Letzten Endes ist aber der Minister derjenige, der für das Ressort die Vorgaben macht und die Weisungen erteilt. Die Ressortmitarbeiter arbeiten zu und haben bedingten beratenden Einfluss (dabei muss man beachten, dass die Staatssekretäre zumeist auch gediente Parteisoldaten sind). Zudem konnten und können einige Minister auch keine Behörde leiten, da sie meistens nicht wegen ihrer Führungs- und Organisationsqualitäten dahin kommen (Ausnahmen gibt es aber schon, das stimmt), sondern weil sie sich in der Partei hochgearbeitet haben.
Einfach zu sagen, dass sie als Ressortleiter lediglich Personalführungsaufgaben haben und der Rest läuft schon, birgt in meinen Augen zwei Denkfehler:
Erstens: Wenn dem so wäre, bräuchten wir auch keine Wahlen oder zumindest keine parteipolitischen Minister. Die Behörde würde ja auch so arbeiten. Dem ist aber nicht so, denn die großen Vorgaben kommen von der Politik und die Behörde führt lediglich aus. Sind die Vorgaben nicht durchdacht, hilft auch eine gute Behörde nichts. Und bei den Vorgaben fehlt oft schlicht und ergreifend der Fachverstand. Zwar gibt es Berater, aber inwieweit die beachtet werden, wenn die nicht das Mantra wiederholen, das die jeweilige Partei für sich beansprucht, kann man am Rat der Wirtschaftsweisen oder zuletzt beim Schwarzbuch für Steuerverschwendungen sehen. Die Rufe vieler überparteilicher Experten verhallen ungehört.
Zweitens: Mit der Argumentation könnte ich auch behaupten, dass in der freien Wirtschaft Abteilungsleiter oder gar Geschäftsführer oder Mitglieder des Managementboards nur bedingt Ahnung zu haben brauchen, das erledigen ja die Mitarbeiter. Dass das nicht der Realität entspricht konnte man zuletzt bei Middelhoff und Arcandor schön beobachten: Wenn die Grundvorgaben Murks und die Bestimmenden beratungsresistent sind, nützen die besten Mitarbeiter nichts.
Natürlich kommen die Vorgaben von der Politik. Aber wer ist denn maßgeben für die Programmatik der Parteien zuständig. Das sind doch nur zum größten Teil die Personen, die am Ende die keinen Ministerposten übernehmen. Die Programmatik wird in den meisten Parteien von so genannten Bundesarbeitskreisen/fachausschüssen (auf Landesbene entsprechend) erarbeitet. Dann auf Parteitagen diskutiert und beschlossen. Das mag bei der SPD in den letzten Jahren ein bisschen anders ausgesehen haben, aber das hat Gabriel ja schon offen angeprangert.
Natürlich wird die Richtung von der Ressortleitung vorgegeben, aber die Richtung wird doch schon durch die Programmatik der Partei oder eben den enstprechenden Koalitionskompromissen vorgegeben. Tatsache ist und bleibt, dass ein Minister kein Spezialist auf den Gebiet sein muss, in dem er ein Ressort leitet. Mit der freien Wirtschaft ist das ja schon gar nicht zu vergleichen...


