Clemens Fritz (Geschäftsführer Fußball)

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Pala
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Es ist schon eine wahnsinnige Verkettung von Fehlentscheidungen. Also vielleicht mal die Ausgangssituation - weil an allem ist er nun auch nicht Schuld (wenn auch an allem, was uns diese Saison auf die Füße fällt):

Ausgangslage: Werder ist finanziell extrem limitiert für Bundesligaverhältnisse (mal Vereine wie Pauli, Heidenheim etc. ausgeklammert) und weitestgehend fremdfinanziert (Anleihe, Kredite (meiste aus dem Stadion, Verbindlichkeiten liegen bei rund 60 Millionen Euro, noch bestehende Corona-Hilfen, laut Prospekt zahlen wir aktuell Zinsen in Höhe von 2 Millionen Euro pro Jahr (im nächsten Geschäftsbericht dürfte der Wert noch höher sein, weil man den Campus noch anteilig finanzieren muss - dafür hat Werder erneut Kredite aufgenommen).

Man konnte vor der Saison ausgehen, dass man - ohne dabei sein Eigenkapital zu sehr zu schrumpfen - einen Transferkorridor von etwa 10-12 Millionen zur Verfügung hatte. Mit Blick auf ein defizitäres Geschäft, dem Ausscheiden in Runde 1 im Pokal und erneut nicht getätigten Verkäufen ist das nicht viel. Denn: Werder wird auch dieses Jahr wieder defizitär bleiben (da ist noch kein Abstieg mit eingerechnet). Diese 10-12 Millionen Euro sind also nichts weiter als der Betrag, den man ausgeben konnte, ohne dabei zu sehr die "Rücklagen" zu gefährden, die es betriebswirtschaftlich braucht. Auch in den Transferperioden zuvor hatte Werder bereits keine nennenswerten Einnahmen erzielt (Ducksch und Zetti zählen erst in das laufende Geschäftsjahr).

Dann schwenken wir mal einen Blick auf den letzten Sommer: Werner war für mich das größte Faustpfand, der den damals schon limitierten Kader durch klare Spielabläufe auf ein gutes Niveau gehoben hat. Aber man hat auch gemerkt: fehlten 1-2 Stammspieler, spielte das Team unter Werner auch schon phasenweise richtig schlecht. Werner hat deswegen zurecht immer wieder angedeutet, dass man den Kader verstärken muss. Friedl ist ihm zur Seite gestanden in einigen Interviews. Passiert ist quasi nichts - man hat den Kader im Kern zusammengehalten. Jetzt kann man sich streiten: Wollte Werner gehen - oder wollte Werner gehen, weil ihm die Rahmenbedingungen nicht mehr passten? Ich denke letzteres. Dann stimmt natürlich das Narrativ, dass Werner gar nicht bleiben wollte. Wenn aber Fritz den richtigen Rahmen geschaffen hätte (passende Verkäufe und neue, bessere Spieler), wäre er geblieben. Und das wäre glaube ich in Werders Situation entscheidend gewesen, hier den Trainer zu halten. Ich weiß aus Internas, dass Werner öfter mal gegen die "inhaltliche Linie" kommuniziert hat und man das nicht gern gesehen hat. Für mich ist das der Kardinalfehler, hier nicht alles versucht zu haben, Werner zu halten.

