Babak Rafati

Warum zitierst du mich? Wo sagte ich denn, dass es irgendwas mit seinen Suizid-Versuch zu tun hat?
 
Ich glaube sehr wohl, dass die Öffentlichkeit in gewisser Weise ein Recht darauf hat, zu erfahren, warum ein Bundesliga-Spiel vor 50.000 Zuschauer abgesagt werden muss. Nichts anderes hat Zwanziger gestern mit der Pressekonferenz bewirkt.
Geht es die Öffentlichkeit wirklich etwas an, dass die Lebensgefährtin zuerst nicht erreicht werden konnte? Ist es wichtig, dass Zwanziger uns erzählt, dass viel Blut zu sehen war? Da wurde der komplette Vorfall von vorne bis hinten chronologisch und bis ins letzte Detail aufgeführt, und direkt ein Bezug zu irgendwelchen Druck-Situationen / Burnout / Drepression gezogen.

Und die Sportschau hatte diese PK inklusive anschließendem Live-Interview als erstes Thema im Programm, dazu noch mehr als 20 Minuten lang. Kein weiterer Beitrag in der Sendung wurde mit mehr als 20 Minuten Sendezeit bedacht.

Der Vorfall ist tragisch, keine Frage. Trotzdem ist für mich diese extreme Berichterstattung mit Abstand zuviel des Guten.

Die Sportsendungen von ARD und ZDF machen heute übrigens wieder mit dem gleichen Thema auf, obwohl sich an der Faktenlage noch gar nichts geändert hat..
 
Sag ich ganz ehrlich: damit muss man umgehen können oder eben keine Tätigkeit als Schiri ausüben. Ansonsten sollte man sich jegliche negative Kritik zukünftig sparen.

Sehe ich ähnlich. Bestimmte Berufe mit Menschenkontakt und viel Emotionen haben ein ganz anderes Anforderungsprofil. Das wird m.E. vielfach einfach unterschätzt. Ich kenne beispielsweise eine fachlich sehr begnadete Lehrerin, die das Wissen auch gut transportieren kann bzw. konnte. Mit ihrem "Umfeld" kam sie allerdings überhaupt nicht klar und musste ihren Beruf aufgeben. Sie hätte sich auch eine Ausbildung/Studium gewünscht, in dem dieses Thema einen größeren Stellenwert hat.

Auf der anderen Seite gebe ich auch allen Leuten recht, die hier mit dem Finger auf den "Umgang miteinander" zeigen. Wir machen es uns doch selbst immer wieder schwer, weil der Egoismus und Dreistigkeit fast überall die Oberhand gewonnen haben. Selbst in meiner Branche, die eigentlich als sehr "ruhig" einzustufen ist, wird der Ton immer rauher. Ich versuche aber, mich darauf einzustellen, was mir auch gut gelingt.

Ich hoffe, dass Rafati bald wieder auf die Beine kommt, denke aber auch, dass er nie wieder zur Pfeife greifen wird. Wobei das ja auch erst einmal völlig nebensächlich ist.
 
Auch wenn ich meine, dass hier vieles ein wenig OT ist, werde ich mich dazu jetzt mal auch äußern.

Ich kann es ja verstehen, dass irgendwie gleich nach einem faieren Umgang etc. geschrien wird. Ist auch relativ einfach. Aber es gibt nicht nur andere nicht so in der Öffentlichkeit stehenden Jobs, die "hart" sind. Sogar härter als das, was Schiris und Spieler aushalten müssen. Sondern viele Jobs, gerade wenn man selbständig ist, bringen noch ein unendliches wirtschaftliches Risiko mitsich. Druck ist immer vorhanden. Egal, ob er öffentlich durch Fans, Vereine, Spieler oder den Verband erzeugt wird oder ob er einfach eben da es, weil es um die Existenz geht. Damit muss man dann umgehen können oder sich irgendetwas anderes suchen. Nicht jeder Mensch ist für jeden Job geeignet oder geschaffen. Wir sind, zum Glück, alle sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Wir haben alle unsere Stärken und Schwächen. Und entsprechend dieser müssen wir diese einbringen. Übrigens kann sich auch eine vermeintliche Schwäche in einer anderen Konstellation als absolute Sträke erweisen.
 
Darf man diese Grundsatzdiskussion also nicht führen? Es hat doch niemand behauptet, dass Rafati dem Druck nicht standhalten konnte, es geht nur um die Diskussionspunkte an sich.

@Felissilvestris
So ist es und so wird es immer sein.
 
Ich finde es toll... Erinnere an Kerners Worte in Sachen Spekulationen!

