Lt. Stiko-Chef spricht von Spaltung der Gesellschaft durch allg. Impfpflicht:
Es werde zu viel Druck aufgebaut, führte der STIKO-Chef aus. Er setze auf weitere Überzeugungsarbeit und Aufklärung zur Impfung. Zudem sei im Falle einer Impfpflicht nicht unbedingt zu erwarten, dass das "anvisierte Ziel auch wirklich erreicht werden kann", fügte Mertens hinzu.
Eine gesetzliche Impfpflicht sei nur so viel wert, wie sie effektiv umgesetzt werden könne. "Was machen Sie mit jenen, die sich weigern?", fragte der Virologe. Diese Menschen würden sich womöglich auch von einem Bußgeld nicht umstimmen lassen. Auch könne selbst eine schnelle Impfpflicht die aktuelle Corona-Welle nicht brechen. Der Bundestag will in den nächsten Wochen über die Impfpflicht entscheiden.
Mertens verteidigte zugleich die Arbeit der STIKO in der Pandemie. "Wir haben keine inhaltlichen Fehler gemacht, wir entscheiden nicht auf der Grundlage von Meinungen, sondern aufgrund sorgfältiger Bewertung aller verfügbaren Daten und Erkenntnisse", sagte er. Deutschland leiste sich "den Luxus eines unabhängigen Expertengremiums", das ohne Rücksicht auf die Interessen der Politik oder der Pharmaindustrie Empfehlungen ausspreche. Was die STIKO entscheide, passe nicht jedem. "Doch zwischen Evidenz und gefühlter Wahrheit ist ein großer Unterschied", sagte Mertens.
https://www.tagesschau.de/inland/impfpflicht-debatte-131.html