Fair enough: Man ist dann zumindest konsequent und entlässt ihn. Steffen erwies sich als Nachfolger dann als nächste Fehlentscheidung: Ein netter Kerl, aber keine 1.-Liga-Erfahrung - und Werder ein Verein mit einer Finanzlage, bei der man sich Experimente eigentlich nicht erlauben kann. Steffen hat in Elversberg super Arbeit gemacht, hat aber auch schon beim FC Chemnitz die gleichen Fehler und Probleme gehabt, die sich jetzt bei Werder wiedergefunden haben: Vorne absolute Harmlosigkeit (weil man den Spielern zu viele Freiheiten lässt) und unsere Jungs dafür einfach nicht gut genug sind. Parallel die 3er-Kette aufgelöst und auf 4er-Kette umgestellt. Parallel wurde ihm aufgetragen, nun auf die Jugend zu setzen. Es blieb ihm dann auch gar nichts übrig, wenn man kurz zuvor u.a. Jung, Ducksch, Zetti etc. verkauft/abgibt ohne dafür passenden Ersatz zu haben. Mit Wöber holt man sich einen weiteren Invaliden, Stark und Pieper immer wieder verletzt. Dadurch ist Couli dann gezwungenerweise reingerutscht. Ebenso Mio, weil man Zetti verkauft hat. Was ich sagen will: Ich würde hier Fritz nicht auf die Fahne schreiben, dass er den Kader "verjüngt" hat und Talente fördert - ebenso wenig Steffen. Der Rest war doch fast der gleiche Kader wie zuvor.

Dann zurück zum Transferbudget: Du hast etwa 10-12 Millionen, setzt damit fast alles auf eine Karte und kaufst einen Mbangula, dessen Position hier gar nicht gebraucht wird und der bislang bei Juve auch nie nachgewiesen hat, dass er ein Top-Talent auf sehr hohem Niveau sein kann. Fritz ist hier einfach mal All-In gegangen mit dem gesamten Geld, dass Werder noch zur Verfügung hatte (nur weil man sich erhofft, irgendwann mal den großen Reibach zu machen). Der Rest waren vermutlich Handgelder, Leihgebühren etc. - somit hat man sich schon mal ohne Verkäufe komplett selbst Schachmatt gesetzt für den Winter. Was passiert? Mbangs gehört zwar zu den besseren Spielern, leidet aber darunter, dass er defensiv noch völlig unreif ist und Steffen nicht so richtig weiß, wo er spielen soll (Thioune übrigens aktuell auch nicht - dieses anfägnliche "als 10er zwischen den Linien schwimmen" gegen Pauli war schlimm anzusehen). Parallel fehlte nun bereits das Geld für einen echten Mittelstürmer - Werder konnte sich vermutlich keinen passenden Stürmer mehr leisten, weil das Geld bereits verplant war. Dann nimmt man, damit man auf dem Papier und für die Öffentlichkeit was vorzuweisen hat, einen Boniface samt Knorpelschaden im Knie, der ja offenbar am Deadlineday allen bekannt war. Rest ist bekannt.

Bilanz bis zum ersten Pflichtspiel: Trainer in meinen Augen unnötig getauscht, das wenige Budget völlig planlos in einem Spieler versenkt, keine nennenswerte Transfererlöse erzielt (zur Erinnerung: Werder läuft ohne weiterhin defizitär), und nicht einen bundesligareifen Mittelstürmer verpflichtet. Dann hat man Anfangs noch ein bisschen Spielglück, bei teils schon desolaten Auftritten der Mannschaft (war bereits im Bielefeld-Spiel zu sehen). Taktisch fand ich das unter Steffen echt fragwürdig - insbesondere Verhalten der Ketten, keine Absicherung mehr bei Umschaltmomenten und dann eben völlige Harmlosigkeit im Angriff (weil taktisch schlecht vorgegeben und eben kein Mittelstürmer).

Dass das alles nicht klappt, hätte man vielleicht schon nach 5-6 Spieltagen erkennen können. Denn taktisch änderte sich rein gar nichts, man nährte sich nur durch die glücklich erspielten Punkte. In meinen Augen hätte man das Experiment bereits recht früh in der Saison beenden müssen, weil nichts dafür sprach, dass es mit Steffen klappt (Leverkusen hat es vorgemacht: Wenn ein Trainer nicht fittet, muss man den Mut haben, früh zu wechseln). Aber wir sind ja Werder Bremen: Bei uns bekommt der Trainer natürlich Zeit - und man will sich sicher auch ungern den Fehler in der GF eingestehen, hier aufs falsche Pferd gesetzt zu haben.