Wie wärs wenn du dir erstmal die Beiträge durchliest... Hier geht es unabhängig davon, welche Gründe zum Selbstmordversuch von Rafati führten darum, warum es nicht möglich ist Menschen anderer Vereine, Schiedsrichter etc. so zu behandeln wie Menschen und nicht wie verabscheuungswürdige Wesen.

Deshalb greifen auch die Kommentare von Felissilvestris und Waechter zu kurz. Sicher weiß man als Schiedsrichter/Spieler worauf man sich einlässt, aber dennoch sollte die Form der Kritik ein gewisses Maß wahren. Leider schalten aber viele sobald sie in der Nähe eines Fußballs sind ihr Gehirn aus und benehmen sich wie pubertierende Chaoten. Alles weitere gehört dann aber wohl in einen extra Thread und nicht mehr hier hinein.

Ich denke solange man bei Rafati nicht näheres weiß, ist es sowieso müßig über irgendwas zu spekulieren. Das sehen aber hier auch die meisten so ;)
 
Dann äußere ich mich hier jetzt auch noch einmal in dieser Grundsatzdiskussion (losgelöst von Rafati).

Sag ich ganz ehrlich: damit muss man umgehen können oder eben keine Tätigkeit als Schiri ausüben. Ansonsten sollte man sich jegliche negative Kritik zukünftig sparen.

Kritik ist ok, ja sogar gut, solange sie sachlich und konstruktiv ist. Und ich finde, das ist etwas, was auch im Fußball so sein sollte. Ich finde es nicht richtig, was für Worte manchmal auf Tribüne und in Interviews fallen.

Aber es gibt nicht nur andere nicht so in der Öffentlichkeit stehenden Jobs, die "hart" sind. Sogar härter als das, was Schiris und Spieler aushalten müssen. [...] Damit muss man dann umgehen können oder sich irgendetwas anderes suchen.

Ist auf jeden Fall so. Sicher kommt für die Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, verstärkt der mediale Druck hinzu, aber eigentlich steht so ziemlich jeder Mensch unter Druck - und einige können damit besser und andere schlechter umgehen. Und du hast auch recht, wenn du sagst, dass man damit umgehen können muss bzw. das lernen muss, indem man sich ggbf. Hilfe holt, wenn man in seinem Beruf bestehen will.

Aber ich glaube, wir könnten uns auch gegenseitig helfen, dass man diesem Druck/Kritik besser standhalten kann, wenn man anders miteinander umgeht. Gut formuliert von Mr Ed:

Auf der anderen Seite gebe ich auch allen Leuten recht, die hier mit dem Finger auf den "Umgang miteinander" zeigen. Wir machen es uns doch selbst immer wieder schwer, weil der Egoismus und Dreistigkeit fast überall die Oberhand gewonnen haben.
 
Aber ich glaube, wir könnten uns auch gegenseitig helfen, dass man diesem Druck/Kritik besser standhalten kann, wenn man anders miteinander umgeht. Gut formuliert von Mr Ed:

Ja und Nein. Zumindest ist es bei mir so, dass ich es bevorzuge, wenn man mir gegenüber klare und in der Sache auch durchaus harte Worte gegenüber finde, wenn jemanden etwas an mir oder meiner Arbeit stört.

Ich kan es beispielsweise überhaupt nicht haben, wenn irgendwer anfäng rumzulamentieren und mich am Ende im Ungewissen lässt. Irgendwann bekommt man dann mit, dass der nur oberflächlich freundlich war und versucht hat irgendwie "nett" zu sein.

Für mich entsteht "Druck" eher aus einer Ungewissheit als aus der Tatsache, dass irgendjemand sagt, dass ich oder das was ich mache sch*** sei.
 
Ja und Nein. Zumindest ist es bei mir so, dass ich es bevorzuge, wenn man mir gegenüber klare und in der Sache auch durchaus harte Worte gegenüber finde, wenn jemanden etwas an mir oder meiner Arbeit stört.

Ich kan es beispielsweise überhaupt nicht haben, wenn irgendwer anfäng rumzulamentieren und mich am Ende im Ungewissen lässt. Irgendwann bekommt man dann mit, dass der nur oberflächlich freundlich war und versucht hat irgendwie "nett" zu sein.

Für mich entsteht "Druck" eher aus einer Ungewissheit als aus der Tatsache, dass irgendjemand sagt, dass ich oder das was ich mache sch*** sei.

