- Also, erstmal stelle ich fest, dass die allermeisten Jobs auch bei Preissteigerungen im Endprodukt nicht wegfallen würden. Wenn z.B. in Thüringen ein Friseurtermin 2 Euro mehr kostet durch den Mindestlohn, wird wohl kaum einer ins Ausland fahren, um dort zum Friseur zu gehen. Die allermeisten Jobs in Niedriglohnsektoren sind einfach nicht auslagerbar
Vielleicht nicht auslagerbar. Aber wenn der Haarschnitt teurer wird, gehen viele Leute halt nicht mehr so oft zum Friseur, lassen sich die Haare von Freunden/Familie oder in Schwarzarbeit schneiden. Und ganz ehrlich: Wenn ich mich hier in Frankfurt oder auch anderswo so umgucke, gibt es so viele Friseursalons, dass dort einige wegfallen könnten, ohne dass eine Versorgungslücke entsteht. Die Jobs werden nicht ausgelagert, die fallen einfach weg.
- ein SEHR WICHTIGES Argument: Die Firmen, die faire Löhne zahlen machen sich damit selbst kaputt!! Weil diese mehr Löhne und mehr Sozialabgaben zahlen, finanzieren sie indirekt auch das Lohndumping der direkten Konkurrenten (weil die Arbeiter der Konkurrenz zum Teil vom Staat mitfinanziert werden) und zerstören sich damit selbst. Das muss man sich mal klarmachen.
Deshalb bin ich beim von mir favorisierten Bürgergeld auch für eine genaue Prüfung seitens des Staates, wenn ein Unternehmen Bürgergeld in Verrechnung mit dem Lohn beantragen. Das könnte in etwa so aussehen wie bei der Kurzarbeit, wofür die Finanzmittel ja auch beantragt werden müssen. Bürgergeld sollte es nur dann geben, wenn die Notwendigkeit besteht. Ein Ausnutzen der staatlichen Leistung durch Firmen muss verhindert werden. Ansonsten gilt: Wer höhere Löhne zahlt, bekommt auch die besten Arbeiter und bietet die beste Qualität. Diese wird sich, wenn auch nicht bei allen potenziellen Kunden (s.u.), durchsetzen, sodass ein solches Unternehmen auch gegenüber billigerer Konkurrenz bestehen kann.
- im deutschen Markt würde dann bei gleichen Voraussetzungen beim Lohn letztlich die Qualität entscheiden, welcher Anbieter sich durchsetzt und welcher nicht
Der Preis ist aber für viele Leute schon aufgrund des Geldbeutels ein wichtiges Entscheidungskriterium. Es gibt halt Kunden, die genug Geld haben und unabhängig vom Preis nur auf die Qualität achten können. Es gibt aber eben auch sehr viele, die stark auf den Preis achten müssen. Ein Wettbewerb über den Preis gehört in einer Marktwirtschaft dazu. Und nochmal: Steigt der Preis z.B. für einen Haarschnitt deutlich an, wird diese Dienstleistung eben verstärkt auf inoffiziellem Wege wahrgenommen.
- Durch einen Mindestlohn gäbe es allgemein in Deutschland mehr Kaufkraft, d.h. zusätzliche Jobs würden geschaffen werden.
Nicht wenn noch mehr Jobs wegfallen und die Kaufkraft dieser menschen fehlt. mMn die wahrscheinlichere Variante.
- ich finde eine Gesellschaft im 3. Jahrtausend darf es nicht akzeptieren, dass Leute für einen Lohn arbeiten müssen, von dem sie nicht leben können
Stimmt, deshalb bin ich auch für das Bürgergeld als das Instrument, mit dem dies am effektivsten geändert werden kann.
- wenn das alles so schlimme Auswirkungen hätte, frage ich mich, warum so ziemlich alle Länder um uns herum den Mindestlohn haben (teilweise deutlich höher als es Gewerkschaften, die SPD und die Grünen fordern) und dort trotzdem nicht mehr Arbeitslosigkeit herrscht als bei uns
Reine Quervergleiche mit anderen Ländern sind zu einfach. Da spielen noch andere faktoren mit rein, wie die Flexibilität des Arbeitsmarktes, die Höhe der Lohnnebenkosten u.a.. Hier hat Deutschland mit die ungünstigsten Rahmenbedingungen für ein Mindestlohnexperiment. Außerdem fallen diejenigen Länder aus der Rechnung raus, in denen der Mindestlohn niedriger ist als der durchschnittliche Marktlohn. In diesem Fall hat der Mindestlohn schlicht keine Wirkung.
- Mindestlöhne bekämpfen Schwarzarbeit, weil Menschen von Ihrer Tätigkeit leben können und so nicht mehr schwarz Geld dazu verdienen müssen
Mindestlöhne begünstigen Schwarzarbeit, weil viele Dienstleistungen teurer werden und die Menschen einen stärkeren Anreiz haben, sich diese Dienstleistungen auf dem Schwarzmarkt zu besorgen.
- und letztlich ergeben sich deutlich höhere Staatseinnahmen, weil mehr Sozialabgaben reinkommen
Nicht wenn dieser Effekt überlagert wird von Arbeitsplatzabbau und Zunahme der Schwarzarbeit.