Entsprechend kam der Absturz bereits gegen Ende der Hinrunde. Im Winter war klar, dass man nicht mehr handlungsfähig sein kann (wie gesagt: erneut keine Erlöse durch Spieler, das komplette freie Budget verbraten, ohne die Finanzlage des Vereins zu gefährden). Entsprechend konnte man nicht im Sturm nachlegen - bzw. dann eben nur mit einem weiteren Experiment und einer Leihe (Milosevic). Parallel wusste man vielleicht schon, dass man in naher Zukunft den Trainer tauschen muss (also doppelt Gehalt auf der Liste hat). Auch hier wird man sich am Transfermarkt nochmal bewusst zurückgehalten haben. Parallel gibt man nach Außen kein gutes Bild ab (Leih-Posse). Aber das halte ich im Vergleich zu den anderen wirklich entscheidenden Punkten für am Ende fast als Pille-Palle. Fritz muss sich primär an Transfererlösen und klugen Transfers messen lassen - dass man dann nicht mal den Überblick hat, wie viele Spieler man Leihen kann, ist dann eher die Spitze des Eisbergs.

Wir halten fest: Werder bereits finanziell auf dem Papier am Limit (aktuell ohne Erlöse nicht mehr handlungsfähig), ein Trainer verbraten, nicht mehr in der Lage am Transfermarkt nachzulegen. Was tut man? Man verpflichtet, vermutlich auch gezwungenermaßen (Werder ist derzeit sicher kein attraktives Projekt unter der Führung), einen weiteren Trainer ohne 1.-Liga-Erfahrung. Auch der hat den gleichen, limitierten Kader und fängt erneut an, taktisch und personell umzustellen. Yuki raus, Ninja rein, Mbangs wieder teils als LAV, plötzlich darf Puertas wieder starten, der bestenfalls nur gegen den Ball einen Impact hat. Vorne bleibt die gleiche Harmlosigkeit bestehen, wie unter Steffen.

Man kann festhalten: Werder hat sich über die letzten beiden Jahrzehnte bereits finanziell nahezu schachmatt gesetzt (aktuell wären wir nicht mal in der Lage, die Anleihe bis 2030 zurückzuzahlen - und ohne den Zuschuss (Anteilsverkauf) der Investoren hätten wir vermutlich keine Kredite für den Campus bekommen und unser Eigenkapital wäre heute immer noch negativ nach Abstieg und Corona - vermutlich mit Strafen der DFL bis hin zu Punktabzügen). Fritz als unerfahrener Manager - wer kann es ahnen - kann diese kritische Situation nicht handeln. Weder verfügt er offenbar über ein gutes Netzwerk, um günstige Spieler zu holen, noch über das Bewusstsein, mit dem wenigen Geld gezielt den Kader zu verstärken. Noch über die Fähigkeit, die wichtigste Stelle (Trainer) mit Bedacht zu besetzen. Werder hätte dringend nach Baumann einen erfahrenen Manager gebraucht, der das Momentum nach dem Investoren-Einstieg zu nutzen gewusst hätte.

Aber: Auch dann wäre die Gefahr in den kommenden Jahren groß gewesen, dass Werder absteigt, weil Werders finanzielle Zwänge kaum Investitionen zulassen und man immer darauf angewiesen ist, jedes Jahr teuer Spieler zu verkaufen. Aber die muss man erstmal finden, an die Weser locken und ausbilden - und dabei auch noch sportlich erfolgreich sein. Warum man Fritz diese Aufgabe zugetraut hat ohne Erfahrung, frage ich mich bis heute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Finanzielle Zwänge lassen sich aber zumindest ein Stück weit dadurch auflösen, dass man Transferwerte schafft. Wenn mann z.B. in der letzten Sommerpause darauf "hofft", dass man Romano Schmid verkauft, dann würde mich mal interessieren, wie offensiv ein CF seinem Berater dann auch klar gemacht hat, dass man nicht mehr mit RS plant.
Sicher sind wir finanziell nicht auf Rosen gebettet - andersrum habe ich aber auch überhaupt nicht das Gefühl, dass wir eine positiv aggressive, auf Erfolg ausgelegte Transferpolitik betreiben. Und da ist dann die sportliche Leitung um CF einfach in der Pflicht....
 