Jemandem helfen heißt doch nicht, dass man dem Honig ums Maul schmiert und alles schönredet. Es geht um RESPEKTVOLLEN Umgang miteinander. Im Fußball und überall sonst auch.
 
Kritik ist ok, ja sogar gut, solange sie sachlich und konstruktiv ist. Und ich finde, das ist etwas, was auch im Fußball so sein sollte. Ich finde es nicht richtig, was für Worte manchmal auf Tribüne und in Interviews fallen.

Da stimme ich Dir zu. Die Unparteiischen werden gerne zu Sündenböcken abgestempelt, vor allem dann, wenn die eigene Mannschaft nicht gewonnen hat. Gerade mit Vereinsbrille ist es ja leichter und bequemer, bei ein oder zwei vermeidlich oder tatsächlichen Fehlentscheidungen die Schuld für ein nicht gewonnenes Spiel beim Schiri zu suchen, während man die kampitale Abwefehler und/oder nicht genutzte Torchancen außer Acht läßt.

Aber auch die Fußballverbände DFB/UEFA/FIFA tragen ihren Anteil zu der überzogenen Schiri-Schelte bei, weil sie in der Öffentlichkeit einen viel zu unkritischen Umgang mit den Schiris pflegen, wodurch man der unsachlichen Kritik unnötig zusätzlichen Nährboden bereitet. Bestes Beispiel ist hierfür die sog. Tatsachenentscheidung, durch die ein Spieler nach einem Platzverweis automatisch für ein Spiel gesperrt wird, auch wenn die TV-Bilder beweisen, daß der betroffene Spieler unschuldig ist. Eine solche "Justiz" widerspricht jedem gesunden Rechtsempfinden, so daß die Schiris das ausbaden müssen, was die Funktionäre in den Verbänden verbockt haben.
 
Jemandem helfen heißt doch nicht, dass man dem Honig ums Maul schmiert und alles schönredet. Es geht um RESPEKTVOLLEN Umgang miteinander. Im Fußball und überall sonst auch.

Genau das mit dem respektvollem Umgang hat DFB-Präsi Zwanziger im Sportsudio auch geäußert - nur nach seinem Selbstverständnis sind respektvoller Umgang und Honig ums Maul schmieren das gleiche, weil er über vielen Dingen (Machenschaften von Blatter, Akustik-Attacke in Sinsheim) gerne den Mantel des Schweigens hüllt.
 
Jemandem helfen heißt doch nicht, dass man dem Honig ums Maul schmiert und alles schönredet. Es geht um RESPEKTVOLLEN Umgang miteinander. Im Fußball und überall sonst auch.

Definiere "Respektvollen Umgang". Da fängt es doch schon an. Das man Respekt vor einem Menschen hat ist das eine. Respekt vor der Arbeit muss man nicht haben, wenn sie besch*** ist. Und man kann das auch genau so sagen.
 
Definiere "Respektvollen Umgang". Da fängt es doch schon an. Das man Respekt vor einem Menschen hat ist das eine. Respekt vor der Arbeit muss man nicht haben, wenn sie besch*** ist. Und man kann das auch genau so sagen.

Ja, sowas kann, wenn nicht soll man sogar sagen, jedoch sollte es auf die Arbeit bezogen bleiben.
Und das tut es oftmals nicht. (So wird Rafati auch nie wieder pfeifen, da spätestens bei der zweiten Fehlentscheidung Fans Sprüche wie "wärst du mal lieber gestorben" o.Ä. verlauten lassen werden)
Und es sind nunmal, genauso wie Spieler, Trainer und co. "nur" Menschen, die auch Fehler machen.

Wobei ich es unnötig finde darüber zu diskutieren, da auch Hauptjob, Familie oder Kindheit eine Rolle spielen können, gerade wenn Depressionen im Spiel sind.
 
Geht es die Öffentlichkeit wirklich etwas an, dass die Lebensgefährtin zuerst nicht erreicht werden konnte? Ist es wichtig, dass Zwanziger uns erzählt, dass viel Blut zu sehen war? Da wurde der komplette Vorfall von vorne bis hinten chronologisch und bis ins letzte Detail aufgeführt, und direkt ein Bezug zu irgendwelchen Druck-Situationen / Burnout / Drepression gezogen.

Und die Sportschau hatte diese PK inklusive anschließendem Live-Interview als erstes Thema im Programm, dazu noch mehr als 20 Minuten lang. Kein weiterer Beitrag in der Sendung wurde mit mehr als 20 Minuten Sendezeit bedacht.

Der Vorfall ist tragisch, keine Frage. Trotzdem ist für mich diese extreme Berichterstattung mit Abstand zuviel des Guten.

