A-Nationalmannschaft auf (was seinerzeit, wenn man sich erinnern mag, heftigst kontrovers diskutiert wurde). 17:0 Tore und allesamt gewonne Spiele sprachen eine deutliche Sprache. Alles war durch die kompromisslose Haltung der Argentinier, die unbedingt erstmals olympisches Gold erreichen wollten, aus den Fugen geraten. Bis dahin war das olympische Fussballturnier ein weniger beachtetes Event, bei dem vornehmlich (wie ursprünglich gedacht) eher unbekannte Nachwuchsleute der nationalen Verbände um die olympische Medaillie rangen. Nun hat in aller Härte und Konsequenz der blanke Kommerz, der Vereinsinteressen völlig aussen vor lässt, die Oberhand gewonnen. Eine traurige Entwicklung, wie ich finde (allein der Aspekt, dass sich U21-Mannschaften für die Olympiade qualifizieren, dann aber quasi A-Mannschaften das Turnier spielen ist höchstgradig obszön).
Heute stehen die Vereine geschwächt und ohnmächtig da, wie die jüngsten Ereignisse aufzeigen. Die Machtverhältnisse haben sich zugunsten der Spieler verschoben (ich spare mir detaillierte Ausführungen und verweise auf den Bild-Artikel von G. Netzer).
Umso mehr finde ich es absolut begrüßenswert, das ob des Engagements einiger weniger Vereine nun endlich für alle Vereine der Welt eine verbindliche Rechtsgrundlage jenseits von schwammigen und stets diskutablen "Gewohnheitsrechten" geschaffen wird. Das Recht hat nicht unbedingt immer etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat, wissen wir. Die CAS hat sich in der Vergangenheit auch nicht gerade den Ruf einer unanbhängigen Instanz mit logisch stringenten Urteilen erarbeitet, von daher schaue ich zwiegespalten auf das für Mittwoch zu erwartende Urteil. Ich bin sehr gespannt. Was bleibt ist das Prinzip Hoffnung.
Es kann eigentlich einfach nicht angehen, dass die Vereine machtlos zusehen müssen, wie ihre besten Spieler in Bezug auf eine (zudem gesundheitlich wie politisch und moralisch imo stark bedenkliche) Olympiade aus hanebüchenden Gründen wie bisher titellosen Teilnahmen und der daraus resultierenden "Verpflichtung" des Triumphes wichtige Spieler zu Vertragsbrüchen genötigt werden und der Verein auch noch schön brav das Gehalt, Versicherung etc. weiterzahlen soll, im Gegensatz zu EMs, WMs etc. Insofern hat die Vereinsspitze von Werder Bremen, abgesehen von vereinsinternen diskutablen moralischen wie taktischen Maßstäben, dem Vereinsfussball insgesamt einen großen Dienst erwiesen, ganz gleich wie das Urteil nun aussehen mag. Und das sollte von einigen Leuten hier auch einmal gewürdigt werden. Es geht hier insgesamt um mehr als die Olympia-Teilnahme von einem Herrn Diego.
Aber was soll ich weiter schreiben, wer nicht verstehen will, der versteht auch nicht. Ich habe fertig.