Es gibt für alles eine Lösung, wenn man richtig damit umgeht und richtig arbeitet. Es gibt genügend Beispiele, wo Vereine mit wenig viel schaffen, wenn man richtig arbeitet. Wenn man sich zum Beispiel Freiburg abschaut. Wir haben scheinbar für Talente oder gute Spieler aus der 2. und 3. Liga ein richtig schlechtes Scouting. Ich verstehe den Plan dann auch nicht alles auf Leihspieler zu setzen. Spieler, die sich wahrscheinlich nie eng mit dem Verein verbinden werden, weil sie eh nur vorübergehend da sind. Gegen 1-2 sagt keiner was. Aber eigentlich alle Transfers? Es muss eine gute Mischung sein. Der Verein muss nach gestern reagieren, und jetzt die Verantwortlichen an die Luft setzen. Leider auch den neuen Trainer. In dieser Konstellation brauchen wir ganz große Wunder.
 
unverständlich für mich die Trainerentscheidung nach dem aus von HS !! wie kann ich in solcher Situation wieder einen total Bundesligaunerfahrenen Trainer holen. vor allem nachdem er ja in Düsseldorf gezeigt hat das er auch dort die Mannschaft nicht mehr in die Spur gebracht hat. Abstieg mit Ansage unfassbar was da geleistet wird!! Für was haben wir eigentlich einen Aufsichtsrat? in jedem Unternehmen wäre bei dieser Arbeitsleistung der Geschäftsführung schon lange die Reissleine gezogen worden. Ist ja fast schon so wie in der Politik einfach weiterwurschteln und Sonntagsreden halten...
mfg
 
Wir können uns drehen und wenden, Clemens trifft nunmal die Hauptschuld für das aktuelle Werderbild.
Wenn seine Rahmenbedingungen so aussehen, wie wir finanziell vermuten, hat er es nicht geschafft, ganz einfach.
Dann darf bitte jemand anderes ans GF-Ruder, der dann hoffentlich mehr Glück und Touch hat.

Kein Sturm, wenig Ertrag bei Verkäufen, viele Leihspieler ohne Raute im Herz.
Er kann wenig für die Verletztensituation seit Sommer 2025, aber den Kader hat Clemens vollbracht.

Dafür sollte er nun entlassen werden, sobald der Abstieg fest steht.
Wer dafür nicht den Ups, ich muss meine Wortwahl ändern ;) hat, sollte dann ebenfalls von sich aus gehen.
 
CF entlassen oder freistellen, kann ihn nur der ASR, der sich ausschließlich aus Nichtfußballfachleuten speist. Der müsste auch einen neuen GF Sport einstellen. Gleiches Problem wegen der mangelnden Expertise.
Der Werderweg ist nicht verhandelbar und Werder muss Werder bleiben. Kontinuität zum Selbstzweck und als Mantra.
CF wird nicht entlassen werden, weil der Verein bei ihm im Wort steht. Irgendein Bauernopfer wird es geben. Ich vermute mal Jahns? Alles Andere würde mich sehr überraschen.
 
Die Frage ist einfach auch warum ein Club wie z.B. Mainz oder Union bessere Finanzen hat als wir...
Da spielen viele Faktoren rein. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt damals für den Umbau/Ausbau des Stadions aufgrund plötzlich stark gestiegener Materialpreise und Fehlkalkulation. Da haben wir uns schon mal ein dickes Handicap geschaffen, an dem wir noch bis etwa 2050 zu knabbern haben. Die Zinslast durch den Kredit läuft ab heute noch etwa 25 Jahre (wie gesagt: Gesamtzinslast im Prospekt war ausgewiesen mit rund 2 Millionen pro Jahr).

