Aus meiner Sicht sieht es so aus:
Die Gegenwart gibt Löw und seiner Personalpolitik weitgehend recht. Auch ich muss mir das eingestehen.
Das gilt in erster Linie für den Fussball, der Löw anscheinend vorschwebt und der zumindest in den letzten beiden Spielen gezeigt wurde.
Auch meine Vermutung, dass sich das Fehlen von erfahrenen Führungsspielern wie Ballack oder Frings spätestens dann rächen würde, wenn es gegen beinharte Gegner wie Argentinien gehen würde, wo man normalerweise kämpfen und beissen muss, hat sich nicht bestätigt. Das liegt daran, dass der der Fußball, Mick hat das finde ich mal wieder gut beschrieben, auf die platt gesagt "deutschen Tugenden" nicht mehr angewiesen ist (oder zu sein scheint). Und das gefällt mir eigentlich prinzipiell sehr gut.
Ob Löw damit alles richtig gemacht hat, sei dahingestellt. Aber es ist zumindest bisher aufgegangen.
Es gab sicher Klippen. Das Spiel gegen Argentinien hätte vielleicht auch anders laufen können, wenn die deutsche Mannschaft nicht so früh in Führung gegangen wäre, das gegen England, wenn das englische Tor anerkannt worden wäre. Und in der Vorrunde war auch nicht alles Gold.
Aber dazu ist es Fußball, und nicht Computer. Da nachzukarten fände ich etwas billig.
Was die defensiven Mittelfeldspieler betrifft, ist Löw sicher mit einem kleinen Engpass ins Turnier gegangen. Aber dazu muss man auch sagen, dass mit Westermann, Ballack und Träsch drei Spieler aus dem ersten Aufgebot ausgefallen sind, die im defensiven Mittelfeld hätten spielen können. Das kann man Löw schlecht vorwerfen.
Was den Umgang mit Spielern wie Frings oder Kuranyi betrifft, stimme ich 5vor12 allerdings prinzipiell sehr zu. Das sah zumindest nach außen sehr schwach aus, wechselnde Begründungen, angebliche Chancen, die es dann doch nicht gab usw.. Das sah sehr nach einer Profilschwäche von Löw aus.
Allerdings weiß man letzten Endes tatsächlich nicht, was intern angesprochen wurde und welche Begründungen im persönlichen Gespräch gegeben wurden.
Und am Ende des Tages ist es vielleicht auch so, dass man den persönlichen Umgang und das Lavieren im Vorfeld und innerhalb der Teambildung von dem trennen muss, was jetzt an Ergebnissen und an Fußball herauskommt.
Bei ersterem ist Kritik aus meiner Sicht angebracht und legitim.
Aber am Ende zählt doch eher die Performance bei der WM, und die ist über jeden Zweifel erhaben.
MFG dkbs