Die Sportsendungen von ARD und ZDF machen heute übrigens wieder mit dem gleichen Thema auf, obwohl sich an der Faktenlage noch gar nichts geändert hat..

Dass die Freundin nicht oder erst spät erreicht werden konnte, hat nun wirklich niemanden zu interessieren. Da gebe ich Dir recht.

Die Passage mit dem "vielen Blut" ist sicher auch bedenkenswert. Allerdings hat Zwanziger sie, meiner Meinung nach, gebraucht um zu schildern, unter welcher psychologischer Belastung die Assistenten standen, die Rafati gefunden haben. Er wollte verdeutlichen, dass niemand dieser drei das Spiel ersatzweise hätte leiten können und alle seelsorgerisch betreut werden müssen. Den Inhalt dieser Aussage finde ich völlig richtig! Man hätte andere Worte bzw. "Bilder" wählen können.

Was ich nicht gut finde, ist die Berichterstattung seit dem heutigen Tag. Gestern waren viele Tausend Fußball-Fans von der Absage betroffen, heute hat nur noch Familie Rafati und das Umfeld zu interessieren, welche Motive es gab, wie es weitergehen soll usw..
 
Definiere "Respektvollen Umgang". Da fängt es doch schon an. Das man Respekt vor einem Menschen hat ist das eine. Respekt vor der Arbeit muss man nicht haben, wenn sie besch*** ist. Und man kann das auch genau so sagen.

Ja, über die Arbeit kann man es sagen.
Aber hier liegt eben das Problem - es ist einfach leider mitnichten so das nur die Arbeit kritisiert wird. Viel zu oft wird es viel zu schnell persönlich, da geht es dann nur noch darum Menschen niederzumachen und aufs übelste zu Beleidigen. Da werden Menschen bedroht weil sie (vermeintlich) eine falsche Entscheidung getroffen haben, sie sind "Arschlöcher" oder "Hurensöhne" und das nicht nur aus der spontanen Emotion heraus sondern auch fleißig deutlich nach Spielen.
Das ist dann der Punkt an dem Grenzen überschritten werden.

Ich will das auch gar nicht nur auf die Schiedsrichterei oder den Fußball bezogen wissen, das zieht sich ja leider durch die ganze Gesellschaft.
 
Definiere "Respektvollen Umgang". Da fängt es doch schon an. Das man Respekt vor einem Menschen hat ist das eine. Respekt vor der Arbeit muss man nicht haben, wenn sie besch*** ist. Und man kann das auch genau so sagen.

Ach komm. Wir können uns jetzt um eine Definition für "Respekt" seitenlang und spitzfindig streiten und würden zu keinem Ergebnis kommen, mit dem alle hier glücklich sind. Das ist mit jedem Begriff so, der etwas Abstraktes, einen Wert bezeichnet, weil jeder Mensch etwas geringfügig (oder seltener auch extrem) anderes darunter versteht. Aber grob stimmt das, was man im Kopf hat, wenn man "Respekt" sagt, bei den meisten Menschen (in einem Kulturkreis, zu einer bestimmten Zeit etc. - nur damit da nicht noch wieder jemand ankommt) wohl schon überein. Ansonsten würde Kommunikation doch überhaupt gar nicht funktionieren. Und wenn ich z.B. sage: "Diese Gurke (füge schlimmeres Schimpfwort ein) kann gar nichts, das ist ein Versager etc." und mache das öffentlich, stelle ihn also bloß oder stachle es auch noch an, dass andere gegen ihn hetzen - dann können wir uns doch sicher darauf einigen, dass das nicht respektvoll ist. Wenn ich jemandem unter vier Augen sagen: "Was du da ablieferst, reicht einfach nicht"/"Das geht so nicht, mach dies und das anders", dann ist das etwas anderes.

Das Wort "beschissen" würde ich übrigens auch nicht als respektvoll bezeichnen. Das sag ich vielleicht, wenn ich mich mit Freunden oder Familie unterhalte, aber auf einer professionellen Ebene ist das ziemlich daneben.
 
Genau das ist aber so ungefähr das, was ich meinte. Es kommt immer auch auf den Kontext an wie etwas gesagt wird. Und wie versucht habe auszudrücken "trifft" es mich eher, wenn ich das Gefühl, dass mir jemand nicht offen gegenüber ist. Ich kann eher damit leben, wenn mir jemand direkt ins Gesicht sagt, was ihm nicht passt, ggf. auch in harscher Wortwahl, als wenn jemand ich eben oben geschildertes Gefühl habe.
 
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