Dann kamen zwei Dinge zusammen: Ein sportlich verschuldeter Abstieg und Corona. Unter Corona hatten andere Vereine auch zu knabbern, nicht aber durch den zeitgleichen Abstieg. Hier muss man fair sein: Die Hilfen, die Werder finanziell wegen Corona in Anspruch genommen hat, sind nahezu fast wieder zurückgezahlt. Aber die Kombination aus wirtschaftlichem Druck durch das Stadion, Abstieg und Corona war eine Konstellation, die andere Vereine so nicht hatten. Kritisieren kann man hier den Stadion-Umbau in der Form und den Weg, der uns bereits seit der KATS-Ära sportlich ereilt hat.

Die Folge: Werder hatte vor dem Investoreneinstieg ein negatives Eigenkapital und hätte es auch ohne den Investoren-Zuschuss nicht so schnell drehen können. Wenn überhaupt. Das hat uns quasi vor Strafen durch die DFL bewahrt und wieder handlungsfähiger gemacht. Und das meinte ich auch mit der Ausgangslage: Die hätte hier jeder Manager - unabhängig von Fritz. Umso wichtiger ist es eigentlich, dass kaum Fehlentscheidungen getroffen werden. Werders Lage lässt eben keine große Fehlertoleranz zu - die hat Fritz jetzt aber ausgereizt bzw. übertroffen.

Edit: Und vielleicht noch wichtig: Man hatte sich jahrelang zu sehr auf den sportlichen Erfolg verlassen und auf einige Glücksgriffe wie eben Diego, Micoud, Özil etc.. Aber Werder hat es parallel versäumt, früh eine gute Nachwuchs- und Scoutingarbeit zu etablieren. Denn wenn man die sportlichen, internationalen Töpfe nicht mehr erreicht, bleiben für Vereine wie Werder keine Einnahmen. Die gelingen dann nur durch Transfererlöse.
 
Zuletzt bearbeitet:
CF entlassen oder freistellen, kann ihn nur der ASR, der sich ausschließlich aus Nichtfußballfachleuten speist. Der müsste auch einen neuen GF Sport einstellen. Gleiches Problem wegen der mangelnden Expertise.
Selbst wenn der ASR dazu entschließen würde, CF zu entlassen, stünde der Nachfolger doch bereits in den Startlöchern: PN! Weil das entspräche dem Werder-Weg.
 
Selbst wenn der ASR dazu entschließen würde, CF zu entlassen, stünde der Nachfolger doch bereits in den Startlöchern: PN! Weil das entspräche dem Werder-Weg.
Das glaube ich jetzt weniger, denn ein PN wäre dem Bremer Publikum nicht vermittelbar. Als Ex-Spieler hat er keine großen Fußabdrücke hinterlassen. Seine Auftritte zeugen nicht von viel Sachverstand. Das ist ja bei Werder grundsätzlich kein Problem, aber würde zumindest Fragen aufwerfen.
Mein Votum: CF darf weitermachen. Das wird richtig interessant mit Abstiegsendspielen in der 2.Liga. Mit CF stehen die am Jahresende auf einem Abstiegsplatz. Das erhält den Spannungsbogen. Ich freue mich darauf.
 
Nee - die Frage ist schlicht und einfach, warum wir so viel schlechtere Finanzen haben, als die...
Die Antwort ist eigentlich erschreckend simpel: jahrzehntelang nicht erstligataugliches Management – strategisch kurzsichtig, wirtschaftlich naiv und sportlich ohne nachhaltigen Plan.

Man kalkuliert z.B. Ende der 2000er die Finanzierung eines Stadionumbaus mit dauerhaft 20 Heimspielen pro Saison über 25 bis 30 Jahre – als wäre sportlicher Erfolg eine Naturkonstante und kein Wettbewerbsrisiko. Planung auf Schönwetterbasis, Verbindlichkeiten auf Generationen. Ähnlich wie in der Politik.

