Nun, jeder geht mit dem Druck anders um und in der Bundesliga ist der Druck sicherlich enorm. Klopp ist eben ein sehr extrovertiert wirkender Mensch. Da man als Trainer in der Bundesliga sehr unter Medienbeobachtung steht, ist ein solcher Typ natürlich auch leicht in der Gefahr, sich durch die Medien formen zu lassen, zumindest in seinem Auftreten.
Klopp ist ja nicht dumm und weiß ja ganz genau, wie er gehyped (schlimmes Wort) wird. Da wird von einem Teil der Medien und der Öffentlichkeit genau so ein Gebahren gewünscht. Weil es neuen Gesprächsstoff liefert und nicht jeder was von Fussball oder Taktik versteht und sich darüber eben dann nicht so eingehend unterhalten will, wenn man statt dessen auch über einen neuen Veitstanz des Trainers an der Seitenlinie schreiben kann.
Ich finde das Verhalten von Klopp auch übertrieben und es macht bisweilen auch einen gekünstelten Eindruck auf mich, wie er sich benimmt.
Es wirkt auf mich auch mitunter respektlos und unsportlich gegenüber den Gegnern, sich so zu benehmen. Aber solange ihm dies bei den Medien und den eigenen Fans sogar noch Pluspunkte einbringt, wird er sich sicher nicht anders geben, sondern sich weiter derart ausleben.
Meine anfangs positive Meinung über die Person Klopp hat sich geändert, als er sich gerade beim Gastspiel bei "seinem alten Club" Mainz05 so derart daneben benommen hat, obwohl er dort im Frieden geschieden war. In der weiteren Abfolge hat mich dann das zunehmend künstlich wirkende oberkumpelhafte Getue gestört. Aber das ist letztlich so lange egal, wie er nicht Werder-Trainer ist oder sich Werder gegenüber unfair benimmt.
Fachlich muss er gut sein, sonst hätte er weder Mainz05 noch den BVB so entwicklen können, wie er es getan hat. Er hat sicher auch Glück mit einer ganzen Reihe von außergewöhnlichen eigenen Talenten wie Schmelzer, Sahin, Götze, Großkreutz und auch guten Transfers seiner Vorgänger, die ja auch nicht alle sofort 100% einschlugen.
Letztlich geht es am Samstag nicht um den Trainer Klopp, sondern um 1 oder 3 Punkte für Werder. Da kann von mir aus Batman auf der BVB Bank sitzen.
Die letzten Verlautbarungen aus Werder-Kreisen mit dem sinngemäßen Inhalt, man müßte selber schauen, das "man dem Spiel seinen Stempel aufdrückt" bereiten mir da noch die meisten Sorgen. Weil das doch auf ein typisch-stures Schaaf-System hindeutet, der sein Ding gegen den BVB genauso durchziehen will wie gegen Kickers Emden. Da kann man dann mit einem sehr unterhaltsamen Spiel und etlichen BVB-Toren rechnen um dann hinterher die altbekannten Platitüden zu hören, das unsere Mannschaft "nicht das aufgezeigt hat, wofür sie steht" oder das sie "mehr anbieten" müsse, das es "insgesamt zu wenig" gewesen wäre oder "man die Dinge neu angehen" müsse.
Denn auch, wenn ich das von TS fortentwickelte "Gewusel-System" ja an sich ziemlich interessant finde und nur die Konsequenz bei der Konzentration und den öffnenden Pässen vermisse, halte ich diese Spielweise gegen den BVB aufgrund von deren MF-Organisation nicht für erfolgversprechend und ich bin eben auch der Meinung, das Werder noch lange nicht wieder die Qualität besitzt, um in jedem BuLi-Spiel das eigene System durchbringen zu können. Und wenn man dafür vorher keine überwiegenden Chancen sieht, sollte man eben an Alternativen denken. Das Spiel in Stellingen zeigte ja, das TS es grundsätzlich auch mal anders kann.
Man kann nur hoffen, das diese Aussagen heute Teil einer Vernebelungsstrategie sind und TS auf ein dichtes Mittelfeld mit einem Stürmer, einem OM und zwei Viererreihen umstellt und sich damit auf den Gegner und dessen zu erwartende Ausrichtung einstellt. Das würde dann auch bedeuten, das man eben nicht sonderlich kompakt steht, sondern das typische BVB Spiel eher in der Tiefe auffängt -im zentralen MF mit Ignjovski und Bargfrede- und sein Heil in schnellen Spieleröffnungen sucht - also so ziemlich das Gegenteil vom typischen Werder-Spiel. Ich glaube daran aber nicht und werde Samstag vorsichtshalber Betablocker einwerfen.
Trotzdem ist Bargfrede einfach mal als Torschütze fällig !