Nach dem Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin entfachte eine hitzige Debatte über die Sicherheit in deutschen Stadien. Fühlen Sie sich im Stadion sicher?
Rost: Ja! Wir leben in einer Zeit, in der der Boulevard solche Themen hochkocht. Selbst Innenminister springen auf diesen Zug auf, aber das tun sie nicht, um dem Fußball zu helfen. Da geht es einzig um Wählerstimmen. Natürlich war das, was in Düsseldorf passiert ist, keineswegs in Ordnung. Aber die Reaktion der Düsseldorfer ist aus der Euphorie heraus entstanden. Dass das trotzdem nicht passieren darf, steht außer Frage. Zu bengalischen Feuern muss man festhalten, dass es dadurch meines Wissens noch nie zu Todesfällen gekommen ist, auch wenn das abbrennen viele Gefahren birgt, die ich nicht verharmlosen möchte. Doch der Weg zum Stadion ist mit Sicherheit gefährlicher für die Fans als in ihrer Kurve zu stehen. Die bengalischen Feuer sind nicht das eigentliche Problem. Es ist die wachsende Zahl von Chaoten und Idioten unter 50 000 friedlichen Besuchern. Meiner Meinung nach trägt dafür auch der Rechtsstaat, der diese Menschen nicht konsequent genug verurteilt, eine Mitschuld. Auf der anderen Seite sprechen Polizei und Vereine inzwischen auf Verdacht Stadionverbote aus, die nach dem rechtsstaatlichen Prinzip eigentlich nicht haltbar sind. 99 % der Fans verhalten sich korrekt, das eine Prozent darf nicht die Kriminalisierung aller Fans rechtfertigen.
Was ist die Lösung des Problems?
Rost: Eigenverantwortung, sodass ein Selbstreinigungsprozess in den Fanszenen stattfindet. Ich würde es gut finden, wenn man das Anzünden von Bengalischen Feuern unter Kontrolle und im Einvernehmen mit der Polizei legalisiert, wie das auch in anderen Ländern praktiziert wird. Aber wenn irgendwo einer illegal ein Feuer zündet, dann soll konsequent gegen ihn Anklage erhoben, ein Urteil gesprochen und dann ein langjähriges Stadionverbot ausgesprochen werden. Wenn man alles nur diktiert oder verbietet, führt das zum Gegenteil. Man muss die Meinung der Fans in die Diskussionen miteinbeziehen und sie selbst mit in die Verantwortung nehmen. Ich denke, dass die Fangruppierungen dann viel mehr selbst in den Kurven für Ordnung sorgen werden.
Die mögliche Abschaffung der Stehplätze würde demnach nichts an der Ursache des
Problems ändern.
Rost: Richtig, aber wenn ich jetzt ketzerisch sein darf, würde ich behaupten, dass man für einen Stehplatz weniger Geld verlangen kann, als für einen Sitzplatz. Ich habe viele Stadien gesehen und muss sagen, dass ich mich nie unsicher gefühlt oder sogar Angst gehabt habe. Wir werden nicht verhindern können, dass Idioten und Chaoten den Weg ins Stadion unter die friedlichen Fans finden. Es ist aber Unsinn zu behaupten, dass der Fußball die Bühne der Gewalt ist. Die Hemmschwelle muss einfach nach oben getrieben werden intern wie auch extern. Das erreicht man durch die konsequentere Anwendung der Gesetze.