Während andere Vereine systematisch Kaderwerte aufbauen, entwickelt der SC Freiburg über Jahre hinweg ein funktionierendes Transfermodell: günstig einkaufen, entwickeln, teuer verkaufen – mit klarer sportlicher Identität. Beispiele aus 2017–2020 sprechen für sich:
  • Robin Koch: 3,5 Mio. → 13 Mio.
  • Nico Schlotterbeck: 90.000 € → 20 Mio.
  • Luca Waldschmidt: 5 Mio. → 15 Mio.
  • Mark Flekken: 2 Mio. → 13 Mio.
  • Kevin Schade: 250.000 € → 25 Mio.
  • Baptiste Santamaria: 10 Mio. → 14 Mio.
Unterm Strich rund 60 Mio. € Transferüberschuss im Breisgau – mit Spielern, die noch vor oder während Corona, gezielt verpflichtet wurden.

Und am Osterdeich? Keine strukturelle Kaderwertschöpfung, keine nachhaltige Transferstrategie, stattdessen die Pandemie und andere äußere Umstände als Universalerklärung. Als wären ausschließlich sie betroffen gewesen. Andere Clubs ohne Investoren, Konzerne oder Mäzene kamen ebenfalls durch diese Zeit – nur eben ohne Anleihe zur Lizenzsicherung. Dabei war zu Amtsbeginn 2016 sogar Liquidität vorhanden: Die Verkäufe von Ujah und Vestergaard brachten rund 24 Mio. € Überschuss. Kapital war also da – nur kein langfristig tragfähiges Konzept.

Fazit: Freiburg arbeitet, entwickelt und verkauft mit System - Werder dagegen verwaltet, reagiert nicht und erklärt stattdessen.
 
Selbst wenn der ASR dazu entschließen würde, CF zu entlassen, stünde der Nachfolger doch bereits in den Startlöchern: PN! Weil das entspräche dem Werder-Weg.
Wenn es zu einer Entlassung kommen sollte, was ich nicht glaube, wird es mMn nicht PN, da bin ich bei @syker1983.
Der Gordische Knoten muss halten, um die Macht zu erhalten wird HHG Bargfrede präsentieren. Dieser befindet sich
ja schon auf der Abschussrampe.
 
Da spielen fiele Faktoren rein. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt damals für den Umbau/Ausbau des Stadions aufgrund plötzlich stark gestiegener Materialpreise und Fehlkalkulation. Da haben wir uns schon mal ein dickes Handicap geschaffen, an dem wir noch bis etwa 2050 zu knabbern haben. Die Zinslast durch den Kredit läuft ab heute noch etwa 25 Jahre (wie gesagt: Gesamtzinslast im Prospekt war ausgewiesen mit rund 2 Millionen pro Jahr).

Dann kamen zwei Dinge zusammen: Ein sportlich verschuldeter Abstieg und Corona. Unter Corona hatten andere Vereine auch zu knabbern, nicht aber durch den zeitgleichen Abstieg. Hier muss man fair sein: Die Hilfen, die Werder finanziell wegen Corona in Anspruch genommen hat, sind nahezu fast wieder zurückgezahlt. Aber die Kombination aus wirtschaftlichem Druck durch das Stadion, Abstieg und Corona war eine Konstellation, die andere Vereine so nicht hatten. Kritisieren kann man hier den Stadion-Umbau in der Form und den Weg, der uns bereits seit der KATS-Ära sportlich ereilt hat.

Die Folge: Werder hatte vor dem Investoreneinstieg ein negatives Eigenkapital und hätte es auch ohne den Investoren-Zuschuss nicht so schnell drehen können. Wenn überhaupt. Das hat uns quasi vor Strafen durch die DFL bewahrt und wieder handlungsfähiger gemacht. Und das meinte ich auch mit der Ausgangslage: Die hätte hier jeder Manager - unabhängig von Fritz. Umso wichtiger ist es eigentlich, dass kaum Fehlentscheidungen getroffen werden. Werders Lage lässt eben keine große Fehlertoleranz zu - die hat Fritz jetzt aber ausgereizt bzw. übertroffen.

Edit: Und vielleicht noch wichtig: Man hatte sich jahrelang zu sehr auf den sportlichen Erfolg verlassen und auf einige Glücksgriffe wie eben Diego, Micoud, Özil etc.. Aber Werder hat es parallel versäumt, früh eine gute Nachwuchs- und Scoutingarbeit zu etablieren. Denn wenn man die sportlichen, internationalen Töpfe nicht mehr erreicht, bleiben für Vereine wie Werder keine Einnahmen. Die gelingen dann nur durch Transfererlöse.
Mit dem Umbau wurden 8000 Plätze geschaffen. Die sollten die 2 Millionen im Jahr locker wieder einbringen. Bei einem Dauerkartenpreis von 300 € sind das schon mal 2,4 Millionen und das nur ganz grob gerechnet.
 
"Wir verstehen die Enttäuschung der Fans", stellte Clemens Fritz ohne Umschweife fest, machte aber weiter Mut. "Wir brauchen jetzt unbedingt einen Sieg. Ich habe trotz der Niederlage eine Mannschaft gesehen, die an unsere Spielidee glaubt und nicht zerfällt, wenn sie in Rückstand gerät. Dass 13 Spiele ohne Sieg auch in den Köpfen ein großes Thema ist, lässt sich nicht leugnen. Wir arbeiten weiter. Es fehlt nicht viel."
Also was hat das Forum denn für Probleme, wenn nicht viel fehlt? CF ist der Experte, der muss es wissen.
 
Die Antwort ist eigentlich erschreckend simpel: jahrzehntelang nicht erstligataugliches Management – strategisch kurzsichtig, wirtschaftlich naiv und sportlich ohne nachhaltigen Plan.

Man kalkuliert z.B. Ende der 2000er die Finanzierung eines Stadionumbaus mit dauerhaft 20 Heimspielen pro Saison über 25 bis 30 Jahre – als wäre sportlicher Erfolg eine Naturkonstante und kein Wettbewerbsrisiko. Planung auf Schönwetterbasis, Verbindlichkeiten auf Generationen. Ähnlich wie in der Politik.

Während andere Vereine systematisch Kaderwerte aufbauen, entwickelt der SC Freiburg über Jahre hinweg ein funktionierendes Transfermodell: günstig einkaufen, entwickeln, teuer verkaufen – mit klarer sportlicher Identität. Beispiele aus 2017–2020 sprechen für sich:
  • Robin Koch: 3,5 Mio. → 13 Mio.
  • Nico Schlotterbeck: 90.000 € → 20 Mio.
  • Luca Waldschmidt: 5 Mio. → 15 Mio.
  • Mark Flekken: 2 Mio. → 13 Mio.
  • Kevin Schade: 250.000 € → 25 Mio.
  • Baptiste Santamaria: 10 Mio. → 14 Mio.
Unterm Strich rund 60 Mio. € Transferüberschuss im Breisgau – mit Spielern, die gezielt vor oder während Corona verpflichtet wurden.

Und am Osterdeich? Keine strukturelle Kaderwertschöpfung, keine nachhaltige Transferstrategie, stattdessen die Pandemie und andere äußere Umstände als Universalerklärung. Als wären ausschließlich sie betroffen gewesen. Andere Clubs ohne Investoren, Konzerne oder Mäzene kamen ebenfalls durch diese Zeit – nur eben ohne Anleihe zur Lizenzsicherung. Dabei war zu Amtsbeginn 2016 sogar Liquidität vorhanden: Die Verkäufe von Ujah und Vestergaard brachten rund 24 Mio. € Überschuss. Kapital war also da – nur kein langfristig tragfähiges Konzept.

Fazit: Freiburg arbeitet, entwickelt und verkauft mit System - Werder dagegen verwaltet, reagiert nicht und erklärt stattdessen.

Btw: Yannick Engelhardt: von 0 Mio. auf 4 Mio. für einen Wimpernschlag :-)
 
"Wir verstehen die Enttäuschung der Fans", stellte Clemens Fritz ohne Umschweife fest, machte aber weiter Mut. "Wir brauchen jetzt unbedingt einen Sieg. Ich habe trotz der Niederlage eine Mannschaft gesehen, die an unsere Spielidee glaubt und nicht zerfällt, wenn sie in Rückstand gerät. Dass 13 Spiele ohne Sieg auch in den Köpfen ein großes Thema ist, lässt sich nicht leugnen. Wir arbeiten weiter. Es fehlt nicht viel."
Also was hat das Forum denn für Probleme, wenn nicht viel fehlt? CF ist der Experte, der muss es wissen.
Das witzige ist ja das alles was hier diskutiert wird größtenteils eintrifft. Das Forum hat natürlich auch Extreme ist aber in Summe ehrlicher und ungefiltert. Mittlerweile brauche ich da gar keine Bestätigung mehr von den sog. Experten vor Ort. Werder ist so festgefahren in Ihrer Ideologie und Kommunikation, das es sich anhört wie eine Kassette die auf Autoreverse läuft ... immer das gleiche.. Beschwichtigungen, Hinhalten, Zusammenstehen, Gute Ansätze und Ruhig bleiben.

Jeder der Werder kennt weiß das es den Verantwortlichen nur um Machterhalt geht im Strukturschwachen Bremen. Der Machterhalt wird gesichert durch kommunikativen Zusammenhalt unter völliger Ausblendung der Realität und interne Besetzungen mit Leuten, die den 8maligen Loyalitätstest bestanden haben. Wo willst sonst ohne groß was zu leisten so abkassieren ... es geht um Stühle anstatt um Fussball!

Fussball ist in Bremen schon sehr lange zur Nebensache verkommen ...
Ich bin nicht mehr Stolz Werder Fan zu sein. Diese Werte teile ich nicht ....
 
Mit dem Umbau wurden 8000 Plätze geschaffen. Die sollten die 2 Millionen im Jahr locker wieder einbringen. Bei einem Dauerkartenpreis von 300 € sind das schon mal 2,4 Millionen und das nur ganz grob gerechnet.
Da muss man unterscheiden: Die 2 Millionen sind die Gesamtzinslast (nicht nur allein durch den Stadionumbau, aber das wird der größte Posten sein). Und man kann diese Werte nicht 1:1 gegenüberstellen (zumal die Weserstadion GmbH entsprechend beteiligt ist). Entscheidend ist, dass am Ende jährlich 2 Millionen Zinsen abgehen u.a. wegen des Stadionumbaus und am Ende ein Defizit von rund 7,5 Millionen Euro steht - da sind alle Einnahmen ja schon abgebildet. Das wäre der Überschuss gewesen, den man hätte erreichen müssen, um bei Null rauszukommen.

@Bremen: Eine Feinheit: Die Anleihe war nicht primär entscheidend für die Lizenzsicherung. Das war ein Baustein zusammen mit dem Investoren-Geld. Letztlich war wichtig, dass man insgesamt in der Bilanz wieder Eigenkapital vorweisen konnte. Aber das ist auch zu viel OT.

Insgesamt ist die Lage finanziell brisant - bei einem Abstieg natürlich noch mehr, weil Fixkosten wie die zu zahlenden Zinsen und Investitionen in gleicher Höhe weiterlaufen. Gleichzeitig brechen aber ein Großteil der Medienerlöse weg (die man zum Teil durch Verkäufe und Gehaltsanpassungen auffangen könnte). Aber bei so vielen Baustellen würde ich den handelnden Personen nicht mehr zutrauen, unter den Umständen noch eine sportlich konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Man hat halt kein Geld mehr, um zu investieren und müsste viel auf die Jugend setzen und ggf. weiter mit Leihen arbeiten. Ggf. einige Säulen halten, wenn man genug Einnahmen durch Verkäufe getätigt hat.
 
Back
Top